Auch eine Reise von tausend Meilen fängt mit dem ersten Schritt an. aus China Der den Vögeln des Himmels ihr Nest bereitet und den wilden Tieren in Waldeshöhlen einen Unterschlupf bietet,wird auch uns nicht vergessen. Don Bosco
Es ist fast Mitternacht.Stille im Haus.So gut es ging habe ich,wie wohl auch alle Mitradler und besonders die Mitradlerinnen, in den letzten Tagen vor der Abreise mit höchster Steigerung am heutigen Ostersonntag versucht,Reisevorbereitungen und Familienleben unter einen Hut zu bringen.Nun da dies mehr oder weniger gelungen ist-wie gesagt-Ruhe ist im Haus eingekehrt,beginnen Anspannung und Vorfreude mein Seelenleben zu beflügeln.3500Radkilometer stehen vor meinem geistigen Auge. Dann noch ein kurzer Blick zurück auf die turbulenten Vorbereitungen. Selbst heute mußte ich noch den Martin quälen,der sich weiß Gott nach seiner monatelangen mühevollen Organisationstätigkeit wenigstens einen letzten Ruhetag mit seiner Familie,noch dazu zum Geburtstag seiner Tochter verdient hätte.Das alles,weil der Computer mir meine Schreibrechte nicht und nicht herausrücken wollte.Aber,wie man sieht nun klappt auch dieses letzte Vorbereitungspuzzle. Was will ich mit meinem Tagebuch? Einerseits aktuelle Reiseerlebnisse festhalten.Andererseits- und das würde für mich eine Vertiefung des Grundgedankens unserer Friedensradfahrt bedeuten:Über Fragen,von denen ich annehme,dass sie viele Menschen in ihrem Herzensgrund berühren könnten,gleichgültig,ob sie Juden,Christen oder Moslems sind, zu schreiben. So habe ich dem heutigen Beitrag zwei Denkweisen vorangestellt.Beide sind mutmachend.Die eine aus China:mit dem ersten Schritt ist ein Anfang gemacht.Aus dem Gedankenschritt wird ein Tatschritt,aber den kann dir keiner abnehmen,den mußt du selber gehen. Don Bosco war als sehr tatkräftiger Mann bekannt,aber was ihm den Schritt vom Gedanken zur Tat sicher ungemein erleichtert haben muß, war dieses unbegrenzte Gottvertrauen,das sich im zitierten Spruch ausdrückt. Und so frag ich mich als Christ,frag ich euch jüdische und moslimische Brüder:Wie stets denn um unser Gottvertrauen? In diesem Sinne wünsch ich uns allen von ganzem Herzen dieses Geschenk des absoluten Vertrauens in IHN,der uns Juden, Christen und Moslems geschaffen hat.
Ein notwendiger Ortswechsel hat leider meinen Schreibfluß unterbrochen.Ich will aber unbedingt meinem Vorsatz auch unter erschwerten Bedingungen treu bleiben und auf den heutigen Tag noch einmal zurückblicken. Zunächst habe ich Kardinal König nicht ganz richtig zitiert. Seine Worte lauteten:Die katholische Kirche lehnt nichts von dem ab,was in anderen Kirchen wahr und heilig ist. Darauf komme ich nach der Schilderung des Reiseablaufs im Sinne des interreligiösen Trialogs jedenfalls noch zurück.
Der Start vom Wiener Rathaus war so glaube ich für uns alle mit großen Emotionen verbunden.Abschied von der Familie,von lieben Freunden,die es sich nicht nehmen ließen,unserem Start mit bestimmtem Ziel,aber ungewissem Ausgang mitzuverfolgen.Wir wissen,dass unser ganzes Leben ein immerwährendes Abschiednehmen ist und nichts festgehalten werden kann,aber gewöhnen an diese Vorstellung kann ich mich ganz und gar nicht. Nach dem der Trennungsschmerz ein wenig abgeschüttelt war,ging es von unzähligen Ampeln behindert,den Donaukanal entlang über Schwechat ins Brgenland.Das Prachtradelwetter wurde nur wenig,aber doch durch einen kleinen,aber unfeinen Gegenwind getrübt.Leider habe ich mich einmal verleiten lassen die Truppe anzuführen,wohl in der lauteren Absicht, dem Gegenwind im Dienste der Mitradler ein Schnippchen zu schlagen.Naiv dachte ich,dass das Wichtigste ein gleichmäßiges Tempo wäre,das ich auch unter verschärften Bedingungen(stärkerer Gegenwind,Steigungen) glaubte garantieren zu müssen,bis schließlich hinter mir gähnende Leere entstand.Das war sicher nicht im Sinne des Erfinders.Aber vielleicht,liebe Mitradler lerne ich das noch.Eine wichtige Erkenntnis war aber,dass die Gruppe auf jene Radler mehr Rücksicht nehmen muss,die aus welchem Grund auch immer,ein langsameres Tempo bevorzugen,damit unsere Friedensradfahrt für alle zu einem schönen Erlebnis wird. In Purbach wurden wir zur Mittagszeit vom Bürgermeister im Freizeitgelände mit deftigen belegten Broten und Getränken gelabt.Seine Hände dabei im Spiel hatte Dr.Gstettner,der uns sodann als Ortskundiger nicht nur auf dem kürzesten Weg nach Sopron dirigierte sondern auch an der Stelle,an der der eiserne Vorhang,das erste Mal (Dr.Mock)durchschnitten wurde einen aufschlussreichen historischen Vortrag hielt.Nach kurzem Suchen und einer Jausenpause war unsere Beherbergungsstätte gefunden.Es folgte ein Duschfest,sowie ein gutes Abendessen mit wunderbaren Gesprächen.Walter,Hans und Heinz ich danke euch für den äußerst anregenden Abend.Schließlich gelang mir eine Videogesprächsverbindung mit Mödling.Schon fantastisch,die Technik,die einem erlaubt,ein Stück Heimat herbeizuzaubern.Nun lieg ich im Finstern,nur das Licht des PCs vor mir,meine Zimmerkollegen schlummern in ihrem verdienten Schlaf. Über die großartigen,brückenbauenden Worte Kardinal Königs meditierend werde auch ich mich zur Ruhe begeben
Es kann kein Verrat an der eigenen Religion sein-eher ein ihr zugrundeliegendes Gebot- den Menschen anderer Religionen in Liebe und Hochachtung zu begegnen.(ausnahmsweise kein Fremdzitat)
Für die Statistik:136km,reine Fahrzeit 6h8min,Durchschnitt 22,16km/h. 455 Höhenmeter. Angesichts der großen Kilometeranzahl haben wir einen frühen Abfahrtstermin vereinbart(7h30),der auch von allen pünktlichst eingehalten wurde.Eine disziplinierte Truppe.Gegen 6h stand ich auf.Durch meine Schreibarbeit war es eine ziemlich kurze Nacht.in einer Bäckerei in der Nähe gab es köstlichen Espresso mit ebensolchen Mehlspeisen.So gestärkt fuhren wir,getrieben von einem sanften Rückenwind,der uns die ganze Strecke lang treu blieb in die anfangs noch kühle Morgenluft.Doch bald hatten wir wieder das herrlichste Radlerwetter.Knapp vor Savar stieß auch Sepp unser Routenplaner zu unserer Gruppe.Dort haben wir uns eine Kafffeepause gegönnt,die durch ein wunderbares Glockenspiel mit bekannt romantischen Melodien ein wenig Sentimentalität bei mir aufkommen ließ.Der treue Rückenwind ließ es zu,dass wir reichlich entspannt unsere Blicke nicht nur gebannt auf die Straße,sondern auch links und rechts in die Weite der pannonischen Tiefebene verlieren konnten.Saftigstes Aprilgrün mischte sich mit den noch zarten gelben Farbtupfern der beginnenden Rapsblüte. Und das über weithin sichtbare riesige Flächen,ab und zu unterbrochen von der fernen Silhouette von Kirchtürmen.Kirsch und Apfelblüten,Magnolien und,und ,und.Ein Maler müßte man sein.Die Weite des Landes ließ manche von uns zu Poeten werden.Hans sah das Tiefland unter dem weiten Himmelsbogen:da wo der Himmel die Erde küßt.Ich wünschte mir, dass der weite Horizont auch unseren Horizont erweitern möge.Mit solchen und ähnlichen Gedanken spulten wir Km um Km ab,bis uns etwa bei Km 100 der große Hunger zu quälen begann.Wir konnten schließlich dank Ernst-unserem Sanichauffeur ein wunderbar gelegenes Restaurant erobern.Dicke Schilfdächer,Lauben und nicht ganz unwichtig eine dicke Speisekarte- und was das Wichtigste war-deren Inhalt auch das hielt was er versprach.Danke Joschi,Hans,Gerhard und die anderen Tischnachbarn über die angeregten Gespräche,die wir über die wohl wesentlichsten Dinge des Lebens dort geführt haben.Das ließ uns fast ein heranrückendes Gewitter ubersehen,das wir jedoch bis zu unserem heutigen Ziel glimpflich überstanden. Ein Gang zum Plattensee,sowie die Einkehr in einem nahegelegenen Restaurant beendete den Tag.Eines noch:scheinbar hab ich dazugelernt,denn ich wurde heute für die Gleichmäßigkeit meiner Radlerei am Tete des Trosses mehrfach gelobt.Ein harmonischer Tag,auch unter Friedensradlern wohl nicht selbstverständlich.
