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Dieses Thema hat 1 Antworten
und wurde 130 mal aufgerufen
 Dieter's Tagebuch, Sarajewo 2011
Dieter Offline


Beiträge: 132

15.09.2011 23:16
Von Sarajevo nach Vlasenica antworten

Wir müssen uns
des Geschenkes der Einheit
würdig erweisen,
indem wir sie gemeinsam
und im Interesse aller
gestalten.

Johannes Rau

Für die Statistik: 94km, 1433 Höhenmeter, Reine Fahrzeit: 5h 30 min, Durchschnittl. Geschwindigkeit: 17,3Km/h
maximale Steigung: 13%, 34,5Km reine Bergaufstrecke

Wir fahren mit Ernst und Zilli zum Busbahnhof, um ihnen Rad- und Gepäcktransport zu erleichtern.Dann holen wir
unsere reparierten Räder ab. Wir bekommen sie pünktlich und können daher die schwierige und lange Etappe noch
vor der geplanten Zeit starten. Ich allerdings schweren Herzens als Chauffeur des Begleitbusses. Immerhin genieße ich
den wiederum strahlend schönen Herbsttag und eine von körperlicher Anstrengung befreites Versinken in eine
wunderschöne Landschaft. Bergland,eher Nadelholz, tiefe Taleinschnitte, Almböden, Kühe, Schafe, Ziegen. Einmal laufen
ein paar Wochen alte Hunde über die zeitweise auch durch dichte Wälder führende Straße. Einmal führe ich die Gruppe
ca. 2km lang in die Irre, doch mit dem angenehmen Resultat, eines der besten Restaurants unserer Tour gefunden zu haben.
Einmalige bodenständige Gerichte überraschten unsere doch einigermaßen verwöhnten Gaumen.
Dann zurück auf die richtige Strecke. Eine sehr lange Bergaufstrecke zerriss das "Feld" . Einem Hirtenhund nicht unähnlich
versuchte ich mit dem Begleitbus die "Rennfahrergruppe" und die mehr meditativ unterwegs befindlichen Radler zu einer einheitlicheren
Vorgangsweise zu bewegen, eine spannende Aufgabe, die durchaus abbildlich auch jener unserer gesellschaftlichen Grundproblematik
entspricht. Dann eine lange Abfahrt bis ins Ziel, kurvenreich. Mit einem Mal öffnet sich die Welt bis zum weiten Horizont auch in die
eindrucksvolle Tiefe wie ein übergroßes Buch, dessen Zeilen die Natur mit all ihrer Vielfalt schrieb.
Am Ortsbeginn wartete ich mit dem Bus, um der Gruppe den Weg zum Hotel zu weisen. Dabei sprach uns eine Muslima an, die von ihren
tristen Kriegserfahrungen berichtete.Ihr Cousin hatte einen serbischen Vater und eine muslimische Mutter, daher wurde er zum serbischen
Heer eingezogen und fiel im Krieg. Sie kam aus England , um auf dem orthodoxen Friedhof diesem Cousin und anderen ihr nahestehenden
Verstorbenen die Ehre zu erweisen. Es zeigt, die ursprüngliche Verwobenheit, die zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen bestand
und die durch den Krieg auf gewaltsamste Weise zerrissen wurde. Sie will jedenfalls nicht mehr nach hierher zurückziehen, obwohl sie ein
gesichertes Recht dafür hätte.
Nicht zuletzt fiel mir der Spruch Johannes Raus in die Hände, der sehr gut zum heutigen Tag passt, der sehr viel Bemühen um unsere Einheit
in seinem Sinne gebracht hat.

Eva und Thomas

16.09.2011 10:10
#2 RE: Von Sarajevo nach Vlasenica antworten

Liebe FriedensradlerInnen!

Beeindruckt lesen wir fast täglich von Eurer Fahrt (vielen Dank, Dieter, für das poetische, aber auch sehr sachliche Tagebuch).
Wir wünschen Euch noch alles Gute für die letzte Woche.
Spezielle Grüße auch an Sepp und Gerhard, die wir etwas besser kennen :-))

Eva und Thomas

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