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  • Fotos vom ProberadelnDatum27.07.2013 16:34
    Thema von Dieter im Forum Wien - Turin 2013

    [[File:Proberadeln FF13.jpg|none|auto]][[File:Proberadeln FF13 2 JPEG.jpg|none|auto]]

  • Erinnerung ProberadelnDatum18.07.2013 17:49
    Thema von Dieter im Forum Wien - Turin 2013

    Nochmals zur Erinnerung:
    am Samstag, den 20.7.2013, 10h treffen wir uns vor dem Bahnhof in St.Pölten zu einer
    rund 5stündigen Proberadeltour( inklusive längere Labung zwischendurch) Sepp hat die Route zusammengestellt. Gegen 15h werden wir dann unser Vorbereitungsmeeting für die Friedensradfahrt 2013 in Sepps Büro, St.Pölten,Schneckgasse 22 abhalten. Wer nicht mitradelt, sollte dann um diese Zeit in Sepps Büro kommen.
    dieter

  • Guido Zernatto zum Thema Fremdsein Datum27.06.2013 19:09
    Thema von Dieter im Forum Dieter's Tagebuch 2013

    Dieser Wind der fremden Kontinente

    Dieser Wind der fremden Kontinente
    Bläst mir noch die Seele aus dem Leib.
    Nicht das Eis lähmt mir das frostgewohnte
    Und die Schwüle nicht das langenttrohnte
    Herz, das leer ist wie ein ausgeweintes Weib.

    Dieser Wind der fremden Kontinente
    Hat den Atem einer andern Zeit.
    Andre Menschen, einer andern Welt geboren,
    Mag's erfrischen. Ich bin hier verloren
    Wie ein Waldtier, das in Winternächten schreit.

    (Zernatto überlebte dieses Gedicht nur wenige Tage)

  • Franz Grillparzer zum Thema FremdseinDatum26.06.2013 11:18
    Thema von Dieter im Forum Dieter's Tagebuch 2013

    Aus Medea

    Weil eine Fremd'ich bin, aus fernem Land,
    Und unbekannt mit dieses Bodens Bräuchen,
    Verachten sie mich, sehn auf mich herab,
    Und eine scheue Wilde bin ich ihnen,
    Die Unterste, die Letzte aller Menschen,
    Die ich die Erste war in meiner Heimat.

  • Über das FREMDSEIN/4Datum24.06.2013 12:05
    Thema von Dieter im Forum Dieter's Tagebuch 2013

    Ingeborg Bachmann

    EXIL

    Ein Toter bin ich der wandelt
    gemeldet nirgends mehr
    unbekannt im Reich des Präfekten
    überzählig in den goldenen Städten
    und im grünenden Land

    abgetan lange schon
    und mit nichts bedacht

    Nur mit Wind mit Zeit und mit Klang

    der ich unter Menschen nicht leben kann

    Ich mit der deutschen Sprache
    dieser Wolke um mich
    die ich halte als Haus
    treibe durch alle Sprachen

    O wie sie sich verfinstert
    die dunklen die Regentöne
    nur die wenigen fallen

    In hellere Zonen trägt dann sie den Toten hinauf

  • Über das FREMDSEIN/3Datum23.06.2013 17:29
    Thema von Dieter im Forum Dieter's Tagebuch 2013

    Rose Ausländer

    Ein Tag im Exil

    Ein Tag im Exil
    Haus ohne Türen und Fenster

    Auf weißer Tafel
    mit Kohle verzeichnet
    die Zeit

    Im Kasten
    die sterblichen Masken
    Adam
    Abraham
    Ahasver
    Wer kennt alle Namen

    Ein Tag im Exil
    wo die Stunden sich bücken
    um aus dem Keller
    ins Zimmer zu kommen

    Schatten versammelt
    ums Öllicht im ewigen Lämpchen
    erzählen ihre Geschichten
    mit zehn finstern Fingern
    die Wände entlang

  • Über das FREMDSEIN/2Datum23.06.2013 00:11
    Thema von Dieter im Forum Dieter's Tagebuch 2013

    Manfred Chobot


    Gelungene Verdrängung

    vor dem paßamt
    in der reihe wartend
    frau kratochwil
    swoboda pospischil
    hrdlicka nechledil
    sie schimpft flucht keift
    verdammte tschuschen
    fremdarbeiterpack
    verdrängen unsereins
    die waschechte Wienerin
    die frau kratochwil
    swoboda pospischil
    hrdlicka nechledil

