Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 0 Antworten
und wurde 830 mal aufgerufen
 Politische Diskussion
Sepp1 Offline



Beiträge: 25

30.01.2009 10:59
Hintergrund Gazakrieg antworten

Zum kontroversen Thema Israel und Palästina: (geschrieben schon am 12.1.09)
Da am Schluß des Treffens (am 10.1.) eine sehr emotionale Diskussion zum Thema Israel-Palästina (und Schuldfrage) entstand, ein paar Bemerkungen von mir - dazu muß man aber ausgiebige Gespräche führen und so Manches lesen von beiden Seiten.

Ich verwehre mich auch gegen den Ausdruck 'Völkermord' der Israelis an den Palästinensern, wie er von manchen Israelkritikern gebraucht wird. Das ist zumindest übertrieben und verfälscht die Tatsachen. Ein klarer Völkermord war die Ausrottung der Indios und der Holocaust an den Juden in Deutschland oder das Massaker an den Tutsis in Ruanda.
Auch die Schuld an den Massakern in Sabra und Shatila (im Libanon vor 20 Jahren) allein den israel.Militärs zu geben, wäre unfair, dann wären auch die UNO-Soldaten in Srebrenica am Massaker schuld oder in Ruanda, die nicht eingeschritten sind. Also sind nicht die Israelis die Bösen und die Palästinenser die Guten, aber auch nicht umgekehrt.
Und mit Antisemitismus muß Kritik am israelischen Militär und Politik auch nichts zu tun haben.

Grundsätzlich ist der Krieg Israels gegen die Palästinenser ein sehr ungleicher Kampf zwischen zwei unterschiedlichen Gegnern, die Beide vieles falsch gemacht haben. Zu Beginn in den 30iger und 40iger Jahren gab es Pogrome auf beiden Seiten (und Terror gegen die Engländer auch von beiden Seiten, siehe M. Begin). Nach der Unabhängigkeitserklärung 1948 und der UNO-Resolution zur Teilung waren es zuerst die arabischen Staaten, die das nicht akzeptierten und die Juden ins Meer treiben wollten. Von daher stammt das Mißtrauen der Israelis gegen alle arabischen Nachbarn und die Palästinenser und deren Versprechungen.
Dann wurde das israelische Militär von den USA massiv aufgerüstet und besiegte in mehreren Kriegen die arabischen Nachbarn. Seit 1967 hält nun Israel das palästinensische Gebiet besetzt und hat nicht die Chance ergriffen, aus der Position des Stärkeren Vertrauen in der Bevölkerung zu schaffen, sondern hat auf militärische Gewalt in der Besatzung gesetzt und mit Strafmaßnahmen und Kollektivstrafen gegen Ansätze von Widerstand reagiert und mit der Siedlungspolitik Annektionspolititik betrieben.
Natürlich haben die weltweiten Terrormethoden der PLO und anderer Palästinensergruppen diese militärische Option nur verstärkt. Und die verschiedenen arabischen Länder (und der Iran) schürten und schüren den Konflikt.
Aber es hätten sich auch viele Chancen ergeben für ein beginnendes friedliches Miteinander wie nach Sadats Friedensschluß und dem Frieden mit Jordanien und dem Osloprozeß. Für das Scheitern waren natürlich auch wieder Kräfte auf beiden Seiten schuld, aber Israel als stärkere Kraft hätte mehr Möglichkeiten gehabt, denke ich. Aber darüber kann man natürlich viel streiten.
Und dass die Siedlungspolitik seit 1967/73 in der Westbank die Situation immer mehr anspannten, kann ich schon aus meinem ersten Aufenthalt in Jerusalem 1981/82 bezeugen. Wir konnten noch großteils ungestört im palästinensichen Gebiet reisen und wandern, ohne um unser Leben fürchten zu müssen (ab und zu Steine von Kindern gab es schon). Aber durch den masiven Bau von immer größeren Siedlungen und deren Absicherung durch Mauern und Umfahrungsstraßen, die das Leben der einfachen Menschen immer mehr zu einem Spießrutenlauf zwischen Check-points machte und Arbeitsmöglichkeiten für Palästinenser in Israel verunmöglichte (an deren Stelle holte Israel massiv russische Juden und manchmal auch Nichtjuden ins Land, die ein Fremdkörper in beiden Gesellschaften sind), wurde der Haß auch der einfachen Menschen immer größer bzw. wuchs in der Generation, die nach 1967 geboren ist. Unsere arabischen Angestellten damals 1981 am christl.Zionsberg (manche sogar aus Gaza) waren keineswegs Antisemiten und Judenhasser, sondern Fans der beiderseitigen Anerkennung (daher Kreiskyfans). Aber ihre Kinder und Enkel wurden die Kinder der Intifada und später vielleicht auch Selbstmordattentäter aus Verzweiflung, Hoffnungslosigkeit, aber natürlich auch aus Verhetzung, u.a. durch islamistische Gruppen.
Und hier muß man natürlich auch massiv die Hamas kritisieren und die Gruppen, die sie unterstützen.
Der derzeitige Krieg in Gaza ist vielleicht aus israelischer Sicht eine legitime Verteidigung gegen die Raketenangriffe, aber sicher nicht verhältnismäßig in der Durchführung, wenn man die Zahlen der toten Zivilisten betrachtet oder die Phosphorraketen (im letzten Libanonkrieg wurden jedenfalls geächtete Streubomben eingesetzt). Dass ein Staat keineswegs 9000 Raketen in 3 Jahren auf sein Staatsgebiet hinnehmen kann (laut Ariel Muzikant) ist klar, aber die Frage ist die Art der Antwort! Israel und sein Militär setzen seit Jahrzehnten auf die Sprache der Gewalt und die Palästinenser und zumindest die Hamas genau so.
Aber damit werden sie keinen Frieden bekommen. Und das ist auch richtig: Die überwiegende Mehrheit der Israelis und der Palästinenser wollen in Frieden leben, aber auch in Würde und Überlebenschance für die Kinder. Wo wir wieder bei den Blockaden gegen der Gazastreifen und schon vorher gegen die damals demokratisch gewählte Hamasregierung durch Israel und die USA wären und die Nichtverhandlungsbereitschaft mit Hamas. Allerdings auch bei der völlig inakzeptablen Nichtakzeptanz des Lebensrechtes Israels durch den Iran, Syrien und auch viele Palästinener und Araber auch bei uns - angeblich auch von Anas Shakfeh (laut Hr. Imlinger). Isik Mehmet hat das danach auch klar kritisiert, dass er so etwas nicht als islamischer Vertreter vertreten dürfte. Allerdings ist Anas Shakfeh aus Syrien und entsprechend ist dort das Bild der Israelis.

