Dienstag, 25. Jänner 2011, 19:06 Uhr Oe1_Dimensionen - Welt der Wissenschaft Mehr oder minder? Über den Umgang mit ethnischer Diversität in den Nachfolgestaaten Jugoslawiens. Gestaltung: Tanja Malle
Die ethnisch bunt gemischte Siedlung "Bezdan" in der Provinz Vojvodina im Dreiländereck Serbien - Ungarn - Kroatien: Die Ältesten der insgesamt etwas über 5000 Einwohner von Bezdan haben im Laufe ihres Lebens in einem halben Dutzend Staaten gelebt - ohne jemals aus Bezdan weggezogen zu sein. Mit jedem Staat veränderte sich ihre rechtliche, soziale und ökonomische Situation. (...) Bosnien-Herzegowina, das "kleine Jugoslawien". - Bosnien-Herzegowina - von den 4.5 Millionen Einwohnern sind ungefähr 48 Prozent bosnische Musliem, 37 Prozent Serben, sowie 14 Prozent Kroaten - wird heute von einigen Politologen und Historikern gerne als "kleines Jugoslawien" bezeichnet - das bedingt vor allem die multiethnische Struktur des Landes. "Diese ist durch Flucht, Vertreibungen und Massenmord und nicht zuletzt durch Grenzziehungen neu geordnet worden; die jahrhundertealten multiethnischen Strukturen von Dörfern, Städten und Regionen wurden in den 1990ern aufgelöst - aber nicht vollständig vernichtet. Aus ehemaligen Mehrheiten wurden so neue Minderheiten - sie wurden zunächst aus ihren angestammten Gebieten vertrieben, und kehrten später in die ethnisch gesäuberten Gebiete zurück", so der Politologe Vedran Džihić Vedran Džihić. Er ist derzeit Fellow der Austrian Marshall Plan Foundation am Zentrum für transatlantische Beziehungen der Johns Hopkins University in Washington und war zuvor als Lektor und wissenschaftlicher Mitarbeiter an den Universiäten Wien, Sarajevo und Bratislava tätig.