  • Über das FREMDSEINDatum22.06.2013 13:06
    Thema von Dieter im Forum Dieter's Tagebuch 2013

    Heute in 9 Wochen startet unsere Friedensradfahrt 2013,die sich die weltoffene Haltung Don Boscos zum Vorbild für unseren Umgang mit FREMDEN, mit dem ANDEREN, dem ANDERSSEIN nimmt.
    Zum Einstimmen auf unsere Botschaft,folgen nun regelmäßig Beiträge aus der Literatur zu unserem Thema.
    Heute:

    Nelly Sachs

    Kommt einer
    von ferne
    mit einer Sprache
    die vielleicht die Laute
    verschließt
    mit dem Wiehern der Stute
    oder
    dem Piepen
    junger Schwarzamseln
    oder auch wie eine knirschende Säge
    die alle Nähte zerschneidet

    Kommt einer
    von ferne
    mit Bewegungen eines Hundes
    oder
    vielleicht der Ratte
    und es ist Winter
    so kleide ihn warm
    kann auch sein
    er hat Feuer unter den Sohlen
    (vielleicht ritt er
    auf einem Meteor)
    so schilt ihn nicht
    falls dein Teppich durchlöchert schreit-

    Ein Fremder hat immer
    seine Heimat im Arm
    wie eine Waise
    für die er vielleicht nichts
    als ein Grab sucht.

  • Thema von Dieter im Forum Dieters Buch nach der...

    Veronika RANFTLERS Weltladen erstrahlt nach einer erlittenen Brandkatastrophe
    nunmehr wieder in neuem Glanz und wird am Freitag,den 13.April wieder eröffnet.
    Im Rahmen der Eröffnungsfeier werde ich ab 19h 30 über unsere Friedensradfahrt
    von Wien nach Jerusalem mit Filmausschnitten und zahlreichen Fotos und auch aus meinem Tagebuch berichten. Was wir auf dieser 3712km langen Strecke alles für und gegen den Frieden erlebt haben, wird wieder "erfahrbar". Martin RANFTLER, der einen
    wesentlichen Beitrag zum Gelingen dieser Pilgerreise geleistet hat und gleichfalls die gesamte Strecke absolvierte, wird sicher auch noch einiges aus seiner Perspektive ergänzen können.
    Köstliches Olivenöl aus der Krisenregion, in der sich Kooperativen die Zusammenarbeit von jüdischen und arabischen Bevoölkerungsgruppen zum Ziel gesetzt haben, kann an diesem Abend genossen werden.
    Mit der neuen Frühjahrskollektion aus hochwertiger, fair gehandelter Baumwolle(nicht nur für Damen!)aus Indien und Mauritius wartet eine weitere Attraktion.
    Noch dazu gibt´s an diesem Abend für Bekleidungsartikel 10% Rabatt.
    Bis 21h30 besteht die Gelegenheit, fair zu handeln.
    Die genaue Adresse: WELTLADEN Ebreichsdorf, Hauptplatz 10.
    Tel: 069912486127, email: ebreichsdorf@weltladen.at

  • Ruhetag in SarajevoDatum22.09.2011 00:04

    Die Liebe hat
    einen starken Gegner -
    die Angst.

    Meinolf Steinhofer

    Heute haben wir um 11h unseren großen Auftritt im BBI Zentrum.Zum heutigen Weltfriedenstag wird im Stadtzentrum von Sarajevo eine Kundgebung abgehalten. Rundfunk, Fernsehen, Presse. Jeder von uns hat einen kurzen Text vorbereitet, den er entweder auf deutsch oder auf englisch ins Mikrofon spricht. Irma, die aus Wien angereist war, übersetzt die Texte. Wir werden bei jeder unserer Wortmeldungen mit Applaus bedacht.
    Mein Text beginnt mit Steinhofers Zitat, dass so sehr die Grundfesten unserer Existenz
    trifft.

    Die Liebe hat einen starken Gegner - die Angst.
    Mit Angst wurden und werden die Menschen immer wieder manipuliert.
    (Besonders auch wieder in Bosnien)
    Der Frieden wird von unten kommen, denn oben sitzen Geld und Macht.
    Ich hoffe und glaube, dass die Menschen sich nicht mehr von Machtstrukturen aller Art
    (-ismen jeder Art, wie z.B. Nationalismus. Institutionen, Interessenssphären)
    instrumentalisieren lassen, sondern mit dem Nachbarn Hand in Hand ihre Kinder in eine
    fiedvolle Zukunft führen.
    Die moderne Technologie( Internet) bietet dafür die nötigen Voraussetzungen.

