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 Dieter's Tagebuch
Dieter Offline



Beiträge: 181

19.11.2009 09:22
Über die ZUKUNFTSPERSPEKTIVE des(r) FRIEDENS-(RADFAHRT) antworten

Über ZUKUNFTSPERSPEKTIVEN des (der) FRIEDENS(RADFAHRT)


Wir pflügen und wir streuen
den Samen auf das Land:
Doch Wachstum und Gedeihen
steht nicht in unserer Hand.

nach Mathias Claudius

Das Große geschieht so schlicht
wie das Rieseln des Wassers ,
das Fließen der Luft ,
das Wachsen des Getreides .

Adalbert Stifter




Für mich stellt sich abschließend natürlich die Frage , ob und in welcher Form Werner Ertels Idee einer gemeinsamen Radfahrt von Juden,Christen und Moslems ,um des
Friedens willen von Wien nach Jerusalem eine Fortsetzung findet.So träume ich davon , dass auch Radfahrer anderer Länder daran teilnehmen , die , soweit es
Nord - , West- und Mitteleuropa betrifft , in einer Art Sternfahrt zu den " Wienradlern " dazustoßen . Ebenso könnten Teilnehmer aus den Ländern , die wir auf dem Weg nach Jerusalem durchquert haben , die ganze Reststrecke oder Teilstrecken , etwa im Rahmen ihrer Landesgrenzen mitmachen . Werden Gruppen oder Einzelkämpfer unseren Spuren folgen ?
Für Interessenten , die gesundheitliche oder altersbedingte Bedenken haben : Heinzi ,unser Ältester war im Siebzigsten , ich im 69sten Lebensjahr.
Einige Teilnehmer haben die Radfahrt nach überstandenen Operationen (Bypass) oder anderen schweren Krankheiten ohne Probleme bewältigt.Freilich sollte man schon eine gewisse Grundkondition (in der Vorbereitungsphase : etwa 500 km Radkilometer oder 2 bis 3 Mal pro Woche 5-10 km Laufen) mitbringen .Aber auch die konditionsschwächeren Radler haben ihren Rückstand im Laufe der Tour sehr rasch aufgeholt . Die Zeitfrage (40 Tage für die volle Strecke) sollte niemanden davon abhalten zumindest eine Teilstrecke mitzuradeln . Etliche Hin- und Rückflugmöglichkeiten entlang der Strecke sind vorhanden . Organisatorische Fragen hängen in erster
Linie von der Zahl der Teilnehmer ab . Für uns rund 20 war neben Planung durchaus auch Improvisation möglich und gefragt.Immerhin hatten wir etliche Reifenpannen , 3 Kettenrisse , Probleme mit dem Visum für Syrien und war auch hin und wieder gesundheitliche Betreuung erforderlich . Der Reisezeitraum( Mitte April bis Ende Mai )
war sicher gut gewählt.Wir fuhren lange durch ein Blütenmeer.Wir hatten wohl von 2° (Kostenec,Bulgarien) bis 43° C( Israel) große Temperaturunterschiede,doch scheint
mir ein späterer Reisezeitraum wegen der größeren Hitze weit kräfte(wasser-)raubender.
Wenn ich daran denke , dass es von Wien nach Jerusalem etwa gleich weit, wie von Wien nach Santiago ist , scheint mir unsere Pilgerreise jedenfalls
eine interessante Alternative zum Jakobsweg zu sein . Dessen Renaissance in den letzten Jahrzehnten entspricht durchaus den Malrauxschen Prophezeiungen
vom Wiederaufleben der Spiritualität und läßt auch für die Idee der Friedensradfahrt nach Jerusalem den Schluss zu , dass wir nicht die Letzten sein werden ,
die diese wunderbare spirituelle , noch dazu den Friedensgedanken weitertragende Erfahrung gemacht haben.
Jedenfalls werden die Meisten von uns , wenn sie nicht ohnehin eine Wiederholung dieser Friedensfahrt im Auge haben , gerne mit Rat und Tat interessierten Friedensradbegeisterten zur Seite stehen .
Vielleicht wächst und gedeiht dann im Sinne Claudius' , was uns ein gnädiger Gott pflügen und an Samen streuen ließ . Was mir Mut macht : Gerade in jüngerer
