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Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 482 mal aufgerufen
 Dieter's Tagebuch 2013
Dieter Offline



Beiträge: 181

26.08.2013 00:43
Von Eisenstadt nach Pinkafeld antworten

für die Statistik: 87km, 1320 Hm reine Fahrzeit 6h 20min

Gott der Christen,
seit gestern arbeite ich unter Christen. Ich bin ihnen nur ein Fremder. Sie rufen mich „Tschusch“. Aber einer von ihnen nennt mich mit meinem Namen Kemal. Ich darf ihn
Franz rufen.Er sagte mir am Abend beim Zusperren der Bauhütte: „Du bist für mich wie ein Bruder“.Einige haben mich am Bart gezogen. Einer hat mich mit Wasser angeschüttet. Unabsichtlich. Hat er gesagt. Alle außer Franz haben gelacht. Sie haben mir meinen Turban
vom Kopf gerissen und einander zugeworfen. Aber Franz hat ihn mir gebracht.Er hat mir auch eine trockene Hose geborgt.
Ich musste alle bedienen. Sie schimpfen,wenn ich etwas nicht verstand oder nicht richtig machte. Aber Franz zeigte mir, wie es geht. Er tröstete mich: „ Sie machen es immer so
mit einem Neuen. Sie meinen es nicht böse. In ein paar Tagten ist alles besser.“
Gott der Christen, ich will ihnen nicht böse sein. Ich bin glücklich, dass ich Arbeit habe. Dass
meine Familie aus dem Lager darf. Und das Franz mir wie ein Bruder ist.
Es dankt Dir und verehrt Dich

Kemal

entnommen dem Buch: Lieber Bruder Jesus
von Werner Ertel und Fritz Giglinger

Heute 8h15Abfahrt bei noch trockenem Wetter. Wir befahren Rad- und Feldwege,
die uns durch eine äußerst reizvolle Hügellandschaft führen. Eine zottelige Rinderherde mit
einem vermutlich erst wenige Tage alten Kalb zieht unsere Blicke auf sich. Schwalben eng
aneinander gereiht auf Stromleitungen bereiten ihren Abflug vor. Die Sonnenblumen verrichten
mit gesenkten Köpfen ihr Sonntagsgebet:alle in eine Richtung ausgerichtet,in der man den
Altar ihres Schöpfers vermuten könnte.Meine Navi Dame erteilt ihre Richtungsweisungen mit
sympathischer und verständlicher Stimme. Dann der erste größerer Berg, an denen es heute
nicht mangeln sollte. Beim Erklimmen setzt Regen ein, der immer heftiger wird und bei der
anschließenden Bergabfahrt wie Nadelstiche im Gesicht spürbar wird. Nach einer ausgiebigen
Mittagspause sind wir für die nun folgende mit zahlreichen Steigungen gespickte Bergetappe
einigermaßen gerüstet. Der Regen bleibt uns dabei, von geringen Pausen abgesehen treu. Wir
sind ihn mittlerweile schon so gewohnt, dass uns erst die Pausen bewusst machen, das auch
anderes möglich wäre. Am Kalvarienberg bei Pinkafeld angekommen werden wir sehr herzlich
empfangen. Nach einer, nach der kühlen Regenschlacht besonders genossenen heißen Dusche,
gibt es ein Abendessen mit den Produkten, die die Franziskusgemeinschaft selber herstellt.
Diese Gemeinschaft besteht seit rund 30 Jahren und lebt auf eindrucksvolle Weise den
franziskanischen Gedanken der Armut. Werner war eines der Gründungsmitglieder und auch der
Initiator der Friedensradfahrt. Er ist hier begraben. Wir pilgern zu seinem Grab. Waltraud,
seine Witwe, lässt berührende Bilder der Erinnerung an Werner vor unseren Augen auferstehen.
Wir stimmen das Franziskuslied an. Mit einem gesungenen Vaterunser in der stimmumgsvollen Kirche
klingt unser Gedenken an unseren Radkameraden aus. Die Problematik des Fremdseins, die ich nun
schon mit so vielen Sichtweisen aus der Literatur zu beleuchten versucht habe, habe ich diesmal
Werners Buch entnommen.
dieter

buwal Offline



Beiträge: 3

26.08.2013 08:41
#2 RE: Von Eisenstadt nach Pinkafeld antworten

Ist wieder einmal sehr spät geworden!! Aber es scheint nicht schlecht "zu rollen". Das Wetter wird hoffentlich bald besser. Gute Fahrt weiterhin! Je suis avec vous!

wagton ( Gast )
Beiträge:

26.08.2013 21:27
#3 RE: Von Eisenstadt nach Pinkafeld antworten

Wir wünschen Euch, dass der Wettergott mit Euch Einsicht hat und auf überreichen täglichen "Segen" verzichtet.
Alles Gute für die nächsten TAge.
Anni u. Toni

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