    Am Nachmittag besuchen wir den "hohen Repräsentanten" der UNO, Valentin INZKO, österreichischer Slovene. Er bringt ein wahrheitsgetreues Bild der Situation:
    Der Euphorie der Anfangserfolge bei der Befriedung des Landes, folgt nun Enttäuschung
    über den Stillstand im Land durch die gegenseitige Blockade der "alten" Politikergarde
    der drei Volksgruppen, die der Daytonvertrag zulässt.
    Ich brachte ihm das Kindergartenmodell von Mostar zur Kenntnis und regte an das ganze
    Land flächendeckend mit Kindergärten zu versorgen, in denen Kinder aller Bevölkerungsgruppen miteinander aufwachsen und damit mittelfristig die Probleme lösen.
    Inzko war von der Idee sichtlich angetan. Wir werden sehen, wie weit ihm die Durchführung gelingt.
    Wer weiß, vielleicht war unsere Friedensreise doch nicht vergebens. Kommt der Sieg der
    Liebe über die Angst?

  • Von Olovo nach SarajevoDatum20.09.2011 18:14

    Gott reicht mir
    die Situation hin,
    auf die ich
    zu antworten habe.

    Martin Buber

    für die Statistik: 55,4km, 765Höhenmeter, reine Fahrzeit: 3 h, Durchschnittsgeschwindigkeit: 18,.3 km/h
    Gesamt Rund 1400Km, Rund 7600 Höhenmeter

    Heute Herbstnebel über Olovo. Beim Start leichter Regen. Ich habe Chauffeurdienst und mache mich auf alle möglichen Situationen gefasst,
    die mit Hilfe des Begleitfahrzeuges zu erledigen sein könnten. Glücklicherweise gibt es aber bald eine lange Regenpause, so dass "meine"
    Radler den Aufstieg auf rd. 1000m alle bravourös bewältigen. Wieder ist ein Holzhaus mit Einheizkomfort behaglicher Zufluchtsort. Ich finde
    genügend Zeit, ein wenig mit Heinzis Kamera zu filmen. Der Laubwald weicht dem Nadelwald. Nach dem Mittagessen gilt es Wegweiser
    und Absicherung für die Gruppe besonders in der Nähe Sarajevos zu sein. Ohne Irrweg finde ich mit dem Fahrzeug zum Hotel. Alle Radler
    kommen gesund und wohlbehalten an. Ich habe versucht auf die mir "gereichte", ungewohnte Situation so gut ich konnte zu antworten.


    Eine ähnliche Erleichterung, das gesetzte Ziel erreicht zu haben, wie nach unserer Jerusalem
    friedensfahrt 2009; siehe Ins Meer der Freiheit macht sich breit.

  • Grüße von Poldi nach KremsDatum19.09.2011 22:06

    Liebe Freunde,Bekannte von ÖAV,ÖTB, Boogie Tanzclub Wachau
    und Tanzschule Caterino,
    Poldi lässt euch alle herzlichst grüßen und freut sich schon auf das nun immer näherrückende Wiedersehen mit euch allen.

    P.S.: Poldi ist ein Konditionswunder, rast über alle Berge. ein Pfundskamerad und
    mein wichtigster Informant.

  • Von Tuzla nach OlovoDatum19.09.2011 21:54

    Wenn du Kraft,
    Mut und Ausdauer hast,
    verwirkliche deine Träume.
    Wenn du wirklich etwas
    verändern willst,
    dann höre auf Gott
    und verwirkliche seine
    Träume.

    Meinolf Steinhofer

    für die Statistik: 71 Km, 1027 Höhenmeter, reine Fahrzeit: 4h, durchschnittliche Geschwindigkeit: 18 km/h