Vergangenheit gibt es einige Beispiele , wie aus kleinen Anfängen große Umwälzungen entstanden sind . Wer hätte gedacht , das die Trennung Europas , der Fall der
Berliner Mauer auf so friedliche Weise zustande kommt , dass nach der legendären Rede Martin Luther Kings am 28.August 1963 in Washington :"I have a dream" -
sein Traum vom Ende der Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung mit der Wahl Barack Obamas zum ersten dunkelhäutigen Präsidenten im Jahre 2008 Wirklichkeit
geworden ist . Luthers gewaltsamer Tod hat die Verwirklichung seines Traumes nicht aufhalten können , sie womöglich beschleunigt . Auch ich , auch wir Friedensradler ,
träumen , das die unhaltbaren Zustände , wie sie im "heiligen" Land herrschen und die im Moment ebenso unveränderbar scheinen wie dies bei der Berliner Mauer , bei
der Diskriminierung der Schwarzen in den Vereinigten Staaten unverrrück-,unüberbrückbar schien , beseitigt werden . Von allen Krisenherden unserer Welt ist hier das
Weltkrisenzentrum , das alle nur möglichen Konfliktursachen in sich vereinigt : Unterschiedliche Religion , unterschiedliche Nation , unterschiedlicher Sozialstatus , Landknappheit , Wasserknappheit , Ölreichtum in den umliegenden Ländern . Mit großer Wahrscheinlichkeit liegt hier der Schlüssel für den Weltfrieden . Wir träumen
von einer Verständigung der großen Weltreligionen in gegenseitiger Hochachtung und Liebe , kein ängstliches Fürchten um den jeweils eigenen Einfluss . Wir träumen aber auch vom Teilen der Güter dieser Welt , von einem weltweiten sozialen Netz , freilich ohne die Hängematte für Faulheit und wir träumen von selbstlosen , uneitlen Politikern und Managern , die langfristige Strategien für das Wohl Aller zu entwickeln imstande sind . Dies kann dann gelingen , wenn die ohnehin schon vorhandenen gegenseitigen
Abhängigkeiten sich im unumkehrbaren Globalisierungsintegrationsprozess weiter vertiefen . Als schönes Beispiel mag dafür die wirtschaftliche Interdependenz zwischen
den U.S.A und China gelten . Ich träume davon , dass die israelische und palästinensische Jugend gemeinsam zur Spitzhacke greift , um die Angst- und Schandmauern wieder niederzureissen . Ich habe die Vision , ich sehe sie vor mir, die palästinensische und die israelische Familie , die gemeinsam beim Brotbrechen im Kreis um einen Tisch sitzt , sauberes Wasser trinkend , einander umarmend und DEM dankend , der diesen Frieden ermöglicht hat . Einem Wort der Weisheit gemäß sind wir Menschen
Engel mit nur einem Flügel . Um fliegen zu können , müssen wir uns daher umarmen . Freilich , kann man einen Menschen nichts lehren ,
"aber man kann ihm helfen , es in sich selbst zu entdecken "(Galileo Galilei) .Diese Worte Galileis gelten nicht nur für den einzelnen Menschen ,sie gelten für Nationen ,
ja sie gelten für die Menschheit insgesamt . Dem Getöse des Krieges , des Unfriedens , dem egoistischen Geplärre der missbrauchten Macht steht die Ruhe , die Stille vielleicht ein sanftes Rauschen , ein unaufhaltsames Fließen , ein langsames , aber stetes Wachsen des wirklich Großen , der ungestillten Sehnsucht des
Menschen nach Frieden , nach zur Ruhe kommen , gegenüber . Je mehr sich die Menschenherzen davon berühren lassen ,umso mehr wird diese Kraft die Welt wahrhaftig
regieren .


Dieter


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