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 Dieter's Tagebuch
Dieter Offline



Beiträge: 181

27.09.2009 19:18
DAS ERSTE TREFFEN antworten

Das erste Treffen

Entgegengehen
Wir gehen,wir müssen suchen.
Aber das Letzte und Eigentliche kommt uns entgegen,
sucht uns,freilich nur,wenn wir ihm entgegengehen.

Karl Rahner SJ

Dem Emailverkehr entnehme ich,dass sich ein Routenplanungsteam,Sepp und Joschi,schon im Vorfeld zu unserer ersten Begegnung gebildet hatte,somit Begegnungen kleinerer Gruppen schon stattgefunden hatten.Am 10.Jänner 2009 war es dann für uns Übrige soweit.Mit großer Neugierde und Spannung fuhren Heinzi(Kubicka) und ich nach St.Pölten,wo in den Räumlichkeiten der Mevlana Moschee,in die uns Mehmet Isik eingeladen hatte,stilgerecht der Friedensidee entsprechend unser erstes Treffen aller Interessenten stattfinden sollte.Von Heinz Kubicka , meinem lieben Schulfreund und Klassenkameraden(wir haben vor nun schon mehr als 50 Jahren zusammen maturiert) wußte ich,dass er ein begeisterteter Radfahrer ist .Er hat in seinem Radfahrerleben etliche Radrennen,Radmarathons,Alpenüberquerungen und ähnliches mehr bestritten.Daher hatte ich ihn bei einem unserer Maturatreffen auf die Friedensradfahrt aufmerksam gemacht.Heinzi war sofort Feuer und Flamme für dieses Projekt.Mit gebotenem Respekt und der Bereitschaft zu einfühlsamer Aufmerksamkeit betraten
wir den Vorraum zur Moschee.Als gläubiger Christ,dem die Heiligkeit der eigenen Kirchen so viel bedeutet,war es nicht schwer,sich in die Lage der anwesenden
gläubigen Moslems,die uns empfingen,hineinzuversetzen,für die ihre Moschee wohl mit genau den gleichen heilig-ehrfürchtigen Emotionen verbunden ist wie unsere
Kirchen für uns.Wir zogen unsere Schuhe aus und wurden sodann in einem im Kellergeschoß gelegenen Seminarraum geleitet.Wir setzten uns im Halbkreis,vor uns die wohl aus alten Schulrequisiten stammende große Landkarte schon ausgebreitet.Beim Betrachten der darauf bereits skizzierten Routenplanung befiel mich ein erstes Herzklopfen.Das soll ich wirklich schaffen?Wir stellten einander vor und versuchten jeweils die Motivation unserer Teilnahme an der Friedensradfahrt darzulegen.Dann die entscheidende Frage:wer betrachtet sich als Fixstarter?Nun gab es kein Zurück mehr,Wieder Herzklopfen:"Ja, ich bin Fixstarter".Etwa ,wenn
ich mich recht erinnere ,18 Zeugen hörten meine Antwort.Für meinen Schulkameraden Heinzi war es sowieso auch schon glasklar,dass er sich als Fixstarter sah.
Auch Isik Mehmet ,unser einladender Moslem,was mich ganz besonders freute und den Gedanken unserer Friedensfahrt unterstrich, wollte mitfahren.Nun erläuterte
Sepp die geplante Route.Im Geiste fuhren wir schon durch die Balkanländer,"eroberten" Istanbul,durchstreiften das bergige Anatolien,bereiteten uns auf die heiße
Wüstenralley durch Syrien vor und zogen triumphierend durch Jerusalems Damaskustor,nicht ohne auch einige bereits geklärte Übernachtungsorte und Sehenswürdigkeiten ,wie Klöster,Kirchen,Schulen näher unter die Lupe genommen zu haben.Unterschiedliche Meinungen zum arabisch-israelischen Konflikt führten
zu einer lebhaften Diskussion.Doch kamen wir uns auch dadurch rasch näher.Allgemeiner Tenor und als bald einhellige Auffassung verblieb:unsere Aufgabe kann
nicht darin bestehen Partei zu ergreifen,sondern alle Friedensinitiativen gleichgültig von welcher Seite sie auch getragen werden , zu unterstützen.Hier wurde
das einander Entgegengehen ,dem Frieden dienen Wollende , in unseren Gesprächen deutlich spürbar.Kam uns hier das Eigentliche im Sinne Rahners entgegen,weil wir selbst bereit waren , einander näher zu kommen?
Zu guter Letzt ließ es sich Isik Mehmet nicht nehmen,uns die Moschee ,aber auch Glaubens-und Brauchtumsinhalte zum Islam,durch eine ausführliche Führung näher
zu bringen.Nach einem herzlichen Abschied wechselten wir zur nur wenige Schritte entfernten Stätte der Emmausgemeinschaft.Auch hier wurden wir sehr herzlich
empfangen und bei einem liebevoll zubereiteten Mittagessen über die Idee und die Projekte von Emmaus informiert.Karl Rottenschlager,der Geschäftsführer dazu: "Emmaus will als Ausdruck der Weggemeinschaft mit Ausgegrenzten auch Tischgemeinschaft leben.Die gemeinsamen Mahlzeiten sollen immer ein kleines Fest sein,wo alle an einem Tisch Platz haben-auch die Ungeliebten unserer Gesellschaft . Allen Religionen gemeinsam ist die Überzeugung ,dass wir in -ausnahmslos-
jedem Gast Gott selber empfangen dürfen".Dankbar,diese hier so eindrucksvoll vorgelebte Idee aus nächster Nähe für kurze Zeit miterleben zu können , erzählen
auch wir von unserem Vorhaben.Beim Nachhausefahren kommen mir ein zweites Mal Karl Rahners Worte vom Entgegengehen in den Sinn:Wie sehr wird diese in
die Tiefe gehende Weisheit doch in der Emmausgemeinschaft gelebt.

Dieter

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