|
Wir müssen uns des Geschenkes der Einheit würdig erweisen, indem wir sie gemeinsam und im Interesse aller gestalten.
Johannes Rau
Für die Statistik: 94km, 1433 Höhenmeter, Reine Fahrzeit: 5h 30 min, Durchschnittl. Geschwindigkeit: 17,3Km/h maximale Steigung: 13%, 34,5Km reine Bergaufstrecke
Wir fahren mit Ernst und Zilli zum Busbahnhof, um ihnen Rad- und Gepäcktransport zu erleichtern.Dann holen wir unsere reparierten Räder ab. Wir bekommen sie pünktlich und können daher die schwierige und lange Etappe noch vor der geplanten Zeit starten. Ich allerdings schweren Herzens als Chauffeur des Begleitbusses. Immerhin genieße ich den wiederum strahlend schönen Herbsttag und eine von körperlicher Anstrengung befreites Versinken in eine wunderschöne Landschaft. Bergland,eher Nadelholz, tiefe Taleinschnitte, Almböden, Kühe, Schafe, Ziegen. Einmal laufen ein paar Wochen alte Hunde über die zeitweise auch durch dichte Wälder führende Straße. Einmal führe ich die Gruppe ca. 2km lang in die Irre, doch mit dem angenehmen Resultat, eines der besten Restaurants unserer Tour gefunden zu haben. Einmalige bodenständige Gerichte überraschten unsere doch einigermaßen verwöhnten Gaumen. Dann zurück auf die richtige Strecke. Eine sehr lange Bergaufstrecke zerriss das "Feld" . Einem Hirtenhund nicht unähnlich versuchte ich mit dem Begleitbus die "Rennfahrergruppe" und die mehr meditativ unterwegs befindlichen Radler zu einer einheitlicheren Vorgangsweise zu bewegen, eine spannende Aufgabe, die durchaus abbildlich auch jener unserer gesellschaftlichen Grundproblematik entspricht. Dann eine lange Abfahrt bis ins Ziel, kurvenreich. Mit einem Mal öffnet sich die Welt bis zum weiten Horizont auch in die eindrucksvolle Tiefe wie ein übergroßes Buch, dessen Zeilen die Natur mit all ihrer Vielfalt schrieb. Am Ortsbeginn wartete ich mit dem Bus, um der Gruppe den Weg zum Hotel zu weisen. Dabei sprach uns eine Muslima an, die von ihren tristen Kriegserfahrungen berichtete.Ihr Cousin hatte einen serbischen Vater und eine muslimische Mutter, daher wurde er zum serbischen Heer eingezogen und fiel im Krieg. Sie kam aus England , um auf dem orthodoxen Friedhof diesem Cousin und anderen ihr nahestehenden Verstorbenen die Ehre zu erweisen. Es zeigt, die ursprüngliche Verwobenheit, die zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen bestand und die durch den Krieg auf gewaltsamste Weise zerrissen wurde. Sie will jedenfalls nicht mehr nach hierher zurückziehen, obwohl sie ein gesichertes Recht dafür hätte. Nicht zuletzt fiel mir der Spruch Johannes Raus in die Hände, der sehr gut zum heutigen Tag passt, der sehr viel Bemühen um unsere Einheit in seinem Sinne gebracht hat.
| |