Zurück zu meinem Anfangszitat:Mit einer solchen Einstellung müßten sich doch Brücken bauen lassen,denn Glaube ohne Liebe ist Fanatismus(leider nicht von mir).Fanatismus und ängstliche Besorgtheit um den jeweils eigenen Einflußbereich sind wohl die großen Feinde der Völkerverständigung. In diesem Sinne
Wieder ist eine Ortsveränderung Ursache für die Unterbrechung. Wir fuhren zunächst den Plattensee entlang.Walter und ich resümierten dabei über die prägenden religiösen Erlebnisse in der Kindheit.Wir tauschten dabei unsere eigenen,sehr glücklichen seinerzeitigen Erfahrungen aus.Beten lernte ich bei meinen schweizer Pflegeeltern,Walter erlernte als Student in Frankreich das französische Vaterunser.Das zeigte ihm die internationale Bedeutung seines Glaubens auf und ergriff ihn gerade deshalb. Das Tiefland wurde nun immer mehr von hügeligem Gelände unterbrochen,das die Gruppe bravourös bewältigte.Besonders der unendliche Anstieg nach Szigetvar verlangte uns einiges ab. Eine gemütliche Herberge erwartete uns.Vor dem Bezug der Zimmer begannen wir unter Anleitung von Ernst(Sani)mit Dehnungsübungen. Der Abend gestaltet sich zu einem sehr geschmackvollen Grillfest,daher hat sich der Schreibbeginn trotz anderslautender Vorsätze abermals stark verspätet.Alle,mit denen ich gesprochen habe,sind der Meinung,das die Gruppe sehr harmonisch ist.Dies kann ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen.Eine Fülle von spirituellen Dialogen und Gedankenaustausch habe ich mit zahlreichen Mitradlern führen können. Meist sind es die prinzipiellen Lebensfragen,die uns immer mehr zusammenwachsen lassen.Diese Erfahrung hat mich auch veranlaßt,das obige Einleitungszitat auszuwählen.Dies gilt umsomehr für unsere daheimgebliebenen Lebenspartner,die ich sowohl im Namen meiner MitradlerInnen als auch im eigenen Namen herzlich Grüße . Ein inniger Gutenachtkuss für meine Frau, Silvia.
Ohne Grenzen ist Gottes Güte Gottes Güte kennt keine Grenzen und schließt niemand aus,gleich welchen Alters,Standes und Glaubens er ist.
Don Bosco
Für die Statistik:123Km,reine Fahrzeit 5h52min.,164 Höhenmeter,Durchschnittsgeschwindigkeit mehr als 21Km/h. Vor dem heutigen Start gab es eine Riesenaufregung.Ernstl,unser Sanichauffeur vermisste schon seit dem Vorabend seinen Autoschlüssel.Uns war gar nicht wohl bei dem Gedanken bis Jerusalem nur mehr auf unseren Ersatzschlüssel angewiesen zu sein.So starteten wir nach Morgengebet und gemeinsamen Singen eine intensive Suchaktion.Der schlüssel wollte nicht und nicht auftauchen. Schon wollten wir die Ergebnissuche erfolglos abbrechen,als sich ein erlösender Schrei den Lippen Ernstls entrang:Da ist er ja eh.Ein Griff in seine Hosentasche brachte das begehrte Objekt zu Tage.Zuvor hatte er offensichtlich panisch erfoglos bereits mehrmals seine Hosentasche durchsucht.Wer von uns kennt nicht auch aus eigener Erfahrung eine solche Situation.Warum aber und das kann jedermann hier nachlesen,habe ich ausgerechnet wenige Stunden vorher ein Zitat mit dem Titel FINDEN verwendet.Von solcherart Sorgen erlöst,genossen wir nun umsomehr unsere morgendliche noch etwas kühle Fahrt durch das ungarische Tiefland.Das Prachtwetter blieb uns auch heute wieder treu mit dem feinen Unterschied,das wir uns jetzt schon etwa auf dem Breite- grad von Udine befinden dürften und wir sehr rasch die wärmenden Radutensilien ablegten.Nun ergab sich ein für mich sehr spannendes und in weiterer Folge inspirierendes Gespräch mit Werner.Er hat mir für eines meiner Buchprojekte äußerst wertvolle Anregungen und Quellen erschlossen,die mir bei diesem Projekt enorm weiterhelfen. Nach einer kleinen Zwischenstation und dem Versuch einen halbwegs drinkbaren Kaffee zu ergattern(leider hatte der Ort nur den Breitegrad nicht aber die Kaffeequalität mit Udine gemeinsam) ging es durch blumemgeschmückte Straßendörfer,durch vom Frühling berührte Blütenlandschaften zur Drau,hier der Grenzfluß zu Kroatien.Die Drau kärntner Ausmaßes ist hier mittlerweile zu einem mächtigen Strom angewachsen,der der Vereinigung mit der Donau entgegenstrebt.Von der Draubrücke zwischen den beiden Grenzstationen haben einige unserer Fotokünstler den herrlichen Ausblick festgehalten.Die Einreise nach Kroatien verlief problemlos.Zuvor gab es noch auf ungarischer Seite in einem schattigen Garten ein gutes Mittagessen.Endlos scheinende schnurgerade Straßen führten uns Richtung Osijek.Eine Drinkpause in einem ansprechenden Lokal ließ uns ein wenig den Druck,den eine nicht enden wollende Straße verursachen kann,vergessen,zumal uns zu den Getränken zu unserer Überraschung gratis köstliche Vanillekipferl verabreicht wurden.An einer Straßenkreuzung bei Osijek kamen uns die Vertreter der Kapuzinerpfarre entgegen,die uns zu unseren schon heiß ersehnten Ess-,Dusch- und Übernachtungsplatz(das Pfarrhaus)lotsten.Nach dem Abendessen hielten die Jugendlichen der kroatischen Friedensinitiative einen Vortrag über ihre Bemühungen um eine Aussöhnung nach dem letzten Balkankrieg.Sie schätzen,dass es mindestens 2 Generationen dauern wird bis die ärgsten Wunden dieses fürchterlichen Krieges verheilt sein werden. Nun aber sitze ich vor meinem PC,meine Zimmergenossen schlafen schon.Auch dieser Tag hat mir großartige menschliche Begegnungen geschenkt,die alle körperlichen Anstrengungen,an die wir uns mittlerweile schon alle ganz gut gewöhnt haben,vergessen lassen. Don Bosco,dieser große und großartige katholische Heilige-auch er-kann sich offensichtlich keinen Gott vorstellen,dessen Güte vor und bei Andersgläubigen Halt macht. Meditierend über diesen für die ganze Menschheit so versöhnlichen Gedanken werde ich wohl eine friedvolle und ruhige Nacht haben.