    Noch einmal weckt uns Sonnenschein. Die geplante geringe Kilometerzahl ließ zunächst eine leichte Etappe erwarten.
    Doch schon am Ortsende überraschte uns ein erster Berg, dem an diesem Tag noch etliche andere folgen sollten.
    Die Mittagspause hielten wir in einem auf einem der zahlreichen Pässe gelegenen Restaurant. Auch Jan mit dem Liegerad
    konnte gut mithalten. Das Bergland weist meist dichte Laubwälder auf. Ab und zu ein wunderbarer Ausblick auf die Berg-
    landschaft. Langsam zogen Wolken auf, die wir nach der Hitze der vergangenen Tage als Erleichterung empfanden. Auch
    ein lebhafter Wind, soweit er nicht direkt von vorne blies, kam unserer schweißtreibenden Körperarbeit entgegen. Wir begannen
    den letzten Pass auf rund 1000m hinaufzuklettern, als erste Regentropfen fielen, die sich rasch vermehrten und zu einem
    ordentlichen Dauerregen auswuchsen. Oben angekommen, flüchteten wir in ein unseren Almhütten nicht unähnliches Refugium
    und labten uns eher mit heißem Tee als mit kaltem Bier. Der Hüttenwirt legte Scheit auf Scheit in seinen blechernen Ofen.
    Wir wechselten oder trockneten unsere Kleidung. Hubert, unser heutiger Chauffeur hat einfühlsam unsere durch den Regen
    entstandenen Bedürfnisse begleitet. Ich hoffe, dass ich morgen in ähnlicherweise agieren werde; denn morgen ist wieder mein
    Chauffeurdienst bei ähnlicher Wetterlage wie heute nachmittag angesagt.
    Nun folgte eine nasskalte Abfahrt bei nicht ungefährlichen Bedingungen, die alle sturzfrei überstanden. Unser heutiges Domizil-
    die Pension " Panorama" bietet einen wunderbaren Blick auf die uns umgebende Bergwelt und die glitzernden Lichter von Olovo.
    Heute waren Kraft, Mut und Ausdauer duchaus gefragt, um unserem Traum, dem Endziel Sarajevo, näherzukommen .
    Keiner kennt Gottes Träume. Es bleibt nur zu hoffen, dass unser Eintreten für den Frieden, unser Wunsch zur Veränderung
    mit unseren schwachen Möglichkeiten, den zumindestens für möglich zu haltenden Traum Gottes vom friedlichen Miteinander
    aller seiner Menschenkinder nicht entgegensteht.

  • Ruhetag in TuzlaDatum18.09.2011 22:42

    Alle Gewalt
    arbeitet der Gestalt
    des Menschen zuwider.
    Alle Milde
    kommt dem Bilde
    des Menschen entgegen.

    Carl Peter Fröhling


    Heute wurden wir nach dem Besuch einer katholischen Messe mit den Sehenswürdigkeiten von Tuzla vertraut gemacht. Altstadt mit großem Platz, ein Brunnen, Cafes,
    Moschee, auch eine orthodoxe Kirche. Dann die Kapija,sowie eine weitere Gedächtnisstätte bergan mit den Namen aller Kriegsopfer. Hier im Tod sind sie vereint, stehen die Namen der Bosnier, Serben und Kroaten friedlich neben-bzw. untereinander. Das was sie im Leben getrennt hat ist für sie vorbei, verflogen,verstummt. Immerhin ein Zeichen der Hoffnung, dass sich die Lebenden auf eine gemeinsame Gedächtnisstätte verständigt haben. Dann ein Blick hinunter auf den Salzsee. Tuzla verdankt seinen Namen dem Tuz(= Salz). Einige Schritte weiter stehen wir vor dem Titodenkmal, umgeben von Heroenstatuen. Spontan fällt mir dazu, ein Satz von, wenn ich mich recht erinnere, Bert Brecht ein:" Weh dem Volk, das Helden braucht". Was hat der Heldenmythos, die Heldenverehrung, dem bosnischen,serbischen, kroatischen, deutschen und vielen anderen Völkern gebracht? Nur Leid, Not und Elend. Immer wieder Nachahmung von Helden,Helden, Helden.
    Wir nehmen Taxis zu einem vorbestellten Mittagessen:" Bosnischer Topf ". Eine Spezialität, die wir nun genießen können.Sie bedarf einer stundenlangen Vorbereitung.
    Umso mehr freut es uns, dass wir erfolgreich organisiert haben. Ein riesiger Topf für 10 Personen in Tongefäßen serviert. Viel Gemüse und Fleisch. Der möglicherweise, der mit etlichen schwülen Tagen gesegneten Tour, heißeste Tag verlangt nach ordentlichen Bierkrügeln.
    Dann einmal ausruhen, entspannende Siesta. Ein Teil der Gruppe suchte eine Jugendorganisation namens Tuzla Citizen Center, in der alle Bevölkerungsgruppen vertreten sind, auf. Der anfängliche Begeisterung nach dem Krieg über die gelingende Verständigung folgt nun eine gewisse Frustration über die Politiker und dem Stillstand im Land.
    Am Abend führen Jan und Marie ein kleines Theaterstück auf, dass zum Nachdenken über unseren Umgang mit unserem Planeten anregt.
    Ein Vorbereitungsgespräch für unseren Auftritt am 21.9, dem UNO Weltfriedenstag in Sarajevo schließt den heutigen Ereignisbogen ab.

