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 Medienecho
martin Offline



Beiträge: 231

22.06.2009 13:58
Bericht Werner Ertel für KIRCHE IN antworten

Friedensradfahrt Wien – Jerusalem

3.712 km für ein „Neues Jerusalem“

Für uns achtzehn Österreicher, fünfzehn Männer und drei Frauen, war es die Pilgerfahrt des Lebens – einmal mit dem Fahrrad nach Jerusalem kommen. Juden, Christen und Muslime waren als „Freunde des Einen Gottes Abrahams, Isaaks, Jakobs und Ismails“ von meiner Wenigkeit eingeladen, diese Strecke in 37 Tagen gemeinsam zu bewältigen. Gekommen sind zum Start am Ostermontag auf den Wiener Rathausplatz dann doch nur Christen. Daß die Fahrt trotzdem zu einem „Trialog auf Rädern“ geworden ist, verdanken wir dem dichten Kulturprogrammn unterwegs: wir besuchten Synagogen und Moscheen und tauschten unsere Ansichten über die Zukunft des Nahen Ostens mit Rabbinern, muslimischen Würdenträgern und christlichen Bischöfen aus.

Ostermontag, 13.April, 09.30 Uhr, Rathausplatz Wien: zwanzig Radler verstauen ihr Gepäck im Begleitbus, einem Ford Transit, den die Fa.Weintritt in Baden freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat.
Anas Shakfeh, Präsident der islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich, gibt uns eine „Übersetzung der Bedeutungen des edlen Qur’ans in die deutsche Sprache“ mit persönlicher Widmung und Segenswünschen mit auf den Weg, der rumänisch-orthodoxe Bischofsvikar Nicolae Duna, stellvertretender Vorsitzender des Ökumenischen Rats der Kirchen, überreicht uns eine „Gute Nachricht Bibel“ der Deutschen Bibelgesellschaft Stuttgart. Die israelitische Kultusgemeinde bedauert, wegen des Pessach-Festes nicht zur Abreise kommen zu können, aber für eine Patronanz hatten sich Oberrabbiner Paul Chaim Eisenberg und die IKG gemeinsam mit den anderen beiden abrahamitischen Religionen gerne zur Verfügung gestellt. Unter dem Ehrenschutz des Wiener Bürgermeisters Michael Häupl, begleitet vom Surren einer ORF-Kamera und dem Klicken der Agentur-Fotografen geht’s also los; interessierte Radlfahrer und Skater folgen uns bis zur Stadtgrenze Wien-Schwechat.

Mittwoch, 20.Mai, 17.00 Uhr: wir achtzehn Friedensradler umarmen einander vor dem Damaskus-Tor in Jerusalem und schämen uns der Freudentränen nicht. Geschafft! Am Ziel!
Zwischen Abreise und Ankunft liegen 3.712km und 23.111 Höhenmeter – das heißt, täglich waren ca. 100km mit einem Schnitt von ca. 20km/h zu bewältigen. Wenn wir einige Male 150km bis 165km zurückzulegen hatten, wurde es am Fahrradsattel schon „heiß“; und sporadische Nachtankünfte zwischen 21.00 Uhr und 22.00 Uhr ließen uns nur noch duschen und ins Bett fallen.

