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Dieses Thema hat 1 Antworten
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 Joschis Buch nach der Reise
Gast
Beiträge:

05.08.2011 17:01
Nie wieder Jerusalem? Religion.ORF.at Tipps antworten

Die so genannte „Friedensradwallfahrt“ von Wien nach Jerusalem war eines der herausragenden Projekte aus dem Lebenswerk des kürzlich verstorbenen ORF-Journalisten Werner Ertel. Das Buch von Josef Mann erzählt die Geschichte einer einmaligen Reise.
Zwanzig Frauen und Männer radeln von Wien nach Jerusalem „um des Friedens willen“. Unterwegs erfahren sie recht ungewöhnliche Storys aus Geschichte und Gegenwart. Einer der Teilnehmer, der Journalist, Historiker und Theologe Josef Mann, hat sie in Reportagen gefasst. Der Titel „Nie wieder Jerusalem?“ ist, so der Autor, ein zweideutiger: Einerseits weist er auf die sportliche Leistung hin, die den Teilnehmenden abverlangt wurde, andererseits auf die Machtlosigkeit, die sie angesichts der beobachteten Konflikte verspürt haben.
Vierzig Tage lang strampeln die Radler durch zehn Länder, durch Klimazonen und Zivilisationen. Die Route führt von Österreich über Ungarn, Kroatien, Serbien, Bulgarien, die Türkei, Syrien, Jordanien nach Israel und Palästina. Nach 3.712 Straßenkilometern und 23.118 Höhenmetern erreichen die Radler am 20. Mai 2009 Jerusalem. Das Projekt steht unter der Patronanz des Bürgermeisters der Stadt Wien, des „Ökumenischen Rates der Kirchen“, der „Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich“ und der „Israelitischen Kultusgemeinde“. Der langjährige ORF-Mitarbeiter und Religionsjournalist Werner Ertel – er verstarb im Juli 2011 nach einer Radtour an einem Lungeninfarkt – war sein Initiator und Motor.

Bewegende Geschichten

Die Biker begegnen auf ihrer Reise kulturell und religiös höchst unterschiedlich geprägten Menschen in christlichen, islamischen und jüdischen Kontexten: Im „Chor der Zivilisationen“ der türkischen Kleinstadt Antakya singen Muslime, Christen und Juden gemeinsam. In Syrien ist ein Christ namens Bassel Kas Nasrallah als Berater des Großmuftis tätig...
Die „Friedensradler“ betreten politische, ethnische und religiöse Konfliktfelder der Vergangenheit und Gegenwart: Der erste Riss im „Eisernen Vorhang“ an der österreichisch-ungarischen Grenze, drei Monate bevor die Berliner Mauer fiel. Zerschossene Häuser, Panzer als Kinderspielplätze in Ex-Jugoslawien. In Novi Sad erinnert eine Skulptur an die mörderische Razzia von 1942, bei der von den Nazis und ihren Erfüllungsgehilfen tausende Juden, Serben und Roma in die Donau gestoßen wurden. In Bethlehem sperrt eine Neun-Meter-Mauer Menschen ein bzw. aus...

Frieden ist möglich

Die Überzeugung der Radler steht auch nach 3.712 Kilometern fest: Frieden ist möglich. Im winzigen Dorf Berak klopft die Kroatin Dragica an die Tür ihres serbischen Nachbarn. Der Israeli Jeff verhindert den Abbruch eines Araberhauses. Bil’in, ein Dorf im palästinensischen Westjordanland, übt sich seit fünf Jahren im gewaltfreien Widerstand gegen jüdische Landbesetzer. Jeremy Milgrom, der „Rabbiner für Menschenrechte“, schöpft Hoffnung aus seiner Freundschaft mit Palästinensern …
Allen positiven Eindrücken zum Trotz, erzählt Autor Josef Mann, habe das Gefühl der Machtlosigkeit überwogen und zu einem Titel für das Buch geführt, der die Sinnhaftigkeit weiterer „Friedensradwallfahrten“ zumindest zur Diskussion stellt. „Es gibt zwar sowohl auf israelischer als auch auf palästinensischer Seite Kräfte, die für Gewaltlosigkeit und Frieden eintreten“, sagt er, „sie haben aber leider zu wenig politisches Gewicht.“
Werner Ertel hat bis zu seinem Tod dennoch an der Planung einer weiteren Firedensradwallfahrt von Brüssel nach Jerusalem gearbeitet. Ob diese ohne ihn als treibende Kraft jemals stattfinden wird, ist derzeit unklar.

Information:
Josef Mann: Nie wieder Jerusalem? 3.712 Kilometer für den Frieden unterwegs. Ein Roadbook
320 Seiten, 64 Farbfotos, 1 Landkarte, Klappenbroschur, ISBN 978-3-200-02125-9, MANN&SKRIPT 2011, Euro 19,80 (A)
Erhältlich bei: Herder, Wien/Wollzeile, Frick, Wien/Graben, Südwind-Buchwelt, Wien/Schwarzspanierstraße bzw. direkt bei MANN&SKRIPT

Link:
http://www.mannundskript.com

Sepp ( Gast )
Beiträge:

14.08.2011 23:06
#2 RE: Nie wieder Jerusalem? Religion.ORF.at Tipps antworten

Danke Joschi fuer dein Buch, das nicht nur Erinnerungen weckt, sondern so viel Neues dazuerzaehlt, dass es eine Bereicherung fuer jeden Leser ist, auch wenn er nicht bei der Reise war und sogar neue Begegnungen schildert, die wir gar nicht machen konnten.
Danke

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