  • Von Srebrenica nach TuzlaDatum18.09.2011 08:44

    Leben allein genügt nicht-
    Sonnenschein, Freiheit
    und eine kleine Blume
    muss man haben.

    Hans Christian Andersen

    für die Statistik: 115km, 641 Höhenmeter, reine Fahrzeit: 4h 55 min, Durchschnittsgeschwindigkeit: 22, 7 km/h

    Der 16.Tag ohne Regen.Wolkenlos, Herbstfrühfeuchte. Gestern gab es im Hotel noch ein fantastisches Buffet mit
    allen erdenklichen Gemüsesorten, eine tolle Suppe und Huhn-oder Kalbfleisch. Der Höhepunkt, wenn überhaupt noch
    war eine Apfel-Nuss-Blätterteigkreation vom Feinsten. An sich ist die Qualität kein Wunder, denn der Maitre ist gelernter
    Koch und seine Frau ...Chemikerin. Auch die Unterkunft selbst hat sich wohltuend von so mancher vorangegangener
    Nächtigungsstätte unterschieden.
    Nun schossen wir bergab zurück nach Bratunac. Dort trafen wir zwei Vertreter einer Non violentaction, die sich im besonderen
    um die Kontakte Jugendlicher der verfeindeten Bevölkerungsgruppen recht erfolgreich bemühen. Sie erzählten von Greueltaten
    von bosnischen Truppen, die in ca. 50 serbischen Dörfern gewütet haben. Gestern die Bilder erschütternder Leidenswege
    bosnischer Männer, heute das Bild geköpfter Serben, vom Baby bis zum Großvater.
    Die Bilder verfolgen mich noch lange Zeit. Es zeigt mir nur wieder, wie gefährlich jede einseitige Betrachtungsweise ist. Eine
    solche auch von Medien mitunter verfolgte ungerechte Vorgangsweise erzeugt neuerliche Spannungen. Kein Volk, kein Mensch
    ist makellos. Reinwaschungsprozesse von "Siegern", Belastungen der "Besiegten" führen nicht selten zu meist kriegerischen
    Korrekturversuchen einer verstellten Wahrheit.
    Endlich die D r i n a, Grenzfluss zu Serbien, hier ein olivgrüner Fluss, mitunter zu Stromerzeugungszwecken gestaut; dann wie
    ein See, die serbischen Dörfer auf der Visavisseite spiegelnd. Erinnerungen an Ivo Andrics Epos.
    Herbstbräune auf den serbischen Bergen. Wir sind in der bosnisch-serbischen Wachau. Nur der Weinanbau fehlt. Es radelt sich
    sich leicht und befreit immer die Drina entlang. Apfelbäume, kaum Autos. Zun Sonnenschein gesellt sich ein Gefühl von Freiheit.
    Dann treffen wir Zorica und Milenko, die es sich nicht nehmen ließen, von St. Pölten, die halbe Nacht durchzufahren, um uns
    mit ihren Rädern zu begleiten. Gemeinsames Mittagessen. Zwei größere Anstiege weiter, ein gefährlicher unbeleuchteter Tunnel
    und wir rollen hinunter nach Tuzla.
    Bei der Ankunft läuft uns ein ca 7 Wochen alter, mutterloser(?) Hund über den Weg, der unsere Mädchenriege bis ins Hotel
    begleitet. Morgen ist Ruhetag. Vielleicht Tierarzt, erkundigen über Hundeeinreisbestimmungen in die EU? Hunderettungsaktion?
    Er hat schwarze Sonnenbrillen um die Augen, schwarze, gespitzte Ohren, sonst schwarz-weiß gestreift, minimännlich.
    Und die sanftesten, dunklen Hundeaugen. Interessiert?
    Vor dem Einschlafen bin ich noch an der Drina bei Sonnenschein, Freiheit. Auch an kleinen Blumen hat es auch in diesem Herbst
    nicht wirklich gemangelt.

  • Von Vlasenica nach SrebrenicaDatum16.09.2011 22:39

    Wir müssen immerfort
    Deiche des Mutes bauen
    gegen die Flut der Furcht.