Ungarn, Kroatien, Serbien, Bulgarien

Über Sopron und Keszthely am Balaton geht’s nach Szigetva, wo uns Melinda, eine freie Journalistin mit starker Nähe zur „Bokor“ (Busch-)-Reformbewegung des Vatikan-kritischen P.György Bulanyi zu unseren Motiven für die Friedensradfahrt befragt.
Bei herrlichem Wetter kommen wir über die Drau nach Kroatien, werden am Stadtrand von Osijek schon von Lotsen erwartet, die uns in eine Kapuzinerpfarre bringen. Jugendliche einer kroatischen Friedensinitiative erzählen von ihrer Arbeit, schätzen, dass es mindestens zwei Generationen dauern wird, bis die Wunden des Balkankriegs verheilt sind.
Der nächste Tag beginnt mit nervöser Autoschlüsselsuche durch unseren Chauffeur und Arbeiter-Samariterbund-Sanitäter Ernstl – bis sich der Schlüssel ohnehin in seiner Hosentasche findet; das setzt sich fort mit Heinzens vermisstem Paß samt Geld. Er fährt eigens wieder zurück ins Quartier – um diese Dinge dann doch im Bus zu finden; und schließlich ein trauriger Höhepunkt: Walter Buder, Chefredakteur der Vorarlberger Kirchenzeitung, stürzt bei starkem Regen in einer Längsrille am Asphaltrand, rafft sich auf, fährt unter Schmerzen weiter, bis seine Wunde am Oberarm abends in NoviSad in einem Krankenhaus genäht und einige Steinchen aus dem Fleisch herausoperiert werden. Der tapfere Alemanne wird am nächsten Tag im Begleitbus pausieren.
Im Franziskanerkloster in der Cara Dusana in NoviSad werden wir von P.Karl Harmatch ofm freundlichst empfangen. Zwei Mitarbeiterinnen einer regionalen Versöhnungsinitiative klären uns auf, dass es unter den 2 Millionen Einwohnern der Vojvodina 27 verschiedene Volksgruppen gibt, die sich wiederum zu den unterschiedlichsten Religionen bekennen. Als Nachfahren der Donauschwaben verständigen sich die beiden junggebliebenen Damen mit uns in ausgezeichnetem Deutsch.
In Belgrad nutzen einige den ersten Ruhetag für einen Besuch der orthodoxen Osternachtfeier – eine Woche nach den katholischen Ostern. Zuvor singen wir am Nachmittag in der streng bewachten Synagoge der serbischen Hauptstadt ein „Shalom Habarim“.
Die Wertschätzung aller drei abrahamitischen Religionen ist ein tragfähiges Fundament unserer Friedensradfahrt von Anfang an: so hatten wir unsere monatlichen Vorbereitungstreffen in Österreich bei den türkisch-stämmigen Muslimen in der Mevlana Moschee in St.Pölten und in der HAKOAH in Wien-Leopoldstadt, dem revitalisierten jüdischen Sportverein der Zwischenkriegszeit, bei Prof. Paul Haber, abgehalten.
Über Kragujevac und Aleksinac radeln wir nach Sofia, der glanzlosen bulgarischen Hauptstadt. Umso mehr genießen wir drei Tage später – nach Kostenec und Plovidiv mit seiner sehenswerten Altstadt - die Gastfreundschaft und Stille von „Zlata Livadna“ (Goldene Wiese), einem in Naturstein stilvoll neu gestalteten Kloster, das vom Hl.Athanasios um 350 n.Chr. gegründet wurde. Frauen in Schwarz betreuen Gäste, Jugendgruppen, Menschen, die die Stille suchen. Die „Klosterschwestern auf Zeit“ machen jeweils einige Monate Dienst und gehen dann wieder in ihre Stadtwohnungen zurück. Ordensfrau Lydia sorgt für unser leibliches Wohl und ein Pope singt den Abendgottesdienst – für uns als einzig Mitfeiernde in dem kleinen Klosterkirchlein.
Vor dem Aufbruch am nicht allzu frühen Morgen halten wir wie immer ein Morgenlob, singen aus dem von Martin Ranftler zusammengestellten Liederheften; meine Wenigkeit liest Gedanken zum Tag aus dem Franziskuskalender von Bruder Fritz Giglinger und Sepp Gruber, Betriebsseelsorger aus St.Pölten und als Routenplaner unser allerwichtigster Mann, ergänzt meist eine Schriftstelle.
Wir passieren Svilengrad, Haskovo, Corlu, Edirne mit seiner großartigen Grünen Moschee und Lüleburgaz auf unserem Weg zur ersten Schnittstelle zwischen Ost und West, der unvergleichlichen Stadt am Goldenen Horn.