Es fehlt auf allen Seiten der Wille zum Anerkennen und zum gewaltfreien Umgang miteinander. Und diesen gewaltfreien Umgang wollen wir mit unserer Radtour unterstützen. Es gibt auch auf beiden Seiten seit Jahrzehnten diesen gewaltfreien Umgang miteinader und diese Intitiativen für ein friedliches Miteinander und das wollen wir stärken. Uri Avinery habe ich schon 1981 mit seinem Plädoyer für einen gewaltfreien Umgang gehört und mit seiner massiven Kritik an der damals begonnenen Siedlungspolitik von Begin und er prophezeite eine schlimme Entwicklung, wenn man darauf beharrt und er behielt leider recht. Und er arbeitet weiterhin für dieses friedliche Miteinander und kritisiert die eigene Regierung und Militär. Und das ist legitim und gut und auch nicht Antisemitismus, auch wenn wir in Österreich und Deutschland vorsichtig sein müssen wegen der historischen Belastungen. Aber die 'Juden' als Menschen und Religion sind etwas anderes als der Staat Israel und sein Militär und seine Politik!
Genauso wie die palästinensische Bevölkerung und die Militanten in Hamas und anderen Gruppen.

Das wollte ich nur zum Nachdenken mitschicken - freue mich auch gerne auf Stellungnahmen von euch - vielleicht doch in einem Internetforum und live beim Radeln.
Liebe Grüße
Sepp Gruber
0676/826688398

«« Einladung
 Sprung  
Xobor Erstelle ein eigenes Forum mit Xobor