    Martin Luther King

    für die Statistik: 60Km, 371 Höhenmeter, reine Fahrzeit:2h 50min, durchschnittliche Geschwindigkeit:20,7km/h

    Wolkenloser Himmel, lange Bergabfahrt auf der ich mich über die, nach einer offensichtlich gelungenen Reparatur,
    hervorragenden Laufeigenschaften meines Fahrrads freuen konnte. Nach dem Mittagessen in Bratunac kommen wir
    bei sommerlichen Nachmittagstemperaturen zur Gedenkstätte für die 8732 Toten des Massakers von Srebrenica.
    Ein Überlebender schilderte uns ausführlich die erschütternden Ereignisse, bei denen nicht nur die Greueltaten
    General Mladics und seiner Soldaten, sondern auch das vollkommene Versagen der internationalen Gemeinschaft
    klar zu Tage traten.
    Im Anschluss besuchten wir die ehemalige Batteriefabrik, in der flüchtige Bosnier unter Aufsicht der UNOsoldaten
    Schutz suchten, der sich schon nach kurzer Zeit als Illusion erwies. Hier sind nunmehr Gedenkräume untergebracht.
    Die Darstellung von Einzelschicksalen, mitunter auch mehrere Männer einer Familie, treiben so manchem von uns
    die Tränen in die Augen.18jährige von denen nur ein Foto und allenfalls ein Brillenetui übrig blieb, das zur DNA Identifizierung
    diente.
    Wie sollen die Überlebenden hier den Mut finden? Mütter, die ihre Söhne, ihren Mann und ihre Brüder verloren haben.
    Wie zurückkehren in ein Land, in dem neben traumatischen Erinnerungen, nach wie vor Angst und Furcht umgehen.
    Wie sehr treffen Martin Luthers Worte zu, was könnten wir dazu beitragen?

  • Von Sarajevo nach VlasenicaDatum15.09.2011 23:16

    Wir müssen uns
    des Geschenkes der Einheit
    würdig erweisen,
    indem wir sie gemeinsam
    und im Interesse aller
    gestalten.

    Johannes Rau

    Für die Statistik: 94km, 1433 Höhenmeter, Reine Fahrzeit: 5h 30 min, Durchschnittl. Geschwindigkeit: 17,3Km/h
    maximale Steigung: 13%, 34,5Km reine Bergaufstrecke

    Wir fahren mit Ernst und Zilli zum Busbahnhof, um ihnen Rad- und Gepäcktransport zu erleichtern.Dann holen wir
    unsere reparierten Räder ab. Wir bekommen sie pünktlich und können daher die schwierige und lange Etappe noch
    vor der geplanten Zeit starten. Ich allerdings schweren Herzens als Chauffeur des Begleitbusses. Immerhin genieße ich
    den wiederum strahlend schönen Herbsttag und eine von körperlicher Anstrengung befreites Versinken in eine
    wunderschöne Landschaft. Bergland,eher Nadelholz, tiefe Taleinschnitte, Almböden, Kühe, Schafe, Ziegen. Einmal laufen
    ein paar Wochen alte Hunde über die zeitweise auch durch dichte Wälder führende Straße. Einmal führe ich die Gruppe
    ca. 2km lang in die Irre, doch mit dem angenehmen Resultat, eines der besten Restaurants unserer Tour gefunden zu haben.
    Einmalige bodenständige Gerichte überraschten unsere doch einigermaßen verwöhnten Gaumen.
    Dann zurück auf die richtige Strecke. Eine sehr lange Bergaufstrecke zerriss das "Feld" . Einem Hirtenhund nicht unähnlich
    versuchte ich mit dem Begleitbus die "Rennfahrergruppe" und die mehr meditativ unterwegs befindlichen Radler zu einer einheitlicheren
    Vorgangsweise zu bewegen, eine spannende Aufgabe, die durchaus abbildlich auch jener unserer gesellschaftlichen Grundproblematik
    entspricht. Dann eine lange Abfahrt bis ins Ziel, kurvenreich. Mit einem Mal öffnet sich die Welt bis zum weiten Horizont auch in die
    eindrucksvolle Tiefe wie ein übergroßes Buch, dessen Zeilen die Natur mit all ihrer Vielfalt schrieb.
    Am Ortsbeginn wartete ich mit dem Bus, um der Gruppe den Weg zum Hotel zu weisen. Dabei sprach uns eine Muslima an, die von ihren
    tristen Kriegserfahrungen berichtete.Ihr Cousin hatte einen serbischen Vater und eine muslimische Mutter, daher wurde er zum serbischen
    Heer eingezogen und fiel im Krieg. Sie kam aus England , um auf dem orthodoxen Friedhof diesem Cousin und anderen ihr nahestehenden
    Verstorbenen die Ehre zu erweisen. Es zeigt, die ursprüngliche Verwobenheit, die zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen bestand
    und die durch den Krieg auf gewaltsamste Weise zerrissen wurde. Sie will jedenfalls nicht mehr nach hierher zurückziehen, obwohl sie ein
    gesichertes Recht dafür hätte.
    Nicht zuletzt fiel mir der Spruch Johannes Raus in die Hände, der sehr gut zum heutigen Tag passt, der sehr viel Bemühen um unsere Einheit
    in seinem Sinne gebracht hat.