Für die Statistik:126Km;354 Höhenmeter;Reine Fahrzeit 6,28h,durchschnnittliche Geschwindigkeit19,4Km/h :
Ins Meer der Freiheit Vater im Himmel,sei du das Heil,gib,dass wir unsere Armseligkeit hinter uns lassen und, an dich gelehnt,uns hinauswagen,in die unbekannten Meere der Freiheit.
Teilhard de Chardin
Zum Frühstück wurde uns in der Kapuzinerpfarre eine deftige lokale Spezialität serviert.Am Hauptplatz holten wir eine kleine Kaffeepause nach. Dann begann der Tag der Kalamitäten.Heinz vermisste sein Tascherl mit Pass und Geld.Nach einer erfolglosen Suchaktion fuhr er mit dem Begleitfahrzeug zur Pfarre zurück,während wir anderen die Tagesetappe in Angriff nahmen.Letzlich fand er seine Habseligkeiten im Bus,weil er immer für alle anderen das Einräumen der Gepäckstücke besorgte und dabei die Aufmerksamkeit auf seine eigenen Angelegenheiten vergaß. Er kümmert sich immer um alle anderen,jedenfalls ein Hinweis, dass er auch auf sich mehr achten sollte. In Vukovar an der Donau war ein schön gelegenes Kaffeebeisel Schuld daran ,dass wir uns im Fahrplan verspäteten.Daher war im Anschluß daran Tempobolzerei angesagt.Heinz und ich starteten bei günstigen Westwind die kraftraubende Weiterfahrt Richtung serbische Grenze.Es gab fast bei jedem Dorf,durch das wir fuhren Abfahrten mit nachfolgenden heftigen Anstiegen,zwischendurch ließ sich von Zeit zu Zeit die Donau blicken.Wir passierten die Grenze nach Serbien über die Donaubrücke.Knapp über unseren Köpfen zog ein prachtvoller Storch auch seine Kreise.Zum Unterschied von uns menschlichen Zugvögeln hatte er schon sein vorläufiges Endziel in den Donauauen gefunden.Unser Ziel Jerusalem liegt hingegen noch in weiter Ferne.Kurz danach hielten wir in einem gutem Restaurant unsere Mittagsrast.(Rasnici,andere schwärmten vom guten Fisch)Für uns rund 20 hungrige und durstige Radler machte die Zeche unwahrscheinliche ca.10.000 Dinar aus,d.s.rd € 100,00.Als wir auf die Straße traten,sahen wir ,dass es geregnet hatte und gratulierten uns zu dem Glück,dass wir den ersten Regen auf unserer Radreise im gemütlichen Restaurant überdauert hatten.Doch unsere Freude war nur von kurzer Dauer.Denn nun setzte sehr bald ein immer heftiger werdender Regen ein.Wir suchten unter dem Dach einer Scheune Unterschlupf.Dabei stellte sich heraus,dass einige Mitradler fehlten.Über Handy erhielten wir die Information,dass Elfriede einen Reifenschaden hatte(ausgerechnet bei strömenden Regen)und Heinz(immer für alle da)den Schaden beheben wird.Dann sahen wir unser Begleitfahrzeug und vermuteten darin Elfriede und Heinz.Zu unserer Überraschung hielt das Begleitfahrzeug nicht an.Einige von uns waren auf den Regen nicht vorbereitet und hätten aus dem Auto einiges gebraucht.Enttäuscht warteten wir weiter bei unserem Unterstand die weitere Entwicklung des Wetters ab,zumal wir auch noch andere Mitradler vermissten.Weitere Telefonate brachten leider auch keine Klärung der Situation.Da der Regen etwas nachließ und immerhin noch rund 40 Km ,die wir nicht bei drohender Dämmerung zurücklegen wollten,vor uns lagen,entschloß ich mich zum Aufbruch,dem alle folgten,die mit mir bei der Scheune waren.Gerhard und ich wechselten uns in der Führungsarbeit ab .So kamen wir bei günstigem Westwind auf der regennassen Straße rasch voran.Da plötzlich ein Aufschrei,ein Krachen.Walter stürzte bei einer Regenrinne schwer.Er raffte sich jedoch rasch auf und wir fuhren weiter.Langsam ließ der Regen nach,doch Nässe und Dreck hatte uns bereits voll erwischt.Endlich nach endlos scheinenden 11/2 Stunden erreichten wir noch lange vor Dämmerungseinbruch unser Ziel,das Franziskaner kloster in Novi Sad.Im Speiseraum sammelten wir uns nach und nach alle.Es stellte sich nun heraus,dass nicht nur Heinz (um das Rad zu reparieren und Elfriede(wegen des Raddefekts).sondern auch 2 weitere Mitradler,auf die wir bei der Scheune im strömenden Regen vergeblich gewartet hatten,mit dem Begleitbus nach Novi Sad gefahren waren.Nun kamen verständlicherweise Emotionen hoch und auch Kritik über das Verhalten Einzelner und auch der Gruppe.Das lag wohl auch daran,dass wir für ungewöhnliche Situationen keine klaren Regeln aufgestellt hatten.Diese Ereignisse führten aber sehr rasch dazu,dass auf den anfänglichen Missmut ,konstruktive Vorschläge zum Individual-und Gruppenverhalten gemacht wurden.Das Grundproblem wird uns wohl noch eine Weile und immer wieder und wieder beschäftigen,wie man größtmögliche persönliche Freiheit mit dem notwendigen Gruppenanpassungsverhalten optimieren kann.Ist dies doch ein veritables Grundproblem unserer heutigen wie auch jeder künftigen Gesellschaft. Nun stellte sich heraus,dass Walters Verletzung weit schlimmer ausgefallen war als ursprünglich angenommen.Seine Wunde musste im Spital genäht und versorgt werden.Für die nächste Etappe muss er das Begleitfahrzeug nutzen.Wir hoffen,dass er nach unserem Ruhetag in Belgrad wieder mitradeln kann.Nach dem Abendessen -hervorragendes Backwerk sowohl salzige,saure als auch süße Varianten,köstliche Klosterschnäpse-die die teilweise aufgebrachten Gemüter rasch besänftigten-waren 2 Damen einer christlich-humanitären Organisation bei uns zu Gast.Wir erfuhren,dass die rund 2Mio Einwohner der Vojvodina,in der wir uns gerade befinden,27(!!!) verschiedenen Volksgruppen mit ähnlich vielen unterschiedlichen Religionsbekenntnissen angehören.Ihre Organisation setzt sich(die beiden gehören den Donauschwaben an und sprechen dahere ausgezeichnet deutsch) besonders für die Verständigung dieser Gruppen ein.Und als ob dieser Tag nicht genug Kalamitäten mit sich gebracht hätte.habe ich in Serbien keine "mobilen Partner" für A1 gefunden,um meine Beiträge ins Internet zu stellen.Mein guter Computergeist Martin hofft, wenigstens in Belg rad über den Hotelcomputer eine Zwischenlösung für mich zu finden.In den auf Serbien folgenden Ländern soll es wieder A1-Partner geben. Müde sinniere ich vor dem Einschlafen,wie doch ein paar unverhoffte Regentropfen eine Menschengruppe so stark irritieren können.Es zeigt eigentlich das ganze Mäß unserer Armseligkeit auf.Lieber Teilhard de Chardin:Mit deinem Gebet auf den Lippen entschlummere ich ins Land der Träume.
