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13.07.2011 18:30
Werner Ertel verstorben. Der "Friedensradfahrt"-Initiator und ORF-Mitarbeiter erlag am 6. Juli einem Lungeninfarkt antworten

Wien (KAP) Der langjährige ORF-Journalist und Mitarbeiter der Hauptabteilung Religion, Werner Ertel, ist am Mittwoch völlig unerwartet gestorben. Der 69-Jährige, der noch vor zwei Jahren mit dem Rad - im Rahmen einer von ihm mitorganisierten "Friedensradfahrt" - knapp 4.000 Kilometer von Wien nach Jerusalem gefahren ist, erlitt am Mittwoch nach einer Radtour von Melk nach Willersdorf einen Lungeninfarkt. Die Rettungskräfte, die sofort gerufen wurden, konnten nichts mehr für ihn tun. Er starb in den Armen eines Freundes. Werner Ertel hinterlässt eine Frau und eine erwachsene Tochter.

Viele Jahre lang hat Ertel Beiträge für die Sendungen der ORF-Abteilung Religion, für "Thema" und für den "Report" gestaltet, in den vergangenen Jahren meist als Redakteur und Kameramann in einer Person. Seine Themen waren die Reformbewegungen in der katholischen Kirche, Asylwerber und sozial Benachteiligte. "Werner Ertel war ein Journalist mit Leidenschaft und Mission. Ihm ging es nicht nur darum, zu berichten. Er wollte immer auch verändern - die Welt ein Stück besser machen. Wir trauern um einen treuen Freund", sagt der "Orientierung"-Sendungsverantwortliche Norbert Steidl über den langjährigen Mitarbeiter.
Immer wieder hat Werner Ertel sich in seiner journalistischen Arbeit mit Themen auseinandergesetzt, die ihm auch ein persönliches Anliegen waren. Die oftmals schwierige Situation von Asylwerbern in Österreich war eines dieser Themen. Im Jänner 2009 war Ertel mit der Kamera dabei, als die vier Geschwister von Arigona Zogaj nach ihrer Abschiebung illegal nach Österreich einreisten und die Familie erstmals seit 2007 wieder vereint war.
Auch für die Reformanliegen innerhalb der katholischen Kirche hatte Ertel stets ein offenes Ohr. 2002 berichtete er für "Thema" über die umstrittene Weihe von mehreren Österreicherinnen und Deutschen zu "katholischen Priesterinnen". Später schrieb er zusammen mit einer von ihnen, der Deutschen Gisela Forster, das Buch "Wir sind Priesterinnen".

1981 war Werner Ertel eines der Gründungsmitglieder der "Franziskusgemeinschaft Pinkafeld", einer "Lebens-, Gebets-, Güter- und Arbeitsgemeinschaft", in der er danach auch einige Jahre seines Lebens verbrachte. Später bewohnte Ertel einen Bauernhof nahe Melk. Naturverbundenheit und ökologische Nachhaltigkeit waren ihm ebenfalls große Anliegen, so fungierte er als Moderator eines Arbeitskreises unter dem Titel "Kirche und Sonnenenergie". "Ich möchte dafür eintreten, dass jede Pfarre in Österreich eine Solarstrom-Tankstelle wird", schrieb er erst vergangene Woche an die Redaktion der ORF-Sendung "Orientierung". Schon vor Jahren hatte er beschlossen, ohne Auto auskommen zu wollen.

Großprojekt "Friedensradfahrten"
Eines seiner letzten großen Projekte war eine "Friedensradfahrt" von Wien nach Jerusalem. Zusammen mit 20 christlich motivierten Begleitern absolvierte er die 3.712 Kilometer lange Fahrt im Frühjahr 2009. In Belgrad hatte die Gruppe an den orthodoxen Osterfeiern teilgenommen, in Istanbul wurden die Radler vom Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. empfangen, und in Jerusalem und Bethlehem standen zahlreiche Begegnungen mit jüdischen und palästinensischen Friedens- und Menschenrechtsgruppen auf dem Programm. An der Planung zweier weiterer "Friedensradfahrten" - von Wien nach Sarajevo im Herbst 2011 und von Brüssel nach Jerusalem 2012 - war Ertel bis zu seinem Tod entscheidend beteiligt.

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