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Glück des Lebens
Drei Dinge sind uns aus dem Paradies geblieben: die Sterne der Nacht, die Blumen des Tages und die Augen der Kinder.
Dante Alighieri
Jedes neugeborene Kind bringt die Botschaft, dass Gott, sein Vertrauen in den Menschen noch nicht verloren hat.
Rabindranath Tagore
Für die Statistik:143 km,reine Fahrzeit 7h 2min,durchschnittliche Geschwindigkeit 20.0Km/h;885 Höhenmeter
Heute hieß es frühaufstehen,um der Hitze auszuweichen.Die gestrige Hitzeschlacht liegt uns allen in den Knochen.Ich komme tatsächlich eine Stunde früher als üblich weg.Die Truppe fährt in kleinen Dreier- ,Vierergruppen,je nachdem wie früh das Aufstehen jeweils gelungen ist.Vor mir haben sich schon einige Frühaufsteher auf die Reise begeben.Doch einige dürften sich verfahren haben.Ich erhielt glücklicherweise immer im richtigen Moment die richtige Information über die Details zur heutigen Route und so war ich plötzlich mutterseelenallein weit vor allen anderen.Ich hatte mir einfach vorgenommen in der Morgenkühle möglichst weit voranzukommen.Als ich riesige Sonnenblumenfelder sah,kam eine große Sehnsucht nach meiner Frau ,meinen Kindern,meinen Enkelkindern,meinen Schwiegersöhnen,meinem Zuhause auf.Die Sonnenblume ist d i e Blume meiner blumenverrückten Liebsten.Immerhin radeln wir jetzt schon fast 40 Tage durch die Weltgeschichte.Allein fahrend konnte ich mich ganz diesen Gefühlen hingeben und mir auch leisten eine kleine Sehnsuchtsträne zu verdrücken.Vorläufige Zwischenstation und wie sich später herausstellte, in gewisser Weise Endstation war nach rund 65km der Checkpoint Jenin.Besonders zu erwähnen ist,dass bei dieser Fahrt die Meeresspiegelhöhe "durchbrochen" und mit einem Schild besonders darauf hingewiesen wird.Von minus 200m klettert man auf schätzungsweise plus 300m mit dem Erfolg,dass das Klima bedeutend erträglicher wird. Ein angenehmer Wind nimmt der Hitze ihre Spitzen.Nach und nach tröpfeln die Anderen auch ein.Wir flüchten in den einzigen Schatten,den ein Flugdach bietet und hoffen mit Hilfe von Empfehlungschreiben unserer Botschaft den Checkpoint zu überwinden,um nach Nablus zu kommen.Dort wäre ein Treffen mit palästinischen Familien vorgesehen gewesen.Unser erklärtes Ziel,zu Menschen der in den Konflikt einbezogenen Völker,möglichst vertrauensvolle,auch persönliche Beziehungen aufzubauen.Nach vier Stunden des Wartens,zahlreichen Telefonaten mit der Botschaft,einem hilfsbereiten General,einem Reiseveranstalter strichen wir die Segel und suchten nach Alternativlösungen.Eines aber konnten wir nun sehr gut nachvollziehen:Die Hilflosigkeit,die Ohnmacht,der die Menschen hier ständig ausgesetzt sind. Hier wird die Würde des Menschen mit Füssen getreten.Jeder scheint hier Angst vor jedem zu haben.Ein Bild wird mir da symbolisch für diese menschliche Katastrophe besonders in Erinnerung bleiben :eine Mutter,die versucht hat mit ihrem in einer Kindertragtasche liegenden Baby durch das Drehkreuz zu kommen.Es brauchte unzählige Versuche bis es ihr dann auch mit unserer Hilfe gelang,sich,das Baby und die Tragtasche durchzuschleußen.Hier ist wirklich Endstation,...Endstation Menschlichkeit. Eine Quelle,die wiederum nur Hass und Gewalt gebiert.Schließlich verließen wir diesen traurigen Ort und entschieden uns in einem großen Bogen die umstrittenen Gebiete zu umfahren und landeten erst nach Einbruch der Dunkelheit in einem komfortablen Hotel in Netanya,einem Badeort am Mittelmeer.Vor dem Einschlafen fällt mir das Baby ein,das alle Versuche der Mutter das Drehkreuz zu überwinden mit großen staunenden Augen mitverfolgte.Mir fallen alle Kinder ein,die ich alle auf dieser nun langsam zu Ende gehenden Reise lachend, rufend,mitlaufend,mitradelnd,händeklatschend, den Weg weisend,neugierig fragend,ihre Fremdsprachenkenntnisse auspackend oder nur still mit großen ,seelenvollen Augen staunend erleben durfte.Mit ihnen allen bin ich rd 3700km lang ein wenig durchs Paradies geradelt.
Dieter
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