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 Dieter's Tagebuch
Dieter Offline



Beiträge: 181

27.09.2009 19:22
DAS ZWEITE TREFFEN antworten

Das zweite Treffen

Was hilft das Weinen über so viele Übel in der Welt?
Es ist besser,sich aller Kräfte zu bedienen,um sie zu beheben.

Don Bosco

Unsere nächste Begegnung fand in den Räumen der Hakoah,des bekannten ,nunmehr schon vor mehr als 100 Jahren gegründeten jüdischen Sportvereins,statt.
Trotz strömenden Regen ließ es sich ein Friedensradleraspirant,wenn ich mich recht erinnere,war es Hans Gattringer,nicht nehmen mit dem Fahrrad und dichtem
Regenschutz "anzureisen",eine Art Generalprobe für den immer näher rückenden "Ernstfall",wie er meinte.Nach Passkontrolle und kurzem Sicherheitscheck betraten
wir die moderne Sporthalle;deren Benützung ,wie wir bald erfahren sollten,nicht nur jüdischen,sondern auch anderen Sportlern ermöglicht wird.Nach einer kurzen
Vorstellrunde gab uns Prof.Dr. Paul Haber,Sport- und Ernährungsmediziner wertvolle Tipps für unser Vorhaben.In der Zeitschrift "Die Gemeinde"der israelitischen Kultusgemeinde Wien wurde unsere Friedensinitiative vorgestellt und beworben.So hofften wir jüdische MitradlerInnen gewinnen zu können.Als Obmann der Hakoah brachte er uns die wechselvolle,dramatische Geschichte dieser Institution auf sehr eindrucksvolle Weise näher.Wie sollen wir mit den Abgründen menschlicher Grausamkeiten umgehen,die zu allen Zeiten der Menschheitsgeschichte so unendlich vielen Menschen,ja Völkern ,so auch dem jüdischen Volk durch die Nationalsozialisten unsagbares Leid zugefügt haben?Doch auch aus dem Holocaust hat die Menschheit nichts gelernt.
Das Völkermorden geht auch bis in unsere jüngste Zeit weiter,wenn ich nur als Beispiel an die afrikanischen Tragödien(Tutsis,Dafour,usw.)denke.
Habers Schilderung,sein Bericht über das Leiden jüdischer Mitbürger machte mich tief betroffen.Die großartigste und zugleich friedensstiftende Antwort auf den Rassenwahn Hitlers stammt von einem , der selbst mit viel Glück den Holocaust überlebt hat,dessen Eltern und Frau im Konzentrationslager umgekommen sind:Viktor Frankl,der in einem denkwürdigen Vortrag meinte:Er kenne nur zwei Arten der menschlichen Rasse-die Rasse der Idealisten und die Rasse jener,die diese Idealisten ausnützen.Viktor Frankl,der selbst noch im Leid einen Lebenssinn sah.Frankls Sicht ist weltweit,hier werden nicht Juden ,Deutsche,Österreicher gegeneinander als Völker ausgespielt.Was für ungemein versöhnliche Worte,von einem,der mehr als genug Grund
gehabt hätte nach Rache und Vergeltung zu rufen.Diese Worte Frankls haben mir viel von meinem unbewußt bewußtem Schuldgefühl genommen,
das in der österreichischen Kriegs-und Nachkriegsgeneration(der ich angehöre) weit verbreitet,latent vorhanden ist.Immerhin geht es um das Eingeständnis der Schuld unserer Väter,aber auch Mütter.Das geht weit über das psychische Problem hinaus,dass Jugendliche üblicherweise erfahren,wenn sie ihre Eltern als Menschen mit Fehlern erkennen lernen.Leider gibt es, dem Zeitgeist entprechend,.bestimmte Kreise,die ein massives Interesse daran entwickelt haben , dieses kollektive Schuldgefühl beständig am Köcheln zu halten,was nicht selten zu erneuten antisemitischen Reaktionen führt.Den denkwürdigen Worten des Psychiaters und Holocaustopfers Viktor Frankl verdanken wir die Möglichkeit,diesem emotionalen Teufelskreis zu entkommen.So sollten wir bei aller Trauer ,bei allem mehr als
berechtigten Wehklagen über die Abgründe menschlichen Verhaltens unsere dort gebundenen Kräfte im Sinne Don Boscos gemeinsam in die Behebung der Übel
unserer Zeit bündeln.


Dieter

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