  • Ruhetag in SarajevoDatum15.09.2011 00:09

    Wenn alle
    erste Violine spielen wollen,
    würden wir nie ein Orchester
    zusammenbekommen.

    Robert Schumann

    Das stabile Herbstwetter bleibt uns auch weiterhin treu. Einige Räder sind reparaturbedürftig (auch meines). Amer, der gute Geist unseres Quartiers
    weist uns den Weg. zu einer Werkstatt nahe des Stadions. Die Räder sind uns zunächsr für abends, später immerhin für morgen früh 8h versprochen
    worden. Nun versucht die "Reparaturgruppe" wenigstens einen Teil des Tagesprogramms mit den anderen Radlern noch mitzumachen. Immerhin gelingt
    es uns zum Termin bei der OSZE zur Gruppe zu stoßen. Reporterin und Fotograf sind anwesend als wir dem Missionschef Fletcher Burton unsere Fragen
    stellten. Rund 500 Angestellte sind insgesamt beschäftigt. Nach dem Kosovo ist Bosnien die zweitgrößte Mission. Mittlerweile ist er überzeugt, dass
    mindestens zwei Generationen nötig sind, bis die Kriegsnachwehen verarbeitet sein werden. Danach ging es zur örtlichen Caritas am Sitz der Bischofs-
    konferenz. Wiewohl die Organisation als katholische auftritt, stellt sie ihre Hilfe allen Menschen gleich welcher Bevölkerungsgruppe oder Religionszugehörigkeit
    zur Verfügung. Ein Teil der Gruppe fährt nun zum Tunnelmuseum, zu jenem Tunnel, der während des Krieges unter der Landebahn des Flughafens gegraben wurde,
    um die Versorgung der Stadt mit dem Nötigsten trotz der Belagerung zu ermöglichen.
    Ich lud Ernstl, Heinz und Zilli zu einem Mittagessen in der osmanischen Altstadt ein. Dann suchten wir für Zilli, die uns berufsbedingt verlassen musste und Heinz
    nach dem Busbahnhof, damit sie für morgen noch ein Ticket inklusive Fahrrad bekämen. Dort angelangt löste sich zu meiner Überrraschung auch Ernst für den gleichen Bus ein Ticket. Das bedeutet, dass wir ab morgen, keinen der Fahrer mehr haben werden, die sich anfangs dafür gemeldet hatten.
    So werde ich morgen als erster in den sauren Apfel beissen und für einen Tag die Fahrerrolle übernehmen. Ob und inwieweit diese überraschende Wende
    in unseren Plänen mit dem obenangeführten Spruch zu tun haben könnte, überlasse ich der Fantasie meiner Leser.

  • Von Konjic nach SarajevoDatum13.09.2011 22:08

    Honig wohnt in jeder Blume,
    Freude an jedem Ort,
    man muss nur
    -wie die Biene-
    sie zu finden wissen.

    Heinrich von Kleist

    Für die Statistik: 65km, 731+150 Höhenmeter, reine Fahrzeit. 3h 17+ 0.45h, durchschnittliche Geschwindigkeit:18,5 km/h

