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Was wir heute tun, entscheidet, wie die Welt morgen aussehen wird.
Boris Pasternak
Wir beginnen den Tag mit einem üppigen Frühstück in einem nahegelegenen Restaurant. Um 9h30 treffen wir Viktoria, unsere Fremdenführerin, die uns in tadelosem Deutsch( sie ist in Deutschland geboren und verbrachte dort auch längere Zeit) in den nächsten 3 Stunden Mostar näherbrachte. Vor dem Krieg hatte die Stadt 120.000 Einwohner etwa 1/3 Bosnier, 1/3 Kroaten, ca.14% Serben, der Rest andere Nationalitäten. Nach dem Krieg, gegenwärtig, leben hier rd. 90.000 Menschen. Die Zusammensetzung nach Nationalitäten ist noch nicht erfasst worden. Immerhin hat die Stadt schon die zweite Periode den gleichen, kroatischen, Bürgermeister gewählt. Ansonsten können sich die zwei wesentlichen Volksgruppen, Bosnier im Osten der Neretva und Kroaten im Westen des Flusses nicht einmal auf die gemeinsame Organisation der Müllabfuhr einigen. Der Fluss bildet hier mit geringen Ausnahmen die imaginäre Grenze der jeweligen Siedlungsgebiete. Ein schönes, wiederhergestelltes Schulgebäude beherbergt bosnische,serbische und kroatische Schüler, jedoch streng getrennt. Im Krieg wurden 29 Moscheen, eine katholische und eine orthodoxe Kirche zerstört. Besonders beängstigend war für Viktoria, die während des Krieges nur auf Kurzbesuch bei ihren Schwiegereltern hier war, wenn die Serben die total verdunkelte Stadt des Nachts von den umliegenden Bergen mit Leuchtmunition beschossen. Am 8.11.1993 schließlich wurde die seit dem 15.Jhdt bestehende, weltberühmte Bogenbrücke über die Neretva gesprengt. Über eine weitere Brücke, die einst FranzJosefsbrücke, später auch Titobrücke geheißen hat, gelangen wir zum türkischen Bad, dann zur Zentralmoschee aus dem 16.Jhdt. Ein altes typisches türkisches Haus hat nicht nur durch für damalige Verhältnisse sehr moderne Ausstattung (Duschen im Kleiderschrank) überrascht, sondern war auch Übernachtungsort Ivo Andrics und Inspiration für sein Buch "Licht über Mostar". Ein stimmungsvoller Raum mit einer Fenstergalerie, die einen herrlichen Blick auf die Neretva zulässt, können einem sicher zum Schreiben anregen. Am 24.7.2005 wurde die wiederaufgebaute Bogenbrücke eröffnet, mit deren Hilfe auch wir wieder auf das westseitige Ufer und zu einem guten Restaurant gelangen. Am Nachmittag fuhr der Großteil der Gruppe nach dem eine halbe Busstunde entfernten Med(j)ugorie.Einige stiegen auf den Berg. Ich bliebe angesichts der großen Hitze in der Nähe der Kirche und besuchte schließlich eine Messe, die angesichts unglaublicher Menschenmassen im Freien rund um die Kirche stattfand und lediglich in die Kirche übertragen wurde. Der Vollmond, die nun angenehm laue Abendluft und die große Religiosität, die hier in dieser riesigen Menschen- ansammlung spürbar ist, bringen auch die eigene Seele zum Klingen, das auch noch im Bus während der Rückfahrt nur sehr langsam abebbt. Gedanken, wie weit mein Tun in der Vergangenheit die gegenwärtige Situation all derer, die mir am Herzen liegen, womöglich verschlechtert hat machen sich breit. Ich nehme mir vor, dem mitunter gedankenlosen, der Macht der Gewohnheit unterliegenden Tun, intensivere Aufmerksamkeit zu schenken.
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