Türkei, Syrien, Jordanien

Die Stadteinfahrt von Istanbul mit ihrer sechsspurigen Autobahn wird ewig Gesprächsthema bleiben: der Wechsel der Fahrspuren ist für uns Radler zwischen den dahinsausenden Autos ein Überlebenstraining. Etwas vor der Gruppe fahrend wähle ich die falsche Abfahrt – und brauche drei Stunden, bis ich die anderen im Hotel wiederfinde.
Über unsere Mobiltelefone sind wir in Notfällen immer untereinander in Kontakt.
Höhepunkt unseres Ruhetags in Istanbul ist eine Audienz beim Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I., die uns der griechisch-orthodoxe Metropolit von Österreich, Michail Staikos, vermitteln konnte. „Wir schätzen eure Initiative sehr“, so der im lebenslangen Bemühen um die Einheit von Ost- und Westkirche stehende christliche Würdenträger in seinem holzgetäfelten Audienzsaal, und weiter: “Jesus Christus hat selbst gesagt, die Friedensstifter sollen Söhne Gottes genannt werden – und dieses Privileg gebührt auch euch, denn ihr arbeitet an der Ausbreitung der Friedensbotschaft“.
Ein Besuch der Hagia Sophia und der jüdischen Synagoge rundet unser Bemühen um Äquidistanz zwischen Judentum, Christentum und dem Islam ab. Die Sicherheitskontrollen in der Synagoge machen uns bewusst, wie schwierig die Lebenssituation vieler jüdischer Gemeinden in der Diaspora nach wie vor ist
Wunderbar der Blick vom Dach des österreichischen St.Georgs-Kollegiums über die Altstadt von Istanbul. Da wir in der Eliteschule selbst keinen Platz finden, lädt uns der Direktor auf das von ihm ausgewählte Hotel „Green Anka“ ein – Danke!
Mit der Fähre Istanbul – Yalova setzen wir unsere Tour fort, um ohne Umwege gleich im Hochland von Anatolien zwischen Ackerland, Obstkulturen und Olivenhainen weiterzuradeln. In Eskisehir schlafen wir in einer Taek-wan-do-Sporthalle am Universitätscampus.
Über Bolvadin und Ilgin kommen wir – immer auf guten, asphaltierten Straßen – nach Konya. Allerdings total durchnässt. Bei einer Bergankunft in einem Fischrestaurant hatten wir zuvor die nassen Sachen noch auf Heizkörper gelegt – mehr symbolisch als wirksam.
Doch Konya, die Stadt der Sufis und der tanzenden Derwische, entschädigt uns für Wetterunbill. Beim Sarkophag von Jalal od-Din Rumi, dem großen Mystiker des Sufismus im 13.Jahrhundert, bedenken wir seine Worte: „Auf Gottes Wegen heißt die Währung Mut und Glaube – und entsprechend deinem Mut und Glauben wird dir die Wahrheit offenbar werden“.

Syrien-VISA-Krimi

Je näher dieses Ziel Jerusalem rückt, desto nervöser werden wir angesichts des Fehlens unserer Syrien-VISA. Am 18.März hatten wir in der syrischen Botschaft in Wien alle VISA-Ansuchen eingereicht. Die Konsulin fragte, warum wir denn nicht in Österreich für den Frieden demonstrieren wollten, warum es unbedingt Israel sein müsse, das wir uns als Ziel ausgesucht hätten. Sie reichte unsere Ansuchen in Damaskus beim Innenministerium ein – und dann hörten wir stereotyp immer nur, dass noch keine Antwort gekommen sei.
Doch zunächst genießen wir die unseren Almen ähnliche alpine Fauna und Flora des Taurus-Gebirges, von dessen 1300m Passhöhe es nur noch bergab in Richtung Mittelmeer geht.
In Tarsus bewundern wir die ersten Paulus-Gedenkstätten, in Iskenderun ist es dann Sonntag, und wir gestalten eine Bischofsmesse des italienischen katholischen Bischofs mit unseren Liedern und der deutschen Liturgie neben der türkischen Hauptsprache des Gottesdienstes mit.
In Antakya, dem antiken Antiochien, sind wir drei Tage zu Gast im vielleicht schönsten Quartier unserer Reise: einem Haus der Begegnung der deutschen Pastoralassistentin Barbara Kallasch. Mitten in der Altstadt gelegen, strömt aus den blumenumrankten Innenhöfen und einer jahrhundertealten Architektur eine Atmosphäre des Friedens und der Ruhe. Die Petrus-Felsenkirche am Stadtrand von Antakya erinnert an die ersten Missionierungsversuche durch Paulus, Barnabas und Petrus vor 2000 Jahren. Hier wurden die Anhänger Jesu erstmals Christen genannt. Und hielten sich Fluchtwege in den steilen Felshöhlen frei.
Drei Tage dauert unser Aufenthalt in Antakya, weil wir wegen des Syrien-Visums mit einem gecharterten Bus zum syrischen Generalkonsulat ins 200km entfernte Gazi Antep fahren müssen. Unser Buchautor Dieter ist über den Mödlinger Bürgermeister bis zu Außenminister Spindelegger gekommen – und dessen Intervention erweist sich schließlich als erfolgreich. Allerdings lässt sich Generalkonsul Haithem Saad die Chance nicht entgehen, uns bei Cay und arabischem Kaffee aufzuklären, wie Frieden in Israel einzig möglich sei: auf der Basis von Gerechtigkeit – und das bedeute, dass Israel die UNO-Resolutionen einhalten und sich aus den im Sechstagekrieg besetzten Gebieten zurückziehen müsse.
In Syrien selbst werden wir ständig von Mitarbeitern des Tourismus-Ministeriums begleitet. Das hat den Vorteil, dass wir in Maarat Anoman und Homs zu tadellosen, preislich günstigen Quartieren kommen. Wir fahren auf den Pannenstreifen der Autobahn – andere Straßenverbindungen existieren praktisch nicht. Und wir fahren schnell: zwei Tagesetappen von je 160km lassen uns den Tag in Gazi Antep einbringen, den wir mit dem Visa-Krimi verloren haben.