Der Nächste ist nicht der,den ich mag. Er ist ein jeder,der mir nahe kommt- -ohne Ausnahme.
Edith Stein
Für die Statistik:104,1Km(davon rd 3 Such km im Stadtgebiet,reine Fahrzeit 6,03 h inkl.Herbergssuche,575 Höhenmeter, Durchschnittsgeschwindigkeit 17,1km/h inkl. Herbergssuche
Ein herrlicher ,sonnendurchfluteter,warmlüftiger Morgen -das totale Kontrastprogramm zum gestrigen Nachmittag- weckte neben einem üppigen Frühstück unsere Lebensgeister.Nach einer Bankomatsuche,um Dinars zu tanken, fuhren wir über die Donaubrücke,rechts von uns die Burg(unsere Fotografen hatten Hochbetrieb),ebenso eine Brückenruine,ein trauriger Rest aus vergangenen Kriegstagen.Nun ging es an die erste echte"Bergwertung" unserer Radtour.(ca 300 Höhenmeter)Eine Folge der gestrigen Diskusssion war,dass ein Spitzen -und ein Schlußmann bestimmt wurde und die Gruppe möglichst beisammen bleiben sollte.Joschi und ich übernahmen die Aufgaben als Schlusslicht des "Pulks".Radler ,die aus welchen Gründen immer zurückblieben wieder an das "Feld" heranzuführen. Es viel mir anfangs gar nicht leicht auf meine" Bergbegeisterung" zu verzichten und den Berg so schnell wie möglich zu "bezwingen".Reste des typischen Konkurrenz- denkens aus beruflichen Vorleben waren noch immer nicht ganz getilgt.Doch dann sah ich,dass es auch sehr schön sein kann ,verhalten einen Berg hinaufzufahren und dabei andere Mitradler zu unterstützen.Am Ende der Steigung war eine kurze Pause geplant,(auch eine Folge unserer Vortagsdiskussion)bei der wir darüber abstimmten, ob wir den längeren Donauradweg oder den kürzeren,aber wesentlich verkehrsreicheren Weg nach Belgrad nehmen sollten.Der kürzere Weg hat den Kürzeren gezogen, d.h.wir befuhren den Donauradweg.Obwohl wir dabei die Donau nur selten zu Gesicht bekamen,bereuten wir unseren Entschluss nicht.Wir kamen durch einsam schöne Landschaften,ein Blütenmeer begleitete uns.Dann wieder eine weitgestreckte Tafellandschaft,die eher an unser Waldviertel erinnerte.Getrübt wurde das Ganze nur durch nicht wenig überfahrene Tiere.Tote Hunde,Katzen und Igel waren leider keine Seltenheit.Schließlich entdeckten wir ein einladendes Getränkelokal für eine kleine Zwischenrast.Die letzten Kilometer nach Belgrad waren sehr ansprechend.Eine Parklandschaft entlang der Donau,die die Belgrader am hiesigen orthodoxen Ostersamstag für allerlei Vergnügungen nutzten.Dann der großartige Blick auf Belgrad am Zusammenfluss zwischen Save und Donau,die hier durch mehrere Brücken überspannt wird.Am gegenüberliegenden Ufer ragen der Kuppelbau zum heiligen Sava,sowie ein weiterer Kirchturm aus dem Häusermeer heraus.Nun begann eine längere Irrfahrt bis unser Quartier gefunden war.Erleichtert gaben wir uns dem Duschen und einer Flasche Bier hin.Ein großer Glücksfall war Pete`s Bekannte Jelena,die uns am Abend in ein typisches serbisches Restaurant mit Musik führte.Die ganze Lokalitätenstraße erinnerte ein wenig an unseren Spittelberg mit entsprechendem slawischen Kolorit. Anschließend gingen einige von uns zur Ostermette nach serbisch-orthodoxen Ritus.Die prachtvollen Gesänge der orthodoxen Geistlichkeit,sowie die Ausführungen Jelenas zu den Friedensbemühungen ihrer Organisation begleiteten uns bis ins Bett.Heute,zu Beginn des Tages fiel mir auf ,das ich mit einigen Wenigen aus unserer Gruppe seit Beginn der Reise noch kaum ein Wort gesprochen habe,sondern meist die mir gleich auf Anhieb sympathisch gewesenen Leute für Gespräche bevorzugte. Da kam mir das Wort von Edith Stein in den Sinn und siehe da,welche Bereicherung als ich mich diesen eher schweigsameren Mitradlern bewußt zuwandte.
Wenn du verstehst, dass andere anders sind als du, dann fängst du an, weise zu werden.
Aus China
Heute war die Nacht ein bißchen länger als gewöhnlich.Da sich durch Martin die Gelegenheit ergab über den Hotelcomputer doch mein Tagebuch ins Internet zu stellen,entschied ich mich nach dem Besuch einer katholischen Messe mit einigermaßen schwerem Herzen gegen die Stadtführung zusammen mit Heinz,sondern für den Nachtrag meiner Berichte,die teilweise nur handschriftlich vorlagen.Nach einiger Aufregung wegen eines Computervirus,klappte es.Um 16h besuchten wir die Synagoge Belgrads.Für mich eine ganz besondere, neue Erfahrung.Danach gingen Heinzi,Heinz und ich wieder zum Belgrader "Spittelberg".Wir suchten uns diesmal das Visavisrestaurant für unser Abendessen aus und feierten den Geburtstag von Heinz ausgiebig.Im Hotel angekommen, vereinbarten wir eine Gesprächsrunde bei der wir die Erfahrungen der ersten Woche austauschten.Bei dieser Zusammenkunft gab es einige sehr konstruktive Vorschläge,deren Verwirklichung wir uns für einen möglichst reibungslosen Ablauf der 2.Woche vornahmen.Unser jeweiliges Anderssein habe ich dabei als Bereicherung empfunden.
Für die Statistik:121,3 Km,1157Höhenmeter,reine Fahrzeit 6H 17 Min,Durchschnittsgeschwindigkeit 19,7km/h
Leider ging heute für Pete die Radreise zu Ende.Er mußte wieder nach Hause.Um 6h verabschiedete er sich von jeden einzelnen von uns.Auch Hans kann zunächst noch nicht auf``s Rad steigen.Seine hintere Felge muss erneuert werden.Leider sind heute in Belgrad wegen des orthdoxen Ostermontag alle Geschäfte gesperrt.Hans wird morgen seine Felge austauschen lassen und uns dann per Bahn zu unserem morgigen Etappenziel nachkommen.Nach einem ausgiebigen Frühstück starteten wir gegen 8h.das Wetter war ein Mix aus Sonne und Wolken,der uns den ganzen Tag treu blieb.Drohende Regenwolken und lästiger Gegenwind waren nur vorübergehende Begleiter.Die Straße führte meist durch Hügel-und Bergland.Das läßt sich an den heutigen Höhenmetern unschwer erkennen.bei unser ersten Zwischenstation hat Martin eine nette SMS von Alois erhalten und uns vorgelesen.Auch er brach die Radreise in Belgrad ab.Das Mittagessen hatten wir nach ca 80Km geplant,doch fand sich bis zu unserem Etappenziel kein Restaurant.So sind wir schon frühzeitig in Kragujevac gelandet und holen hier Mittag und Abendessen in einem nach.Unterwegs fiel uns eine gewisse Ähnlichkeit bestimmter Streckenabschnitte mit der Toskana auf.Wein-Pfirsich-Himbeerkulturen fielen besonders auf.Die Pfirsichbäume stehen in voller Blüte. Ich hoffe nun nach getaner "Arbeit" auf ein gutes Essen,guten Wein und humorvolle Gesellschaft in der nahen Fuzo. Dabei fiel mir obiger Spruch von Erich Kästner ein,den ich mir für heute abend besonders zu Herzen nehme.
