Auf dieser Welt lebt keiner vergebens, der die Bürde eines anderen leichter zu machen versucht
Helen Keller
Für die Statistik:118km, 604Höhenmeter, reine Fahrzeit:6 Stunden,maximale Steigung 11%.
Eine Journalistin einer Lokalzeitung Interviewt uns und fotografiert. Dann finden wir ohne große Probleme aus der Stadt heraus. Erste Steigungen bewältigen wir ohne Probleme .Es ist ein herbstfrischer Morgen bei bedecktem Himmel. Auch eine aus dem Damenteam, die bisher schon bei leichteren Steigungen Probleme hatte, gewinnt zusehends an Kraft. Wir befahren Berg-und Hügelland.In Pakrac erzählt uns Pete aus der leidvollen, jüngeren Geschichte, die Jahrhunderte lang friedlich coexistierende Menschen verschiedener Volkszugehörigkeit wie die Serben uund Kroaten von einem Tag zum andern zu erbitterten Gegnern machte. Die gewaltsame Vertreibung von Menschen von ihrem Heimatboden, nur weil sie nicht der dominierenden Nationalität angehören und das im Europa des 20 Jahrhunderts ist eine sehr bittere Pille der Ernüchterung für die Menschen dieses Kontinents, die sich nach zwei durchlittenen Weltkriegen über Fragen von Krieg und Frieden erhaben wähnten. Die ist umso bitterer als die Kriegsparteien der 90er Jahre Im Rahmen der EU ohnehin wieder einander näher kommen werden und damit die tausenden menschlichen Dramen, Vertreibungen und Ermordungen auch ihren letzten "nationalen Sinn verloren haben und somit auch aus dieser Sicht vergeblich waren-ein Paradoxon der Weltgeschichte. Nun haben wir einen bereits recht stattlichen Berg zu bewältigen. Da ich auch heute wieder als Letzter der Gruppe fahre, fällt mir auch die Aufgabe zu, mich um die "Nachzügler zu kümmern. Auch Walter hat sich zu meiner Unterstützung eingefunden. Gemeinsam gelingt es uns, eine "Nachzüglerin" über diesen Pass mit Hilfe unserer Arm-und Beinkraft zu hieven, eine für uns zwei durchaus schweißtreibende Angelegenheit . Vor der Grenze Rasnici und Radler, dann eine große Enttäuschung. Wir passieren die Grenze nach Bosnien über die Save. Nun folgen rund 50Km Fahrt durch ein einziges Straßendorf bei dichtem Verkehr. Die einzelnen Orte gehen ineinander über. Das ganze Gebiet ist total zersiedelt ohne jegliches Konzept. Es erinnert stark an den wilden Westen. Betriebe und Häuser gibt es nur entlang der einzigen Straße, die wir befahren. Der dichte Verkehr mit abgasreichen meist Altfahrzeugen hätte den Einsatz von Gasmasken gerechtfertigt. Ab der Grenze schloss sich ein deutsches Friedensradlerpaar, Jan und Marie, uns an. Jan erregt mit seinem Liegerad hier einiges Aufsehen. 20km vor unserem Ziel treffen wir Hans Gattringer, einer unser Jerusalemradler 2009. Die Wiedersehensfreude ist groß. Dann endlich ankommen in Banja Luca. Die Stadt hinterlässt keinen schlechten Eindruck, doch dann die nächste Enttäuschung: Unser im Zentrum vermutetes Quartier befindet sich weit außerhalb der Stadt. 8km weitere Radfahrt bereits bei Einbruch der Dunkelheit.Der bemühte Priester der Pfarre rettet die Situation und verschafft uns im Pfarrkomplex ein gediegenes Nachtmahl, das die Gemüter einigermaßen besänftigt. Vor dem zubettgehen fällt mir der Spruch von Helen Keller ein. Da Walter und ich über die slavonischen Berge einen Teil der Bürde für andere übernommen haben, werden wir wohl nicht vergeblich gelebt haben.
Lieber Dieter,ganz herzlichen Dank für deine täglichen Berichte.
Eigentlich hatte ich ja überlegt, bei euch mitzufahren,aber das ist nun leider zeitlich und finanziell nicht möglich.
Ich wünsche euch allen eine schöne Tour mit möglichst wenig Patschen und vielen tollen Erlebnissen.
Ich habe gerade erst durch euch vom Tod von Werner Ertel erfahren, was mich sehr traurig macht.
Ganz liebe Grüße an alle MitfahrerInnen