Von Damaskus nach Jerusalem

In Damaskus sind wir im katholischen St.Pauls Memorial einquartiert, das von italienischen Schwestern „hart, aber herzlich“ geführt wird. Aus der Apostelgeschichte liest uns Sepp die Bekehrung des Saulus vor – genau an der Stelle, an der Saulus vom Pferd fiel. Die Italiener haben hier eine Krypta errichtet.
Ein Rundgang – keine Radfahrt - führt uns zur Stadtmauer, wo sich Paulus in einem Korb abseilen und flüchten konnte, zur Hananias-Kirche, in den Basar und den Prinzenpalast. In der Omajadenmoschee müssen sich die Frauen unserer Gruppe mit bodenlangen Habits mit Kapuze bedecken; wir kommen gerade zurecht zum Mittagsgebet und erleben den Gesang der Muezzins live. Ich darf die vier Männer beim Singen filmen.
Eine Begegnung mit dem Großmufti – von Anas Shakfeh in Österreich organisiert - kommt nicht zustande, weil er länger als geplant in Aleppo zu tun hat.
Über Irbid, Jordanien, fahren wir durchs Jordantal zur Grenze nach Israel. Drei Stunden in der klimatisierten Grenzstation, Kontrolle von Gepäck und Rädern. Aber keine befürchteten Fragen nach dem Woher, Wohin, Weshalb.
Aber dann: 42 Grad im Schatten, 62 Grad in der Sonne. Unser Ältester kollabiert in dieser Hitze. Irmgard, unsere Ärztin, und Ernstl, der Sani, stehen ihm bei. Ein Badeteich ganz in der Nähe lässt uns einige Stunden pausieren und Abkühlung suchen. Und Heinz erholt sich zusehends, fährt anschließend bis zum See Genesareth im Begleitbus mit. Dort nimmt uns die Gemeinschaft „Emmanuel“ für eine Nacht auf – in einem alten klosterähnlichen Haus, von dem aus wir am nächsten Morgen einen traumhaften Sonnenaufgang am See erleben.
An diesem Tag sollten wir in Nablus bei palästinensischen Familien zu Gast sein, doch am Checkpoint Nord, zwischen Afula und Nablus, ist Endstation: nach vierstündigem Warten und erfolglosen Interventionen der österreichischen Botschaft in Jerusalem werden wir von den Militärs endgültig abgewiesen – per handy, nicht einmal persönlich. Wir müssen in Nathanya am Mittelmeer übernachten, um am nächsten Tag die letzte Etappe nach Jerusalem unter die Pedale zu nehmen.
An der Ortstafel Jerusalem ziehen wir unsere „Friedenspolos“ über, Poloshirts mit dem Aufdruck von Frieden in den acht Sprachen der Länder, die wir durchquert haben. Schon unterwegs überreichten wir Quartiergebern, Friedensaktivisten oder prominenten Gesprächspartnern immer wieder solch ein Poloshirt mit unserem Friedenslogo.
Am Damaskustor vereinen wir uns schließlich mit unseren drei „Abweichlern“, die unterwegs eine andere Route genommen hatten.
Nach 3.712km fallen wir einander in die Arme, gratulieren einander. Die Via Dolorosa bis zum Österreichischen Hospiz wird für uns zur Via triumphalis – ein unbeschreibliches Glücksgefühl, es geschafft zu haben.
Am gleichen Abend dieses 20. Mai klärt uns im Garten des Hospizes der Gründer der „Rabbis für den Frieden“, Jeremy Milgrom, über die Situation in Israel auf. Nie könne und dürfe es einen rein jüdischen Staat Israel geben, wie ihn die Religiösen erträumten. Eine Zwei-Staaten-Lösung sei seiner Meinung nach die einzig mögliche Zukunft für Palästinenser und Israelis.
