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 Joschis Buch nach der Reise
buwal ( gelöscht )
Beiträge:

17.03.2011 10:43
Werner Ertels Rezension zu "Nie wieder Jerusalem ?" antworten

Über die Friedensradfahrt Wien - Jerusalem im Jahr 2009 berichtete der Initiator dieses Unternehmens - und Autor dieser Zeilen - bereits ausführlich in Kirche IN (Heft 7/2009). Jetzt liegt ein Buch vor, das in einzigartiger Weise zu jedem Tag der Radfahrt kunst-, kultur- und religionsgeschichtliche Hintergründe aufhellt. Der Autor Dr.Josef Mann, Historiker, war bis zu seiner Pensionierung Anfang dieses Jahres Mitarbeiter in der "Kontaktstelle Weltreligionen der Erzdiözese Wien" und hat sein Wissen kenntnisreich, detailliert und in spannender Art und Weise eingebracht. Darüber hinaus steuert er als diplomierter Absolvent der Schule für Künstlerische Fotografie auch zahlreiche Farbfotos bei, analog geschossen mit seinen beiden alten, schweren Leicas.
Das Buch ist in vier große Kapitel gegliedert: "Friede, Beke, Mir" widmet sich den 14 Radtagen von Wien über Ungarn, Kroatien, Serbien, Bulgarien bis zur türkischen Grenze Svilengrad; "Baris" - Friede auf türkisch - beschreibt die erlebnisreiche Fahrt durch die Türkei, vom europäischen Teil über Istanbul, Westanatolien, Konya bis Antakya - das "Antiochia" der Apsotelgeschichte -, unter "Salam" folgen Syrien und Jordanien, bis schließlich "Shalom" die Er-Fahrungen Israels und Palästinas zusammenfasst.
"Joschi" Mann erzählt von Eindrücken und Begegnungen, wie sie uns 20 Mitradlern/innen oft sogar entgangen sind: Panzer als Kinderspielplätze - beispielsweise. Die Kroatin Dragica klopft an die Tür ihres serbischen Nachbarn. Im Chor der Zivilisationen der türkischen Kleinstadt Antakya singen Muslime, Christen und Juden. Der Christ Bassel Kas Nasrallah berät den syrischen Großmufti. Der Israeli Jeff (Halper) verhindert den Abbruch eines Araberhauses. Daneben immer wieder höchst interessante Exkurse in die Geschichte des Balkans, der Türkei, Syriens und Israels/Palästinas. Der kunsthistorisch versierte Mitradler Karl Reinberg aus Krems, der uns auf unserem Weg durch die Türkei auf Ausgrabungen, Funde, Sehenswürdigkeiten hinwies, hat "das Buch ganz begeistert in 13 Stunden ausgelesen".
Ich könnte mir vorstellen, dass diese Erzählung so manchem Leser Lust macht, die 3.712km ebenfalls unter die Pedale zu nehmen oder sonst irgendwie zu bewältigen. 40 Tage Zeit muss man sich dafür nehmen, und ein bisschen eine Grundkondition mitbringen.
In einer "Zeitreise" spannt der Autor abschließend den Bogen vom 13. April 2009 - dem Ostermontag unseres Aufbruchs - bis zum "20.Mai 2020". An diesem Tag streckt Khalil mit grüner Stirnbinde seine Hand durch den Sperrzaun zu Nama; die beiden "rütteln an der siebenhundert Kilometer langen Sperranlage aus Zäunen und Zementplatten, die wie eine giftige Viper Palästina seit Jahrzehnten in Angst und Schrecken versetzt". Was dann passiert, in Anwesenheit der "aus allen Himmelsrichtungen seit Monaten, Wochen, Tagen und Stunden unterwegs gewesenen Biker" - das sei hier nicht verraten; die geschätzten Leser/innen mögen es selbst als Frucht dieses Buches ernten. _Werner Ertel


Josef Mann, Nie wieder Jerusalem? 3.712 km für den Frieden unterwegs. Ein Roadbook.

Bestellungen über www.mannundskript.com
Email: mann.josef@hotmail.com

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