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Wer Bäume setzt, obwohl er weiß, dass er nie in ihrem Schatten sitzen wird, hat zumindestens angefangen, den Sinn des Lebens zu begreifen.
Rabindranath Tagore
Für die Statistik: 138Km, 400 Höhenmeter, reine Fahrzeit 6,5 Stunden Durchschnittsgeschwindigkeit. 21 Km/h
Wir starten nach einem großartigen Frühstück, einer von Maria sehr gut ausgewählten Morgenbetrachtung über die Suche nach dem Glück, bei prachtvollem Kaiserwetter. Unser genußradeln wird jedoch schon nach einer halben Stunde jäh unterbrochen: Zilli hat einen Patschen. Im Teamwork erledigen Walter und ich das Problem. Windstille, mitunter leichter Rückenwind läßt uns gut vorankommen. Ockerfarbige Böden weisen auf weitgehend erledigte Erntearbeit hin. Obstbäume, Wiesenflächen und liebevoll gepflegte Blumen-, vor allen Rosengärten in den Dörfern säumen unseren Weg. Die Stromdrähte ähneln Notenlinien. Auf ihnen sammeln sich bereits die Schwalben. Manche von ihnen wirken schon wie ganze Noten, um die Viertelnoten unter ihnen muss man sich Sorgen machen, denn der Abreisetag ist schon bedenklich nahe. Was für ein Musikstück haben sie wohl gerade im Sinn? Eine Taube, ein Rebhuhn und ein Eichkätzchen sind rasenden Auto-und Motorradfahrern zum Opfer gefallen. Auch wir bekommen so manchen heftigen Windstoß immer wieder zu spüren. Samstägiger Urlauberschichtwechsel am Balaton und Badewochenende für die Einheimischen machen sich heute stark bemerkbar. Ernstl, unser Sanitäter vom Arbeitersamariterbund stößt mit Heinzis Hilfe zu uns. Es ist ein herzliches Wiedersehn.Er wird uns wieder auf der weiteren Strecke in seiner bewährten Art betreuen. In Sarvar machen wir diesmal in einem empfehlenswerten Restaurant längere Mittagsrast. 33°C im Schatten lähmen zunächst unsere Ambitionen. 20 Km nach Sarvar verlassen wir die die Raserstrecke Nr.84 und finden uns auf einer beschaulichen Nebenstraße wieder. Doch das Tempo, dass wir, nun im Bewußtsein noch rund 70km vor uns zu haben, einschlagen, ist alles andere als beschaulich. Dazu kommt, dass sich lange Zeit in dieser einsameren Gegend keine Erfrischungsmöglichkeit zeigt. Die Sehnsucht nach etwas Drinkbarem verleiht uns Flügel. Rund 25km vor unserem Ziel finden wir endlich ein einfaches Lokal,dessen Inhaber unsere dringendsten Bedürfnisse zufriedenstellt. Nun geht es in gemächlicherem Tempo weiter. Ein Teil der Gruppe,auch ich, kehren in einem Restaurant ein(etwa 8km vor unserem Ziel), in dem wir schon vor zwei Jahren sehr gut gegessen haben. Nach einigem Suchen werden wir fürsorglich von unserem Quartiergeber in die Herberge gelotst. Wenn ich an die rasenden, dem Sekundenzeiger verfallenen Menschen denke, deren Rastlosigkeit eher wie eine vergeblichen Suche nach Glück anmutet( das Thema mit dem sich heute Maria so intensiv beschäftigt hat), denen wir auf der Route 84 heute so zahlreich begegnet sind, dann leben diese an der Langfristigkeit, am Denken in Generationen, das leider auch den meisten Politikern fremd geworden ist, völlig vorbei und haben demnach im Sinne Tagores entweder aufgehört oder nie angefangen den Sinn des Lebens zu begreifen.
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