Der nächste Tag öffnet uns vor allem die Augen für die Problemsituation der Palästinenser. In Bethlehem treffen wir – nach dem Besuch der Geburtskirche – Aktivisten für Gewaltlosigkeit im Palestinian Center for Rapprochement between people und im Center for Conflict Resolution and Reconciliation. Im einzigen Kinderspital der Palästinenser – das wenige Tage vor uns auch Papst Benedikt XVI. besucht hatte – berichtet uns unser Begleiter auf unsere Fragen zutiefst Deprimierendes: als Universitätsprofessor für Germanistik, der er immer für eine Zwei-Staaten-Lösung eingetreten sei, wurde er von den Israelis verhaftet, ein Jahr in einer 1 x 1 m kleinen Zelle eingesperrt und mit Schall und übersteuernden Tönen gefoltert. 40 % seines Gehörs verlor er dadurch. Als Christ habe er durchgehalten, indem er Kirchenlieder gesungen habe.
Zurück in Jerusalem geraten wir in der Altstadt in die Jugend-Demonstrationen zum 21.Mai, dem „Jerusalem day“: Jugendliche mit Davidstern-Fahnen ziehen lautstark durch die Straßen, die das Militär besonders zum arabischen Viertel hermetisch abgeriegelt hat. „Tod den Arabern“ und „Nieder mit den Arabern“ skandieren sie, und von palästinensischer Seite hallt es zurück: „we need more Hitlers“. Der Jerusalem-Tag soll an die Rückeroberung Ost-Jerusalems und die „Wiedervereinigung“ der Stadt im Sechstagekrieg von 1967 erinnern. Stundenlang irren wir durch die Altstadt, werden von Demonstranten abgedrängt oder mitgeschleift, bis wir endlich gegen 21.00 Uhr zum Österreichischen Hospiz durchkommen.
Am 23. und 24.Mai fliegt die Gruppe via TelAviv zurück nach Österreich, mir fällt die Aufgabe zu, den Begleitbus via Haifa-Zypern-Piräus-Patras-Venedig nach Österreich zurück zu chauffieren.
Am letzten Abend in Jerusalem bilden wir im Garten des Österreichischen Hospizes einen Kreis und ziehen, jeder einzelne, Bilanz unserer Fahrt. Die sechs Wochen haben uns einander nähergebracht, waren eine Übung, den Frieden in uns, in der Gruppe, und mit den Menschen zu finden, denen wir begegnet sind. Friede zwischen Israelis und Palästinensern sei im Moment kaum vorstellbar, utopisch – aber nicht unmöglich.
Wenige Tage nach unserer Friedensradfahrt wendet sich Barack Obama in Kairo mit einer mich sehr berührenden Rede an die Araber und entwirft seine Vorstellungen von einem friedlichen Miteinander von Juden, Christen, Muslimen in aller Welt. In zwei Jahren, bis 2011, soll es die Zwei-Staaten-Lösung für Israel geben, präzisiert er später in den USA.

Wer sagt da noch, dass unsere Friedensradfahrt vergeblich gewesen sei?

Werner Ertel

PS: Unter http://www.friedensradfahrt.eu kann in „Dieters Tagebuch“ mehr über unsere Initiative nachgelesen werden.
Beim Internationalen „Peace Festival“ in Berlin, Brandenburger Tor, am 25.Juli, sind meine Frau und ich eingeladen, über unsere Friedensradfahrt Wien – Jerusalem zu berichten.

martin Offline



Beiträge: 231

26.06.2009 09:52
#2 Probeexemplar KIRCHE IN antworten

"Eine detaillierte Reportage von Werner Ertel über die Jerusalem-Friedensfahrt finden Sie in der Juli-Ausgabe des unabhängigen, christlich-ökumenischen Monatsmagazins KIRCHE IN. Ein Probeexemplar dieser Nummer können Sie bestellen unter:
Redaktion KIRCHE IN, Keplergasse 8, A-1100 Wien
bzw. Tel.: 01/60 35 626 oder via email: office@kirche-in.at"
Alexander Pallinger

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