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Versöhnung, Rundbrief 4/2011, Internationaler Versöhnungsbund – Deutscher Zweig
Nie wieder Jerusalem? Zwanzig Männer und Frauen radeln in sechs Wochen von Wien nach Jerusalem, „um ein Zeichen für den Frieden im Nahen Osten zu setzen“. Der Plan klingt vollmundig! Die bunt zusammen gewürfelte Gruppe tritt durch ethnische, politische und religiöse Konfliktfelder. Sie steuert Friedensaktivisten vor Ort an wie z.B. im kroatischen Osijek das „Center for Peace“, die erste Stimme für den Frieden im Bombenhagel des Jugoslawienkrieges der neunziger Jahre. Schließlich erreicht sie nach 3712 km Israel/Palästina. Angesichts von Zäunen, Mauern, Checkpoints, schussbereiten Waffen müssen sich die Radler der Frage stellen: Ist Friede, Salam, Schalom hier überhaupt gefragt? 3712 leere Kilometer? Den Funken Hoffnung entfachen auch hier gewaltfreie NGOs wie z.B. die „Rabbis for Human Rights“, die „rabbinische Stimme des Gewissens Israels“: Diese protestieren an Straßensperren, verhindern Hauszerstörungen, Vertreibungen usw. Einer von ihnen, Jeremy Milgrom, trägt den Radlern auf: „Sagen Sie zu Hause die Wahrheit, die Menschen hier brauchen es.“
Der Autor - Historiker, Theologe, Journalist und Hobbyradler - beschreibt Begegnungen und Begebenheiten „on the Road“. Er verschränkt in seinen Reportagen Geschichte und Gegenwart, leuchtet Hintergründe, insbesondere des Israel-Palästina-Konflikts, aus. Angesichts dieser Endlosschleife der Gewalt führt er oft mehr Fragen als Antworten ins Feld, ungeschützt, ungefiltert. Am Ende der vierzig Tage steht seine persönliche Erfahrung zu Buche: Du kannst keinen Frieden bringen, wenn in dir selber kein Frieden ist! Oder: Manche Wege soll man, ja muss man zurücklegen, um zu verstehen! Ein engagiertes Buch.
Marianne Wojcik
Josef Mann, Nie wieder Jerusalem? 3712 Kilometer für den Frieden unterwegs.Verlag Mann&Skript, Wien 2011, 320 Seiten, 64 Farbfotos, 1 Landkarte, ISBN 978-3-200-02125-9, 19,80 Euro; erhältlich über http://www.mannundskript.com
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