Die Menschen sind zur Schönheit aufgerufen: Der Geist -- Schönheit zu denken; Die Augen -- Schönheit zu sehen; Die Ohren -- Schönheit zu hören; Die Zunge -- Schönheit zu künden; Die Hände -- Schönheit zu formen; Das Herz -- Schönheit in die Welt zu tragen.
Aus Schöpfungsgesang derTaos--Indianer
Für die Statistik:151km,reine Fahrzeit 7h21min,948 Höhenmeter,durchschnittliche Geschwindigkeit mehr als 20km/h
Wir brachen bei herrlichen Frühlingswetter auf.Leichter Morgendunst lag über dem Tal,das wir flussaufwärts befuhren.Wir hatten uns für eine Route über die Berge entschieden und sollten dies nicht bereuen.Die Landschaft,die sich für uns zwischen Kragujevac und Jagodina auftat war vom Schönsten,was wir bisher auf unserer Radreise zu sehen bekamen.Kaum Verkehr,ein abwechslungsreiches Hügelland,das aber auch Blicke in weite Fernen zuließ,sattgrüne großflächiche Löwenzahnwiesen säumten unseren Weg,größere Berge im Hintergrund,blühende Apfelbäume,soweit das Auge reicht,Kirschenbäume stellen sich dem wohl recht rauen Klima,ja sogar mancher Pfirsichbaum versucht hier sein Glück.Das alles in voller Frühlingsblüte.Mitunter auch angelegte Obstkulturen.Dann und wann Schafherden,seltener Ziegen, ab und zu ein Esel.Auch Pferdefuhrwerken kann man hier noch begegnen.Holzgeflochtene Zäune,Krüppelwalmdächer wie sie auch im Waldviertel zu finden sind.Dieser Streckenteil sollte den berühmten grünen Streifen auf der Straßenkarte bekommen.Hier konnte man die Schönheit der Schöpfung ,wie sie die Taosindianer besingen gut nachvollziehen.Doch leider sollte es heute auch noch anders kommen.Zunächst hatten wir noch eine sehr angenehme Kaffeepause in Jagodina,später auch eine ebensolche Mittagspause in Cicevac.Doch dann versäumten wir eine kleine Seitenstraße nach Varvarin.Aus den geplanten 106km wurden nach einem entsprechenden Umweg 151km.Doch damit nicht genug ,begann es kräftig auf den letzten 50 km zu regnen.Müde,hungrig und durchnässt kamen wir im katholischen Heim an.Hier erwarteten uns heiße Duschen und ein prompt schon vorbereitetes Nachtmahl in Form von köstlichen Spaghetti,frischem Salat,und alkoholfreien Getränken. Danach hat uns der Priester der Pfarre seine schwierige Arbeit dargelegt.Viele Caritasprogramme sollen helfen Spannungen zwischen der katholischen Minderheit und der übrigen Bevöllkerung abbauen ,wie z.b.gemeinsame Schulungen,Berufsausbildungen,Betreuung für Alleinerzieher.Auch dem Flüchtlingsproblem hat sich diese Pfarre voll angenommen. Die Unbill dieses Tages werde ich schnell vergessen,wenn ich mich der Schönheit der Schöpfung erinnere ,der wir heute in besonderem Maße begegnet sind und mit den Taosindianern lernen,Schönheit in die Welt zu tragen.
Wer vom Ziel nichts weiß kann den Weg nicht finden
Christian Morgenstern
Für die Statistik:41 Km, 122 Höhenmeter,Reisezeit 2h 5 min.
Nach dem reichlichen Frühstück versammelten wir uns in der Kapelle für ein gemeinsames Foto mit dem Priester ,der uns so großartige Herberge geboten hatte. Eigentlicher Zweck war aber ,dass er uns für unsere Reise Gottes Segen spendete.Da die Etappe von Aleksinac nach Sofia unter den herrschenden Wetterbedingungen und der Länge von rd 190km bei großen Höhenunterschieden nicht für alle Mitradler zumutbar war,entschlossen wir uns nach Nis zu radeln und von dort die Bahn zu benutzen.Wir kamen ohne nass zu werden bei grauem Himmel bis Nis Dort tat sich ein neues Problem auf.Die Räder durften nicht auf die Bahn.So entschieden wir uns den Großteil unseres Gepäcks aus unserem Begleitfahrzeug auszuräumen,um Platz für die Räder zu bekommen.Dabei erwies sich Heinzi als absoluter Meisterschlichter. Er brachte nach Demontage des Vorderrades 15 Räder im Bus unter.Wir verbrachten rd 5Stunden in Zug,während Ernstl unser Saniboss mit Heinzi den schwierigen Part der Grenzüberschreitung von Serbien in das EU-land Bulgarien (2 Männer und 15 Räder) übernahmen.Letzlich gab es die üblichen Schickanen,Machtspiele der üblichen ,an kommunistische Zeiten erinnernden Sorte,aber als die jeweiligen Zollbeamten das Räderchaos im Wageninneren erblickten warfen sie entnervt das Handtuch und ließen das Fahrzeug passieren.Im Zug ging es entspannter zu.Walter und ich tauschten Gedichtideen aus,unsere gemeinsame Liebe zur Literatur machte die Fahrt recht kurzweilig.Angekommen ging es mit dem Taxi zur Herberge.Trotz erbärmlicher Kälte wagten wir uns zum Abendessen noch einmal ins Freie. Und sollten es nicht bereuen.3Gehminuten entfernt haben wir in einem sehr netten Lokal bei opulentem Speise- und Getränkeangebot diesen grauen,regnerischen, ungewöhnlich frostigen Apriltag vergessen. Im Sinne Morgensterns haben wir heute alle unser eigentliches Ziel ganz bewusst vor Augen gehabt und mit Heinzis und des Ernstls Kompetenz die Lösung unseres Problems,dem Ziel näher zu kommen,gefunden.
hie und da erwachen mit einem schimmer von ewigkeit im herzen und einer handvoll licht
walter buder
Für die Statistik: 86Km,927 Höhenmeter,reine Fahrzeit 5h27min,Durchschnittsgeschwindigkeit 15,7 km/h
Strahlender Sonnenschein erleichterte neben Heinzis Hilfsbereitschaft kombiniert mit Radmechanikwissen das Wiederzusammenbauen der für den gestrigen Transport zerlegten Räder.Leider hat Joschis Fahrrad einen Schaden erlitten.Doch mit Hilfe eines Schlossers konnte Abhilfe geschafft werden.Mit einer kleinen Verzögerung starteten wir.Der Weg durch Sofia gestaltete sich durch viele Ampeln bedingt sehr zeitaufwendig,was die relativ geringe Durchschnittsgeschwindigkeit erklärt. Schneebedeckte Berge begleiteten uns den ganzen Tag.Karpatenausläufer,Rododen und das Balkangebirge(falls ich das Büffeln mit meinem Sohn Benni noch richtig in Erinnerung habe).Die Fallwinde von den Bergen waren trotz des Sonnenscheins bitterkalt.Warm anziehen war angesagt.Schließlich fanden wir die Ausfahrt von einer Art Stadtautobahn auf die sich letzlich sehr schlaglöchige Landstraße.Im Slalom zwischen den riesigen Schlaglöchern kamen wir recht gut vorwärts.Unsere Mittagsrast hielten wir in Novi Han.Ich vergönnte der Ladenbesitzerin,dass sie unserer Einschätzung nach mit uns in der einen Stunde einen Wochenumsatz machte.Dann war nach kürzerem Anstieg eine sehr lange Abfahrt fällig,die uns zu einem symbolisch bedeutsamen Schild führte:Istanbul 498km. Eine letzte nicht unbedeutende Bergwertung zu unserem Etappenziel lohnte sich,denn das Hotel,malerisch an kleinem Wasserfall gelegen, entpuppte sich als Volltreffer.Einige von uns genossen nach der kalten Bergluft die Sauna.Kaum zu glauben,mitten im tiefsten Bulgarien eine nagelneue ,funktionierende Sauna.Daneben ein schwefelhältiges,warmes Becken,in dem Heinzi, Gerhard und ich dröhnend Wienerlieder sangen.Vermutlich das erste Mal dass: mei Muaterl wor a Weanerin hier noch dazu dreistimmig erklang.Daran schloß sich ein Festschmaus.Meine Tischgenossen aßen alle Forelle aus dem ums Haus fließenden Gewässer.Ein kleiner Teich ist auch vom Speiseraum zu bewundern.Ich entschied mich für bulgarischen Salat und Fleisch-und Gemüse Mixed Grill. Gar nicht so leicht von diesen leiblichen Genüssen hinüberzuleiten zu Walters wunderbaren Worten ,die so sehr unser aller Sehnsucht nach dem Ewigem und unserem Wunsch, der Finsternis zu entkommen,ausdrücken.Mit dem tröstlichen Gedanken,dass DER ,der uns diese Sehnsucht und diesen Wunsch in die Wiege gelegt hat,beides auch erfüllen wird,begeb ich mich zur Ruhe.
Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden Worte. Achte auf Deine Worte, denn sie werden Handlungen. Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden Gewohnheiten. Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter. Achte auf Deinen Charakter, denn er wird dein Schicksal.
Talmud
Für die Statistik:96Km,reine Fahrzeit 4h15min.,durchschnittliche Geschwindigkeit 22,6 km/h, Höhenmeter 158m
Im Wellnesshotel hätte es erst ab 10h Frühstück gegeben.Wir wollten aber möglichst bald in Plovdiv sein,um diese zweitgrößte Stadt Bulgariens mit ihrer interessanten historischen Vergangenheit noch besichtigen zu können.So beschlossen wir, unterwegs zu frühstücken.Auch der strahlende Sonnenschein begünstigte einen frühen Start ,dem sehr rasch eine sehr,sehr frostige Abfahrt folgte.Wir rollten von etwa 800m auf 500m Seehöhe hinunter.Bewegungslos erstarrten wir auf unseren Rädern,vor allem unsere Finger,die meisten hatten nur die fingerfreien Radhandschuhe,wurden auf eine sehr harte Probe gestellt.Wie sich dann herausstellte hatte es nur +2Grad´. Ein elegantes Kaffeelokal .das wir nach endlosen ca 20 Minuten erreichten war wie eine Erlösung.Es dauerte etwa 2 espressi lang bis ich meine Finger wieder bewegen konnte.Die weitere Fahrt wurde dann jedoch immer mehr zum Vergnügen.Noch ein Blick zurück auf die schneebedeckten Berge ,an deren Abhang wir übernachteten Bei leichtem Rückenwind und fallendem Gefälle ging es zunächst einem Gebirgsfluß in einem schmalen Tal entlang.Später traten die Berge immer mehr zurück und wir radelten in die offene Ebene hinaus.Die Ostsonne schien uns ins Gesicht und begann uns allmählich zu wärmen.Die günstigen Bedingungen erlaubten ein hohes Durchschnittstempo,das erst durch Umleitungen und Ampeln in unserem Zielort wieder gebremst wurde.Zuvor hielten wir noch Mittagsrast in Pazardzhik. Am Stadtrand von Plovdiv wurden wir in Empfang genommen und zu unserem Quartier geführt.Nach längeren Waschzeremonien und Umräumaktionen für die wir dank der frühen Ankunftszeit nunmehr Zeit fanden,ging es zur Stadtbesichtigung.Eine schöne Altstadt mit der Konstantinkirche,ein herrlicher Blick über die Stadt, gemütliches Kaffeegeplausche,das antike Theater,weitere Kirchen und die Moschee waren Programmpunkte.Schließlich landeten wir zum Abendessen in einem Innenstadtlokal nahe der römischen Ausgrabungen.Nach einem gediegenen Essen und interessanten Diskussionen fanden wir wieder überraschend schnell ohne Irrwege zum Quartier. Vor dem Schlafengehen sinniere ich über die Weisheit des Talmuds nach.Man braucht nur seine Vergangenheit betrachten,um zu begreifen,wie schicksalhaft die Art unserer Gedanken unser Leben schon bestimmt haben und noch bestimmen werden.
Dieter
Ich versuche einige Fotos anzuschließen(Fotografen:Heinz Kubicka,Hans Gattringer)
Lieber Gott,bis jetzt habe ich heute über niemanden getratscht und mich sehr gut aufgeführt.Ich war zu keinem Menschen gemein. Ich war nicht egoistisch und habe nichts falsch gemacht. Ich habe nicht gestritten.Da bin ich wirklich froh. Aber in ein paar Minuten brauche ich wirklich deine Hilfe. Denn dann stehe ich auf und mache Frühstück.
Für die Statistik:75km,358Höhenmeter,3h56min reine Fahrzeit.
Bei Morgenfrische,aber bei weiten nicht bei jenen Temperaturen ,unter denen wir gestern gelitten hatten,verließen wir Plovdiv.Eine kurze und auch flache "Rolleretappe" stand uns bevor.Die Berge,die uns zu Beginn am Horizont noch begleiteten,wichen nun vollends zurück.Fruchtbare,schwarze Erde,Weinbau,mitunter Obstkulturen wechselten mit riesigen Rapsfeldern,Wiesenlandschaften,Schafherden und Birkenhainen ab.Unsere erste Pause verbrachten wir bei einer ÖMVTankstelle,die österreichische Kaffeequalität garantierte.In der Nähe dieser Tankstelle waren umfangreiche Bauarbeiten zu beobachten(Autobahn, Eisenbahn). Unsere Mittagsrast hielten wir in Chehan.Gegen Ende der Strecke begann das Land hügelig zu werden.Werner,Sepp und einige andere lieferten sich ein Wettrennen mit dem Pferdegespann eines Roma.Sie gewannen knapp,wohl auch deshalb,weil das arme Pferd zu viele Gegner hatte.Eine schmale Straße führte uns schließlich zum Kloster.Dieses wurde bereits ca.350n.Ch von Athanasius gegründet und gilt zurecht als eine der ältesten christlichen Gründungen.Das Kloster ist von einer eher nicht sehr hohen Felsenlandschaft umgeben.Die umliegenden Gewässer werden von Fröschen bevölkert,die eine willkommene Nahrung für die immer wieder auftauchenden Störche sind.Wir wurden sehr freundlich empfangen.Uns Männern wurde ein Schlafsaal für 13 Personen zugewiesen.Unsere Damen hatten auf Grund ihrer geringen Anzahl zweifellos einen Qualitätsvorteil.Ordensfrau Lydia allerdings teilte unsere Radlerdamen gleich zur Vorbereitung für unser frühes Abendessen ein.Im Anschluß daran erfolgte der spirituelle Höhepunkt. In der Klosterkapelle nahmen wir an einer kurzen orthodoxen Messe teil.Anschließend durften wir einige Lieder singen.Zum Abschluss bildeten wir mit unseren orthodoxen Glaubensbrüdern einen Kreis,nahmen einander bei den Händen und sangen gemeinsam das Vater Unser.Das war ein sehr berührender Augenblick ,der uns wohl alle sehr bewegte. In der geheizten Klosterstube wärmten wir uns bei einem kaltem Abendessen gegen die einsetzende Abendkälte auf. Leider ist mir der Verfasser unseres heutigen Spruches unbekannt.Er zeigt mit ungewöhnlicher Klarheit auf,welche Spannung zwischen unserem Alltagsleben und den "heren"Zielen,die wir verfolgen,besteht. Die versprochenen Fotos werde ich nachreichen sobald es die Zeit erlaubt.
