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 Dieter's Tagebuch 2013
Dieter Offline



Beiträge: 181

01.09.2013 12:39
Von Thal/Aue nach Brixen antworten

Für die Statistik: 106km, 720Hm,

Soweit unsere Augen reichen,
ist die Liebe das einzige
schöpferische Prinzip,
das wir kennen.

Gertrud von le Fort

Blauer Himmel, eine entspannt fröhliche Friedenstruppe nimmt nach dem Morgenlob den leichten, aber ständigen Anstieg nach Innichen unter die Pedale. Aus den Seitentälern stürzen
die Bäche der empfangsbereiten Drau entgegen, deren Rauschen uns auch heute wieder begleitet. Warnschilder über Wasserschwall weisen darauf hin, dass es in diesem friedlichen
Tal auch dramatische Situationen geben kann. Auf den Sonnenterrassen hoch über uns einzelne Häuser, zwei Kirchen, alles beschienen von der Morgensonne. Die hellen Ostflächen
der Gebäude gleichen einer weitläufigen Sonnenuhr. Bei Sillian weitet sich das Tal, die Burg zur Rechten zieht alle unsere Blicke auf sich. Zeitweise kommen wir aber gar nicht dazu, uns der Betrachtung, geschweige denn dem Verinnerlichen der Natur zu widmen. Der Radtourismus in die uns entgegengesetzte Bergabrichtung nach Lienz hat voll eingesetzt. Uns kommen vom Rennfahrer über den besorgten Vater oder die besorgte Mutter, die ihre Kinder in allen Altersstufen begleiten, bis zu Radanhängern auf denen nicht nur Kinder, sondern mitunter auch große Hunde mitgeführt werden, im flottem Bergabtempo entgegen.
Große Busse und Züge führen die Räder von Lienz nach Innichen, dann kann der bewegungsarme Bergabspaß retour beginnen.
Meine Vision wäre, wenn einige dieser Radler umkehren und sich unserer Initiative anschlössen.
Mir wird mit einem Schlag bewusst wie sehr wir Friedensradler im wörtlichen Sinn gegen den Strom der (Vergnügungs- ?)gesellschaft zu schwimmen bzw.zu radeln scheinen.
An der Grenze zu Südtirol fällt als erstes auf, hier ist durchlässiges, freies, offenes Europa.
Kein Visum, kein Pass. Freilich Gottes Flüsse und Berge, so auch die Drau haben sich
immer schon herzlich wenig um Grenzen gekümmert. Grenzen, Mauern werden von Menschen errichtet. Angst war und ist dabei ein schlechter Ratgeber. Schaut euch die verfallenen Burgen an, wie vergänglich und nutzlos Mauern sind. Sich einzusperren, um andere auszusperren: Ist das Lebensqualität?
Die Berliner Mauer fiel, auch die trutzigen Mauern der Israeli sind eine absolute Kurzsichtigkeit; sie werden irgendwann einmal wie alle Mauern der Vergangenheit zerbröckeln. Wie reich wäre das Leben, wenn jeder zum Teilen bereit wäre. Die einzige Chance für einen dauerhaften Frieden.
Wir kommen nach Innichen. Die Franziskanerkirche, der bedeutendste romanische Sakralbau der Ostalpen zieht uns in ihren Bann. Ein Platz voll großer spiritueller Kraft.
Daneben die ins Rokoko übergehende Barockkirche. Auch sie hat Antworten auf unsere Lebensfragen bereit.
Über das Toblacherfeld spannen sich die verschiedenfärbigsten Grünflächen hin. Vom hellen
Wiesengrün, den olivfarbenen Weiden, dem Grün der Laubbäume bis zum Blaugrün der Nadelbäume reicht die Farbpalette.
Links der Duft der Blumenwiese, rechts der Duft von frisch gemähtem Gras. Ebereschen zeigen ihr rotgeperltes Herbstkleid..Nun beginnt eine herrliche Talfahrt entlang des Rienz,
die nur von einem köstlichen Mittagessen in Oberolang unterbrochen wird. Durch eigene
Fahrradtunnel führt uns der Weg. Hubert hatte einen Unfall mit Schürfwunden. Ernstl war sofort zur Stelle, um ihn fachgerecht zu versorgen.
Gegen 18h 30 kommen wir wohlbehalten in Brixen an. Nach dem Abendessen ein kleiner Rundgang durch diese schöne Stadt und Vorfreude auf den wohlverdienten Ruhetag.

Vor dem Einschlafen fällt mir Gertrud le Forts Gedanke über die Liebe als das einzige
konstruktive Prinzip, ein. In allen Religionen Basis und doch nicht gelebt. Diese gemeinsame Basis sollte eigentlich die Brücke sein auf der alles menschliche Leben aufbaut.
dieter

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