    Heute brechen wir etwas später als sonst auf. Nach wie vor wolkenloser Himmel. Eine zünftige Bergetappe.
    Der Schweiß fließt in Strömen, doch alle bewältigen die Steigungen bravourös. Es sind auch einige Tunnel
    zu durchfahren, für die unbedingt gute Beleuchtung notwendig ist. Bei einer Pause treffen wir auf Militärs
    vom Entminungsdienst. In ihrer Begleitung Suchhunde, die offensichtlich in der Lage sind, die Minen aufzu_
    spüren.Jetzt geht es die letzten 25km stets bergab nach Sarajevo. Im Zentrum beschließen wir Mittag zu
    essen. Elegante Lokale laden dazu ein. Österreichische Banken sind zahlreich vertreten. Österreichische,
    alte Straßenbahnmodelle tun hier noch ordentlich Dienst. Nach dem Essen kommt der große Frust. Wir müssen
    auf dem Weg zu unserem Quartier nicht nur die ganze Stadt durchqueren, sondern noch einen extremen Berg
    bezwingen. Das war für Heinz zuviel, die Tage vorher hatte er schon tapfer mit seinen Sitzproblemen gekämpft.
    Er wird morgen den Zug nach Hause nehmen. Es tut mir unendlich leid, dass für ihn die Reise nicht nach seinen
    Vorstellungen verlief, wo wir doch schon etliche Reisen miteinander unternommen haben, bei denen natürlich auch
    nicht immer alles glatt gegangen ist. Ich versuche die Freuden, die es an jedem Ort gibt, zu finden. So war ich am
    Abend mit Ernstl in der Altstadt in einem türkischen Lokal mit passendem Innenhofambiente bei lebenswürdigster
    Bedienung vorzüglich essen. Heinzi konnten wir trotz mehrfacher Versuche telefonisch nicht erreichen, um ihn
    auch daran teilhaben zu lassen. Im Sinne von Kleist haben Ernst und ich bei aller Unbill die Freude zu finden gewusst.

  • Von Mostar nach KonjicDatum12.09.2011 23:22

    Mütter verstehen,
    was Kinder
    nicht sagen.

    Jüdisches Sprichwort

    Für die Statistik: 76,0 Km,462 Höhenmeter, reine Fahrzeit: 3 h 30 Minuten , Durchschnittsgeschwindigkeit: 19,4 km/h


    Auch heute wieder mediterran warmes Wetter. Nach dem Frühstück wollen wir den Kindergarten besuchen, der von der
    österreichischen Diakonie mit der Idee gegründet wurde, Kinder aus allen Volksgruppen gemeinsam zu betreuen.
    Nach einigem Suchen finden wir ihn am Rande des Stadt. Wir werden freundlich empfangen und durch das Haus geführt.
    Vor allem bosnische und kroatische Kinder bilden die beiden je 20köpfigen Gruppen. Neben den 2 Betreuungspersonen
    je Gruppe gibt es noch zusätzlich für Sonderbetreuung speziell ausgebildete Kräfte und eine Leiterin. Hilfe wird auch über
    spezielle Computerprogramme angeboten.
    Eine Betreuungsqualität von der so mancher österreichische Kindergarten nur träumen kann. Auf einer Warteliste stehen
    weitere 40 Kinder. Wahrscheinlich könnte man mit 20 bis 30 Kindergärten der gleichen Art die Bevölkerungsprobleme
    mittelfristig in dieser "geteilten" Stadt lösen. Die bosnischen und kroatischen Kinder gehen jedenfalls völlig unbefangen
    miteinander um. Beeindruckend wie die Kindergärtnerin auch "zwischen den Zeilen" die Bedürfnisse ihrer Schützlinge
    verstehen. Erinnerungen an meine politische Tätigkeit als Kindergarten-. Schule-und Jugendstadtrat werden wach. Mir wird
    wieder einmal bewusst, wie zentral das Thema Kinderbetreuung für uns ist und wie sehr es oft von der Politik vernachlässigt
    wird. Ein paar Fotos, Kaffee, Gebäck, herzliche Verabschiedung. Wir verlassen die Stadt Richtung Norden auf jener Straße
    entlang der Neretva auf der wir hierher gekommen sind. Nun ist in der Spitzengruppe ohne wirklich erfindlichen Grund Tempo-
    bolzerei angesagt. Eine Zeitlang mache ich mit, dann ist mir die Landschaft durch die wir fahren, doch viel zu interessant, um
    nur ständig auf das Hinterrad des Vordermannes konzentriert zu sein. Ich schalte( auch geistig) von Tempo auf Andacht um
    und genieße die letzten Kilometer bis zu unserem Mittagessen auf besondere Weise. Im klimatisierten Restaurant weichen
    wir mit Lamm, Salat und kühlen Getränken der Mittagshitze aus. Bei Jablanica wenden wir uns ostwärts, die letzten Kilometer
    des heutigen Tages führen durch zahlreiche Tunnels,einen Stausee entlang, die Neretva bleibt uns treu. An ihrem Ufer mit Blick
    auf eine wunderschöne 5bögige Brücke ( die durchaus an die von Andric geschilderte Brücke über die Drina erinnert) laben wir
    uns in einem stilvollen Lokal.
    Beim Überdenken des heutigen Tages fällt mir das "blinde" Verständnis ein mit dem die Kindergärtnerin besonders auch die
    Bedürfnisse der Stillen unter den Kindern mit ihrer Zuwendung zu stillen wussten.

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