So wenig als möglich sitzen; keinem Gedanken Glauben schenken,der nicht im Freien geboren ist und bei freier Bewegung-in dem nicht auch die Muskeln ein Fest feiern.
Friedrich Nitzsche
Für die Statistik:110km,721 Höhenmeter,reine Fahrzeit 5h18min,durchschnittliche Geschwindigkeit 20,9km/h
Der Tag begann mit Regen und Kälte.Wir besorgten uns nach einem einfachen Frühstück von einem eigenen Brunnen im Klostergarten ein angeblich sehr heilsames "Wunderwasser".Als wir das Kloster verließen,hatte der Regen fast aufgehört,es sollte aber ein kühler Tag bleiben.Wir durchfuhren hügeliges Gras- und Weideland. Ab und zu Schafherden,Pferdewagenund immer häufiger Esel.Wie schon während unserer ganzen bisherigen Reise ,gab es vielerorts freundliche Zurufe und Grüße,winkende Menschen,Hupkonzerte von Autos,so als ob wir zu einer Hochzeit fahren würden,dröhnende LKWsignale.Sobald wir stehen blieben,gab es neugierige Fragen,staunende Gesichter und mitunter Bewunderung.Nirgends stießen wir bisher auf Ablehnung;weder in Ungarn,noch in Kroatien,noch in Serbien und auch nicht in Bulgarien.Soweit sprachliche Barrieren es zuließen,haben wir auch immer bereitwillig Auskünfte etwa ,wenn es um den richtigen Weg ging,wir ein Hotel oder ein Esslokal suchten ,erhalten.Wie auch schon bei der Einfahrt nach Plovdiv,war uns auch jetzt bei der Suche nach unserem Hotel in Svilengrad die Polizei behilflich.Die Beamten ließen es sich nicht nehmen,uns direkt bis zum Hotel zu geleiten.Zuvor hatten wir uns das karge Frühstück durch einen guten Kaffee nach etwa 30km Fahrt aufgebessert.Bald danach kamen wir nach Dimitrovgrad.Industriestadt,qualmende Fabrikschlote,riesiges,veraltetes,mitunter ruinenhaft wirkendes Industriegelände. Umweltbedingungen,wie in Linz vor rd 50 Jahren.Eine große Ansammlung von Menschen und parkenden Autos auf einem ausgedehnten Gelände,die mir wie ein überdimensionierter Flohmarkt vorkam.Wir waren froh ,diese Stadt bald hinter uns gelassen zu haben.Dann erreichten wir Hamanle,das wir für unsere Mittagsrast auserkoren haben.Diese Kleinstadt wurde mir auf Anhieb sympathisch,weil dort vor dem Amtsgebäude ausnahmsweise einmal kein Kriegerdenkmal, sondern die Statue eines flötenspielenden Jünglings stand.Wir "eroberten" ein Lokal,das eher für Teens und Twens gedacht war und ließen uns dort in weiche Ledergarnituren fallen.Dies schien mir in Anbetracht des ständig besessenen Fahrradsattels ein echter Luxus.Neben von uns mitgebrachten Proviant,gab es zum Bier immerhin Pizza und guten Kaffee.Nach Hamanle wurde das Hügelland zusehends flacher,Acker-und Weinbau nahmen zu.Die letzten Kilometer rollten wir auf einer noch nicht eröffneten Autobahn dahin,der Traum jedes Radfahrers.Die heiße Dusche im Hotel belebte die heute klimatisch bedingt etwas abgekühlten Lebensgeister. Da unsere Muskeln nun schon seit Tagen noch dazu im Freien ein "Fest " feiern,dürfen wir im Sinne Nitzsches unseren Gedanken trauen.
Kein Weg ist zu lang für den, der langsam und ohne Eile vorwärts schreitet.
Jean de La Bruyere
Für die Statistik:166 Km,1451 Höhenmeter,durchschnittliche Geschwindigkeit 18,2 Km/h,reine Fahrzeit 9h 6Min..
Das kühle Wetter,der graue Himmel blieb uns auch an diesem Tag treu.Die Grenze von Bulgarien in die Türkei passierten wir ohne gröbere Probleme.Schon auf türkischer Seite wärmten wir uns bei einem Tee auf.Dabei fiel mir erstmals das ungewöhnlich große Interesse auf das die Türken uns und unserer Aktion entgegenbrachten.Schon von weitem grüßte uns die wunderschöne Hauptmoschee von Edirne mit ihren zahlreichen Minaretten.Über eine Steinbrücke gelangten wir in diese Stadt aus 1000 und eine Nacht.Ein Blumenmeer ergoss sich über das ganze Zentrum.Der Tulpe wurde sogar ein eigenes Denkmal gewidmet.Wir machten umgeben von mehreren pracht- vollen Moscheen,inmitten dieser Blumenwelt Kaffee -und Bankomatpause.Zum Adschied sang uns noch ein Pfau sein Lied.Die geplante Kmleistung trieb uns leider zur Eile.Zu unserer Enttäuschung wurde es keine Rolleretappe,sondern erzwang das wellenartige Gelände einen ständigen Wechsel von kräfteraubenden Anstiegen und Abfahrten.Daraus ergaben sich Höhenmeter,die mit dem Großglockner vergleichbar sind,ohne jedoch im Endeffekt wirklich wesentlich an Höhe zu gewinnen.Erst gegen 15h vergönnten wir uns eine Mittagspause in einem Einkaufszentrum.Da wir schon rd 120km geradelt waren,schlug ich vor für die letzten etwa 45km beisammen zu bleiben und im Sinne des obigen Zitats kein kräfteraubendes Tempo vorzugeben und so auch für die Schwächeren eine angenehme Fahrt zu ermöglichen.Leider dauerte es nicht lange und das Radlerfeld verteilte sich wieder über mehrere Kilometer.Es kamen letzlich zwar auch alle an,aber natürlich ziemlich erschöpft.Immer noch flackert hin und wieder ein Konkurrenzdenken auf.Schade.Bei km 153 riess meine Fahrradkette doch der Begleitbus war gleich zur Stelle,ich verstaute mein Rad,stieg ein und wir machten uns auf die Suche nach unserem Hotel.Dank der Aufmerksamkeit und Hilfsbereitschaft von Türken wurden wir rasch fündig.Nach und nach trudelten die übrigen Radler ein.Gesetz der Serie: wir haben noch zwei weitere Kettendefekte zu beklagen.Für morgen früh ist großes reparieren angesagt. Vielen kam heute der Weg zu lang vor.Das hätte vermieden werden können,wenn man sich das obige Zitat zu Herzen genommen hätte.
Man sieht etwas hundertmal,tausendmal, ehe man es zum ersten Mal richtig sieht.
