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 Dieter's Tagebuch, Sarajewo 2011
Dieter Offline


Beiträge: 132

05.09.2011 22:17
Von Nagyatad nach Daruvar(HR) antworten

Es gilt wieder zu entdecken,
dass es ein Leben des Geistes gibt,
das noch höher steht
als das Leben der Vernunft
und das allein den Menschen
zu befriedigen vermag

Antoine de Saint-Exypery

für die Statistik: 123 Km. 452 Höhenmeter,reine Reisezeit 6h35 Minuten

Unsere Wirtin verabschiedet uns in einen herbstfrischen Morgen. Doch bald beginnt der Tag der Irrungen. Erst nach einigen Versuchen gelingt es uns, die Stadt auf der geplanten Nebenstraßenroute zu verlassen. Der nunmehr sehr geringe Verkehr ließ zu, dass man den Blick ungestört in die Weite der Tiefebene schweifen lassen konnte.
Die Tiefe des Horizonts vermittelt den Anklang von Unendlichkeit, der jene Melancholie aufkommen lassen kann, die
auch etlichen ungarischen Weisen zu eigen ist. Blassbraune Böden, Sonnenblumen und Maisfelder in ungeheuren Ausmaßen
ziehen den Blick auf sich. Ein farbenprächtiges, hellgrünes Tabakanbaufeld nimmt unsere ganzu Aufmerksamkeit in Anspruch, der Bauer schenkt jedem ein riesiges Tabakblatt und bestärkt uns darin , dass der Feldweg ,den wir nunmehr befahren, unserem Reiseplan entspricht. Leider ein fataler Irrtum,denn wir landen schließlich in einer Sackgasse bei einem Hochstand. Zu allem Überdruss hat sich Sabine auf diesem holprigen Feldweg eine Reifenpanne
zugezogen, die Heinz aber rasch und fachmänisch repariert. Zurück auf dem richtigen Weg passieren wir Eichenwälder
und treffen Ernst samt Begleitfahrzeug bei der kroatischen Grenze. Er mußte noch "erste Hilfe" für Hannes
leisten, dem am Vortag mit einem lauten Knall das Hinterrad samt Felge abhanden gekommen war.
Kroatien über die Drau, Tiefland hüben wie drüben, auch steinerne Christuskreuze stehen da wie dort von Zeit zu Zeit. Nun beginnt Hügelland, Ende der 35°C Zone, obwohl heute die meist hinter den Wolken versteckte Sonne die
Hitze erträglich machte. Gegen Ende der Etappe sinniere ich, wie sehr doch das Durchstreifen der Landschaft im Fahrradtempo das Leben im Geiste, wie es Exupery ausdrückt,fördern kann. Wie beengend doch ein bloß vernünftiges Leben sein kann. Ein vernünftiges Leben sollte, ein Leben im Geiste müßte man führen. Über diese Fragen nachgrübelnd grüble ich mich in den Schlaf.

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