Heute haben wir um 11h unseren großen Auftritt im BBI Zentrum.Zum heutigen Weltfriedenstag wird im Stadtzentrum von Sarajevo eine Kundgebung abgehalten. Rundfunk, Fernsehen, Presse. Jeder von uns hat einen kurzen Text vorbereitet, den er entweder auf deutsch oder auf englisch ins Mikrofon spricht. Irma, die aus Wien angereist war, übersetzt die Texte. Wir werden bei jeder unserer Wortmeldungen mit Applaus bedacht. Mein Text beginnt mit Steinhofers Zitat, dass so sehr die Grundfesten unserer Existenz trifft.
Die Liebe hat einen starken Gegner - die Angst. Mit Angst wurden und werden die Menschen immer wieder manipuliert. (Besonders auch wieder in Bosnien) Der Frieden wird von unten kommen, denn oben sitzen Geld und Macht. Ich hoffe und glaube, dass die Menschen sich nicht mehr von Machtstrukturen aller Art (-ismen jeder Art, wie z.B. Nationalismus. Institutionen, Interessenssphären) instrumentalisieren lassen, sondern mit dem Nachbarn Hand in Hand ihre Kinder in eine fiedvolle Zukunft führen. Die moderne Technologie( Internet) bietet dafür die nötigen Voraussetzungen.
Am Nachmittag besuchen wir den "hohen Repräsentanten" der UNO, Valentin INZKO, österreichischer Slovene. Er bringt ein wahrheitsgetreues Bild der Situation: Der Euphorie der Anfangserfolge bei der Befriedung des Landes, folgt nun Enttäuschung über den Stillstand im Land durch die gegenseitige Blockade der "alten" Politikergarde der drei Volksgruppen, die der Daytonvertrag zulässt. Ich brachte ihm das Kindergartenmodell von Mostar zur Kenntnis und regte an das ganze Land flächendeckend mit Kindergärten zu versorgen, in denen Kinder aller Bevölkerungsgruppen miteinander aufwachsen und damit mittelfristig die Probleme lösen. Inzko war von der Idee sichtlich angetan. Wir werden sehen, wie weit ihm die Durchführung gelingt. Wer weiß, vielleicht war unsere Friedensreise doch nicht vergebens. Kommt der Sieg der Liebe über die Angst?
Lieber Dieter, Danke für deine wiederum authentische Berichterstattung! Nur die kleinen Dinge (s. Kindergartenmodell Mostar...) können langfristig wirklich greifen. Ich bin sicher, Eure Radfahrt, die ich so interessiert und bewegt mitverfolgt habe, ist auch so ein Zeichen. Liebe Grüße, vielleicht seid Ihr jetzt schon alle zu Hause? Martin
Lieber Martin,
Danke für deine entgegen vielen anderen Erfahrungen mutmachenden Worte. Ich glaube,
der entscheidende Kampf ist jener gegen die Gleichgültigkeit. Welche Zeichen
müssen den noch gesetzt werden, damit vor allem die satte Wohlstandsgesellschaft
sich mit echtem Nachdruck für den Frieden in der Welt einsetzt. Vielleicht ist
dafür aber die in vieler Hinsicht herbeigeredete Krise (wiederum eine Form von Angstmanipulation)nötig, um lauwarmes Gewäsch durch Taten zu ersetzen.
Dir aber nochmals vielen Dank; denn Du und das spürt man aus jeder deiner Worte
warst und bist mit deinem ganzen Herzen dabei.
Wie sagt Schneller doch: Pilgern ist nicht nur eine Sache der Füße, es ist vor allem eine Sache des Herzens.
Liebe Grüße
dieter