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 Dieter's Tagebuch 2014
Dieter Offline



Beiträge: 181

23.07.2014 23:42
Von Grein nach Linz antworten

Dankbarkeit
ist das Gedächtnis
des Herzens

Jean Baptiste Massieu

für die Statistik: 63km, Fahrzeit 3h50

Der Tag beginnt mit einem weißblauen Himmel. Wir genießen das trockene Wetter nach den gestrigen,immer wiederkehrenden Regengüssen ganz besonders. Auch Sonnenstrahlen finden durch die Wolken. Ein kurzer Blick zurück auf das malerisch gelegene Städtchen Grein, dann ist unser Blick vorwärts gerichtet auf das Lichtspiel, das die Donau dem Himmel trotzig erwidert. Der Strom ein riesiger Spiegel des Gewölbes darüber. Weiß, grau und blau flackert in rasch wechselnden Rythmen die große, langsam dahinziehende, Wasserfläche. Die Zeit scheint bei solchem Anblick still zu stehen, wäre da nicht das leise Surren der Räder, das Ticken im Leerlauf.
Friedlich schlummert der Wasserriese, den wir mehrmals überqueren. Zuletzt 2013 aber stand hier alles unter Wasser, trotz verbesserter Schutzmaßnahmen. Viele Häuser wurden aufgegeben und höher gelegene Domizile errichtet. Jubel und Elend liegen auch hier sehr nah beisammen. Wie tags zuvor auf der Schallaburg wiedergegeben: die Menschen zogen jubelnd in den Krieg, zu spät erkannten alle welches Elend Kriegsgewalt verursacht. Da waren es Menschen, die sich unerträgliches Leid zufügten, hier nun ist es die Naturgewalt, die alles vernichtete.
Nun aber jubelt die Natur wieder, die sich der Wassermassen entledigt hat.Herrliche Blumenwiesen, deren gelbe
Vorherrschaft durch blaue und weiße Farbtupfer wunderbar ergänzt wird. Mais, der seine werdende Frucht durch rostbraune Wollhäubchen schützt. Sonnenblumen, die sich zum Gebet versammelt haben, ihre Köpfchen auf DEN ausgerichtet, von dem sie wissen, dass er hinter der Sonne (und auch den Sternen) zu suchen ist. Obstbäume mit bald reifen Früchten, deren Most diesem Viertel seinen Namen gab.
Wir landen im --- Parlament. So heißt mitten im Mostviertel ein auf einer Anhöhe gelegenes Gasthaus. Eine riesige Birne aus Schindeln, ein paar Tonnen schwer und 6m hoch, Wahrzeichen der Region, schmückt den Bereich davor.
Der Patschenteufel schlug bei Waltraud zu, doch Karl und Rolf halfen fachgerecht.
Wir setzen ein weiteres Mal über die Donau. Bei unserer frühen Mittagsrast führt uns Gerhard Lehrner in die furchtbare Geschichte des KZ Gusens ein, dass wir im Anschluß besuchen. Zu wieviel Grausamkeit und Gewalt Menschen fähig sind! Erschüttert stehen wir vor diesem unvorstellbaren Abgrund menschlichen Versagens.
Die Bilder wirken noch lange nach. Dem Strom, dem wir entlangradeln, gleichend, wie ist so ein Ausufern von Gewalt, so ein rasch anwachsendes Hochwasser unmenschlicher Brutalität möglich gewesen. Hat man zu lange, dem zunächst trägen, niederschwelligen Fließen keine Beachtung geschenkt, es einfach unterschätzt?
Bald taucht Linz vor uns auf. Über die Brücke fahren wir pünktlich am Hauptplatz ein. Im alten Rathaus werden wir von der stellvertretenden Landeshauptfrau und dem Linzer Vizebürgermeister empfangen. Ich übergebe eines meiner Bücher "Ins Meer der Freiheit" (über unsere Radfahrt nach Jerusalem) mit einer Widmung für den Herrn Landeshauptmann. Gut geduscht genießen wir zum Abschluss ein gutes Abendessen im "Klostergarten".
Vor dem Einschlafen sinniere ich, wie dankbar wir für fast 70 Jahre Frieden in Österreich sein müssen. Wissen wir, so sehr schon daran gewöhnt, gar nicht mehr, dass es auch ganz anders sein könnte? Schätzen wir noch,wissen wir noch,was wir daran haben. Unser Herz möge dieses Gedächtnis, ganz im Sinne Massieus, ewig bewahren. Das wünscht sich
euer
dieter

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