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Wer die Erde liebt, sollte die Augen aufmachen, nicht den Mund.
Spruch der Massai
106 Km. 840 Höhenmeter, reine Fahrzeit :4h 56 Minuten, Durchschnittsgeschwindigkeit:20,7Km/h
Zunächst noch ein Nachtrag zu gestern: Am Abend fuhren wir ins Zentrum von Gornji Vakuf und trafen uns mit Jugendlichen vom Jugend und Kultur- zentrum, die einen Friedensmarsch durch ihr Städtchen planten. Dazu muß man wissen, dass es mitten im Ort eine Straße gibt, die von den Bevölkerungsgruppen als Grenze ihres jeweiligen Wohnbereichs angesehen wird.Westlich dieser Straße Kroaten, katholische Kirchen - östlich davon die Bosnier und Moscheen. Jugendliche aus beiden Bevölkerungsgruppen demonstrieren gegen diese unsichtbare und doch vorhandene Trennlinie mit diesem Marsch, dem wir uns sehr gerne anschlossen. Selbstverständlich führte er sowohl in kroatische als auch bosnische Bereiche. Heute wieder strahlender, wolkenloser Himmel. Am Morgen noch angenehme Herbstfrische. Das war auch notwendig, denn nun folgte die erste echte Bergwertung auf der Tour. Eine Dreiviertelstunde lang fuhren wir bergauf (1130 m See höhe). Oben genossen wir einen "Radler", Sonnenstrahlen und einen prächtigen Ausblick auf die Berge. Almboden. Die nun folgende Abfahrt in das Ramital gehört zum Schönsten, was ich je auf meinen gerade nicht mehr seltenen Radfahrten erlebt habe. Die Zweitausender hellgrau, schemenhaft im Hintergrund, davor im hellem Grün die bewaldeten Hügel. Der Vordergrund in allen Farben des Malers Herbst. Und genug Zeit, das alles zu betrachten, denn die Straße ist so angelegt, dass kein wildes Bremsen erforderlich ist und die Kurven von rücksichtsvoller Krümmung sind. Knapp vor Jablanica nimmt die Neretva den(?) Rami auf und fließt in tiefem Grün durch ein enges Tal, dass von interessantesten Berg- und Gesteinsformationen begleitet wird. Die Berge der Umgebung sind knappe 2000er. Ca 6 sehr einladende Restaurants lassen wir aus in der Hoffnung nach etwa 15Km ein ebensolches zu finden und so der größten Hitze auszuweichen. Leider ein fataler Irrtum. Weder an den Stauseen noch am sonstigen Flusslauf findet sich eine Labstelle. Kein Schatten, die Hitze bleiernschwer wird von den westwärts gerichteten Felsen am Straßenrand zurückgeworfen. Was wir vermeiden wollten, trifft uns nun voll. Immerhin befinden wir uns schon auf einem Breitegrad mit Ancona Wir treten ( die Spitzengruppe, heute habe ich mich von der Aufgabe als Letzter befreien lassen) die Flucht nach vorne an und finden nach etwa 26km eine kleine Hütte besetzt mit Frau und Kind, endlich Schatten. Wir bekommen frisches Wasser und können Weintrauben kaufen. Dann tritt der Herr der Hütte auf den Plan. In seiner Rechten ein etwa 60cm langer Hecht. Ein kurzer Weg führt von der Hütte direkt zu seiner Fischzucht in der Neretva, eine die halbe Breite des Flusses einnehmende Anlage mit etlichen Unterteilungen. In der Hütte einige Behälter im Gefriertruhenformat, in denen sich zahlreiche Fische tummeln und auf ihren Käufer warten. Wir erfahren, dass in etwa 10km ein Restaurant sei, so beschließen wir, ein klares Ziel vor Augen, aufzubrechen und werden nicht enttäuscht. Rasnici, Salat, und Bier richten unsere Lebensgeister wieder auf. Die Erinnerung an dieses wunderschöne Tal kommt nun, unbelastet von Hunger und Durst, umso stärker zum Vorschein. Die letzten Kilometer bis zu unserem Ziel begleiten uns waldlose Gras- und Steinberge. Das Studentenheim ist heute unsere Herberge. Ich freue mich schon sehr auf morgen, um an einem Ruhetag diese interessante Stadt kennenzulernen. Wenn ich bedenke, wieviel leeres Gerede wir oft produzieren oder mit dem wir durch andere zeitstehlend konfrontiert werden, wie viel wertvoller sind die Augenblicke, die wir der Natur , der Erde schenken. Ich muss nicht einmal Massei sein, um das auch als ein von der "Zivilisation" Verfolgter, gerade an einem wunderschönen Tag wie diesen, zu begreifen.
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