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Dieses Thema hat 1 Antworten
und wurde 110 mal aufgerufen
 Dieter's Tagebuch, Sarajewo 2011
Dieter Offline


Beiträge: 132

07.09.2011 00:45
Von Daruvar nach Banja Luca(BIH) antworten

Auf dieser Welt lebt keiner vergebens,
der die Bürde eines anderen
leichter zu machen versucht

Helen Keller

Für die Statistik:118km, 604Höhenmeter, reine Fahrzeit:6 Stunden,maximale Steigung 11%.

Eine Journalistin einer Lokalzeitung Interviewt uns und fotografiert. Dann finden wir ohne große
Probleme aus der Stadt heraus. Erste Steigungen bewältigen wir
ohne Probleme .Es ist ein herbstfrischer Morgen bei bedecktem Himmel. Auch eine aus dem Damenteam,
die bisher schon bei leichteren Steigungen Probleme hatte, gewinnt zusehends an Kraft. Wir befahren
Berg-und Hügelland.In Pakrac erzählt uns Pete aus der leidvollen, jüngeren Geschichte, die Jahrhunderte lang
friedlich coexistierende Menschen verschiedener Volkszugehörigkeit wie die Serben uund Kroaten von einem
Tag zum andern zu erbitterten Gegnern machte. Die gewaltsame Vertreibung von Menschen von ihrem Heimatboden,
nur weil sie nicht der dominierenden Nationalität angehören und das im Europa des 20 Jahrhunderts ist eine sehr bittere
Pille der Ernüchterung für die Menschen dieses Kontinents, die sich nach zwei durchlittenen Weltkriegen
über Fragen von Krieg und Frieden erhaben wähnten. Die ist umso bitterer als die Kriegsparteien der 90er Jahre
Im Rahmen der EU ohnehin wieder einander näher kommen werden und damit die tausenden menschlichen Dramen, Vertreibungen
und Ermordungen auch ihren letzten "nationalen Sinn verloren haben und somit auch aus dieser Sicht vergeblich waren-ein
Paradoxon der Weltgeschichte.
Nun haben wir einen bereits recht stattlichen Berg zu bewältigen. Da ich auch heute wieder als Letzter der Gruppe
fahre, fällt mir auch die Aufgabe zu, mich um die "Nachzügler zu kümmern. Auch Walter hat sich zu meiner Unterstützung
eingefunden. Gemeinsam gelingt es uns, eine "Nachzüglerin" über diesen Pass mit Hilfe unserer Arm-und Beinkraft zu hieven,
eine für uns zwei durchaus schweißtreibende Angelegenheit .
Vor der Grenze Rasnici und Radler, dann eine große Enttäuschung. Wir passieren die Grenze nach Bosnien über die Save.
Nun folgen rund 50Km Fahrt durch ein einziges Straßendorf bei dichtem Verkehr. Die einzelnen Orte gehen ineinander über.
Das ganze Gebiet ist total zersiedelt ohne jegliches Konzept. Es erinnert stark an den wilden Westen. Betriebe und Häuser
gibt es nur entlang der einzigen Straße, die wir befahren. Der dichte Verkehr mit abgasreichen meist Altfahrzeugen hätte
den Einsatz von Gasmasken gerechtfertigt. Ab der Grenze schloss sich ein deutsches Friedensradlerpaar, Jan und Marie, uns an.
Jan erregt mit seinem Liegerad hier einiges Aufsehen.
20km vor unserem Ziel treffen wir Hans Gattringer, einer unser Jerusalemradler 2009.
Die Wiedersehensfreude ist groß.
Dann endlich ankommen in Banja Luca. Die Stadt hinterlässt keinen schlechten Eindruck, doch dann die nächste Enttäuschung:
Unser im Zentrum vermutetes Quartier befindet sich weit außerhalb der Stadt. 8km weitere Radfahrt bereits bei Einbruch der
Dunkelheit.Der bemühte Priester der Pfarre rettet die Situation und verschafft uns im Pfarrkomplex ein gediegenes Nachtmahl,
das die Gemüter einigermaßen besänftigt.
Vor dem zubettgehen fällt mir der Spruch von Helen Keller ein. Da Walter und ich über die slavonischen Berge einen Teil
der Bürde für andere übernommen haben, werden wir wohl nicht vergeblich gelebt haben.

Konni

07.09.2011 01:10
#2 RE: Von Daruvar nach Banja Luca(BIH) antworten

Lieber Dieter,ganz herzlichen Dank für deine täglichen Berichte.
Eigentlich hatte ich ja überlegt, bei euch mitzufahren,aber das ist nun leider zeitlich und finanziell nicht möglich.

Ich wünsche euch allen eine schöne Tour mit möglichst wenig Patschen und vielen tollen Erlebnissen.

Ich habe gerade erst durch euch vom Tod von Werner Ertel erfahren, was mich sehr traurig macht.
Ganz liebe Grüße an alle MitfahrerInnen

Konni Schmidt
Bike for Peace and New Energies

www.bikeforpeace.net

konni.schmidt@bikeforpeace.net

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