Honig wohnt in jeder Blume, Freude an jedem Ort, man muss nur -wie die Biene- sie zu finden wissen.
Heinrich von Kleist
Für die Statistik: 65km, 731+150 Höhenmeter, reine Fahrzeit. 3h 17+ 0.45h, durchschnittliche Geschwindigkeit:18,5 km/h
Heute brechen wir etwas später als sonst auf. Nach wie vor wolkenloser Himmel. Eine zünftige Bergetappe. Der Schweiß fließt in Strömen, doch alle bewältigen die Steigungen bravourös. Es sind auch einige Tunnel zu durchfahren, für die unbedingt gute Beleuchtung notwendig ist. Bei einer Pause treffen wir auf Militärs vom Entminungsdienst. In ihrer Begleitung Suchhunde, die offensichtlich in der Lage sind, die Minen aufzu_ spüren.Jetzt geht es die letzten 25km stets bergab nach Sarajevo. Im Zentrum beschließen wir Mittag zu essen. Elegante Lokale laden dazu ein. Österreichische Banken sind zahlreich vertreten. Österreichische, alte Straßenbahnmodelle tun hier noch ordentlich Dienst. Nach dem Essen kommt der große Frust. Wir müssen auf dem Weg zu unserem Quartier nicht nur die ganze Stadt durchqueren, sondern noch einen extremen Berg bezwingen. Das war für Heinz zuviel, die Tage vorher hatte er schon tapfer mit seinen Sitzproblemen gekämpft. Er wird morgen den Zug nach Hause nehmen. Es tut mir unendlich leid, dass für ihn die Reise nicht nach seinen Vorstellungen verlief, wo wir doch schon etliche Reisen miteinander unternommen haben, bei denen natürlich auch nicht immer alles glatt gegangen ist. Ich versuche die Freuden, die es an jedem Ort gibt, zu finden. So war ich am Abend mit Ernstl in der Altstadt in einem türkischen Lokal mit passendem Innenhofambiente bei lebenswürdigster Bedienung vorzüglich essen. Heinzi konnten wir trotz mehrfacher Versuche telefonisch nicht erreichen, um ihn auch daran teilhaben zu lassen. Im Sinne von Kleist haben Ernst und ich bei aller Unbill die Freude zu finden gewusst.
Geschafft, Sarajevo. Das mit Heinz tut mir besonders leid. Und ich fühle mit Dir, Dieter!!!!!!!!!! Es ist wahr: Wie gerne wäre ich mit Euch gefahren. Ich habe täglich Eure Berichte gelesen und war in Gedanken bei Euch, körperlich in Skopje und retour... Aber es war eben mein Entschluss, meine Prioritäten in diesem Jahr anders aufzuteilen. Wie gerne hätte ich teilgenommen an Eurem Prozess der Fahrt und der Begegnungen.. Aber es ist eben anders. Realität. Ich umarme Euch. Lg Martin