Christian Morgenstern
Für die Statistik;112km,977 Höhenmeter,reine Fahrzeit 6h 11mim,durchschnittliche Geschwindigkeit 18,7km/h
Der Tag begann ziemlich stressig für mich.Erstens machte mein Computer Probleme,zweitens sollten die Fahrradketten ersetzt bzw. repariert werden.Das Computer- problem löste Martin für mich in seiner bewährten Art,auch ein Fahrradgeschäft in der Nähe wurde ausfindig gemacht.Doch sperrte dieses erst um 9h auf.Wir beschlossen daher,dass der nicht betroffene Teil der Gruppe bereits früher losfahren sollte und wir später nachfahren würden.Im Fahrradgeschäft wurde uns Tee serviert.Während wir den Tee tranken,waren die Räder auch schon repariert.Der Betrag,den ich für die Reparaturt gab,muss für den Radmechaniker reichlich gewesen sein,denn er montierte uns noch Seitenstrahler auf die Räder.Er selbst hätte von sich aus nichts verlangt.Für kurze Zeit schien heute seit Tagen erstmals wieder die Sonne,genau richtig,um mit Zuversicht in die neue Etappe zu starten.Bei der ersten Rast in Silivri holten wir unsere Mitradler wieder ein.Der Start von dort fiel wiederum gebremst aus,weil Heinzi eine Reifenpanne hatte.Danach ging es mit unserer Laune steil bergauf,Denn wir hatten von da an immer wieder das Meer vor Augen,auch die Sonne ließ sich hin und wieder blicken.Knapp vor Istanbul entdeckte Ernstl ein sehr gutes Restaurant mit einem wunderschönen Blick aufs Meer,aber auch auf eine Moschee.Diese Stärkung hatten wir bitter nötig,denn was nun folgte war der reinste Horror.Sich mit Fahrrädern auf den Stadtschnellstraßen zu bewegen,bedarf neben einer gehörigen Portion Mut auch einigen Glücks,um ungeschoren davon zu kommen.Auf der Suche nach unserem Hotel wurden wir der ungeheuren Ausdehnug dieser Stadt gewahr.Obwohl wir diesmal relativ direkt zum Hotel fanden,legten wir im Stadtgebiet weitere 20 km zurück.Ich freue mich schon auf den morgigen Ruhetag,der mir ein Wiedersehen mit dieser herrlichen Stadt ,die schon Alexander von Humboldt als eine der drei schönsten Städte bezeichnet hat,auf intimere Weise als heute ermöglicht.Nun wende ich mich meinem Bett zu und nehme mir für morgen vor,die Stadt im Sinne Morgensterns richtig zu sehen.
Willst du dich selbst erkennen,so sieh,wie die andern es treiben. Willst du die andern verstehn, blick in dein eigenes Herz!
Friedrich von Schiller
Nach dem Frühstück versammelten wir uns im Konferenzraum des Hotels um die Detailplanung für Morgen zu besprechen und allfällige Koordinierungsprobleme zu bereinigen.Um 10h holte uns Wolfgang Hörmann ab,der sich uns für den ganzen Tag als Reiseführer zur Verfügung stellte.Das war für uns ein absoluter Glückstreffer. Mit Taxis fuhren wir am sonnig wohlig warmen Morgen zur Audienz beim Patriarchen von Konstantinopel Bartolomaios.Wir betraten die Residenz.Über einen Vorraum gelangten wir in das prachtvolle Innere der Kirche.Dann stiegen wir zum Audienzsaal auf,nahmen Platz und erwarteten gespannt das Erscheinen seiner Heiligkeit.Mir fiel dabei ein,dass Kardinal König eine Brücke zwischen dem Patriarchat von Konstantinopel und dem Vatikan (Pro Oriente)schon ab den 60erJahren aufzubauen begonnen hat.Prompt wies seine Heiligkeit neben zahlreichen anderen Kontakten mit österreichischen Persönlichkeiten besonders auf die zu Kardinal König hin. Er zitierte eine österreichische Zeitung,die zum Tod des Kardinals schrieb:Österreich hat seinen König verloren.Über diese Wertschätzung habe ich mich ebenso sehr gefreut,wie darüber,dass Bartolomaios uns zu unserem Versuch, ein Zeichen des Friedens und der Versöhnung zu setzen, mit dem Zitat aus derBergpredigt:"Seligdie Frieden stiften,denn sie werden Kinder Gottes genannt werden",auf besondere Weise ermutigt hat.Ich habe hier eigenmächtig statt Söhne Gottes Kinder Gottes übersetzt, denn ,wo kämen wir da hin,wenn das Friedenstiften nur den Männern überlassen wird,noch dazu,wo unsere Mitradlerinnen mindestens den selben Beitrag leisten,wie die mehr oder weniger muskelbepackten radelnden Männer.Zum Abschied überreichten wir ein "Logohemd",sangen ein Lied,wurde ein gemeinsames Foto gemacht. Zu guter Letzt überreichte der Patriarch jedem ein kleines Kreuz und segnete uns.Während wir zur Hagia Sophia per Taxi weiterfuhren,hing ich noch lange dem Gedanken über unser aller Unzulänglichkeit Frieden mit unseren Nächsten und auch Frieden mit uns selbst zu halten.Was mögen wohl wirklich die Beweggründe gewesen sein,die nach der Abspaltung kleinerer Gruppen bereits im 4. und 5.Jahrhundert,1054 zum tiefgreifenden Einbruch durch das "Morgenländische Schisma",der Spaltung in eine abendländische(römische) und eine morgenländische(byzantinische) Kirche , geführt haben.Ging es um Macht,Angst die Kontrolle zu verlieren, zuviel Glauben an die eigene menschliche Stärke,zu wenig Vertrauen auf Christus,Fragen über Fragen??Aber warum sollte es in großen Bereichen anders sein als in der kleinen persönlichen Welt jedes Einzelnen? Die Hagia Sofia,prachtvoller Kuppelbau, leider eingerüstet,symbolträchtiger Zankapfel ,nunmehr dank Ata Türk ein Museum.Dann Fahrt mit der Straßenbahn,steiler Aufstieg zur jüdischen Synagoge,strengste Kontrollen wegen eines Anschlags vor kurzer Zeit.Heinz entdeckt dabei,dass sein Pass fehlt.Ein Hilfsrabbi beantwortet bereitwillig unsere Fragen.Wir überreichen ihm ein "Logoleibchen" und singen schalom,schalom.Er begrüßt unsere Initiative und verabschiedet uns freundlich. Nun ging es weiter zum St.Georgs College,dem österreichischen Oberstufenrealgymnasium .Neben Österreichern studieren hier auch Türken mit Deutschkenntnissen. Wir wurden vom Physikprofessor,der auch Priester ist, in der St,Georgskirche empfangen.Er berichtete uns aus seinen reichen Erfahrungen im Umgang mit Schülern unterschiedlicher Nationalitäten.Er führte uns durch die Schule.Zum Abschluß stiegen wir auf die Terrasse,von der wir einen fantastischen Blick auf das goldene Horn und die wichtigsten Baulichkeiten der Stadt hatten.Nach einem freundlichen Abschied ,bei dem sich herausstellte,dass unsere Hotelkosten übernommen wurden,gingen wir weiter zu einem Treffen mit Vertretern der katholischen Minderheit.Die neugotische Kirche liegt sehr zentral inmitten einer Fußgängerzone.Ein Denkmal von Johannes den XXIII ziert den Vorplatz zur Kirche.Durch seine jahrelange Tätigkeit in der Türkei ist er auch hier kein Unbekannter.2 Kirchenmitglieder erzählten aus ihrem Leben als Katholiken in einem moslemisch dominierten Land.Auch unser guter Geist von heute Wolfgang Hörmann und seine Familie gehört dieser Gemeinde an. Schließlich ging es zum wohlverdienten Abendessen,bei dem wir nocheinmal alle Köstlichkeiten türkischer Kochkunst genossen.Leider wurden unsere Rundgänge ab nachmittag wieder durch Kälte und Regen getrübt.Erwähnen möchte ich noch,dass Dr.Karl Reinberg zu uns gestoßen ist,während Cäcilia leider beruflich bedingt morgen die Heimreise antreten muss. Vor dem Einschlafen denk ich noch über die Verse Schillers nach.Wäre das ein Weg ,um friedensbereiter zu werden,wenn wir unsere eigene Unzulänglichkeit in den Taten,Worten Anderer gleichsam wie in einem Spiegel wiederfinden?Bringt der Blick ins eigene Herz mehr Verständnis für Dich,für Dich und auch für Dich?