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 Dieter's Tagebuch
Dieter Offline



Beiträge: 181

20.05.2009 00:44
36.Reisetag(18.5.2009):Von Irbid nach Tiberias(See Genezareth-Israel) antworten

Es ist nicht gesagt,dass es besser wird,wenn es anders wird.
Wenn es aber besser werden soll,muss es anders werden.

Georg Christoph Lichtenberg

Erwachsen ist,wer auf sich selber nicht mehr hereinfällt.

Heimito von Doderer



Für die Statistik:92,6 km,reine Fahrzeit 4h35min,durchschnittliche Geschwindigkeit 20,4Km/h;538 Höhenmeter


Ein strahlend schöner Morgen bei luftig kühlenden Wind ließ uns die Anfangsanstiege leichter bewältigen.Dann die Abfahrt ins Jordantal zur Grenze nach Israel.Ein Stausee zieht unsere Blicke auf sich.Ein herrlicher Überblick von oben ins gelobte Land.Die Berge am Rand des Jordantales steinernsandige Legenden.Im Tal fruchtbare
Acker-und Gemüseböden.Wir befahren ahnungslos die Depression,d.h.wir befinden uns sehr bald unter dem Meeresspiegel.Grenze-wir befürchten mühsame Prozeduren;und das zu Recht.Schon die Jordanier lassen uns unser Gepäck ausräumen und durch die Sicherheitseinrichtungen laufen.Wir vermuten,dass sie dies vor allem tun ,um sich von den anschließend prüfenden Israelis nichts vorwerfen lassen zu müssen.Bei der Einreise nach Jordanien gab es nämlich keine so genaue
Gepäcksprüfung.Bei der Personenprüfung waren sie allerdings sowohl bei der Ein -als auch bei Ausreise sehr professionell.In beiden Fällen wurden mit eigenen Geräten
sowohl die Gesichtszüge fotometrisch gemessen und mit dem Passbild verglichen,als auch ein Daumenabdruck genommen.Dann steuerten wir die israelische Grenzstation mit etwas Herzklopfen an.Schließlich hat man über die Gründlichkeit der Grenzbeamten schon einiges gehört.Dabei führte uns der Weg erstmals über den Jordan.Auto komplett ausräumen,auch unsere gemeinsamen Ess-und Trinksachen,Schlafsäcke,--unterlagen,Kopfpolster.flughafenähnliche Sicherheitsprüfung.Schwierig
wurde es bei der Frage,wem die gemeinsamen Müsliriegel,etc.denn gehören,da sie keiner einzelnen Person zuordenbar waren.Doch schließlich konnte auch diese Klippe uberwunden werden.Ein kurze Befragung bei der Passkontrolle,welchen Beruf man hätte,ob man schon einmal dagewesen wäre,warum man denn nach Israel einreisen wolle rundeten die Grenzprozedur ab.In den klimatisierten Räumen um die Mittagszeit ließ sich das jedoch recht gut aushalten.Schließlich Auto wieder einräumen,Geldwechseln,einen erlösenden Kaffee genießen und endlich,endlich der Start ins gelobte Land.Voll Elan und Schwung machten wir uns über die sehr gut
ausgebauten israelischen Straßen her.Wir waren noch immer ahnungslos was unter dem Meeresspiegel,am Nachmittag an einem sonnigen Maitag bedeuten kann.Kein
Windhauch,brütende Hitze,brennende Sonne,42° C im Schatten,62°C in der Sonne,Backofen pur.Mit einem Schlag verflog unser Schwung,die Füße wurden bleiernschwer,
die Kehle wollte trotz ständigem Trinken ihren trockenen Zustand nicht aufgeben,der Kopf begann zu dröhnen und dann noch ein Mißgeschick,dass sich später allerdings als Segen erweisen sollte.Ich kann mich nicht erinnern,dass wir uns bisher schon einmal wesentlich verfahren hätten.Aber diesmal gelang uns das gründlich.es fiel uns
nicht einmal auf ,dass die Straße nach einer Abzweigung plötzlich viel schmäler wurde,noch dazu ging es bergab,was unserem momentanen körperlichen Zustand wohl gefiel.Die energiesparende Abfahrt endete bei einem......... Schranken.Nun wurde es ziemlich dramatisch.Heinzi K.,die Aussicht einer bergigen Rückfahrt vor Augen wurde
zum Opfer dieses feindseligen Klimas --er kollabierte.2°C Kälte,Platz- und Dauerrregen,Gegenwinde aller Art,längste und steilste Bergetappen hatte er mit großer Bravour
gemeistert,aber dieses Klima unter Meeresespiegel, in das wir ohne Vorbereitung hineingeschlittert waren,hatte ihn "geschafft".Gott sei Dank hatten wir mit Irmgard als
Ärztin und Ernst als Sanitäter zwei Profis zur Stelle.Ihren prompten Maßnahmen ist es zu verdanken,dass Heinzi sich bald wieder erholte. An ein Weiterfahren mit dem
Rad an diesem Tag war für ihn allerdings nicht zu denken.Hier hat sich wieder einmal der Bus bestens als Transportmittel bewährt.Doch Glück im Unglück wir waren bei unserer Irrfahrt auf einen,nicht sofort sichtbaren, wunderbaren ....Schwimmteich gestoßen.Die Abkühlung kam für uns andere gerade noch im richtigen Moment.Selbst
Heinzi hat nach der Erholungsphase vorsichtig von dieser Erfrischung Gebrauch gemacht.So kehrten,bei den durch die Depression deprimierten,die Lebensgeister wieder.
Einige sind ohne Teichbenützung zum Rückzug vom Irrweg und einer Vorausfahrt angetreten.Ich machte mir darüber unnötig Sorgen.Denn wie sich später herausstellte,sind sie relativ bald in einem schattigen Refugium mit variantenreichen Ess-und Bierkonsummöglichkeiten gelandet.Als wir anderen nach ein paar Stunden
Erholungsphase weiterfuhren,haben wir sie noch einholen können.Der erträglicher werdende Spätnachmittag ließ auch wieder mehr Interesse an der Umgebung aufkommen.Bananenplantagen,großflächige Palmenhaine,bereits abgeerntete Getreidefelder und schließlich der zauberhafte See Genezareth,das Endziel unserer heutigen Etappe, mit der vom Wasser her kommenden Abendfrische brachte die alte Zuversicht zurück.Der erste Blick auf den See,löste die für einen Glaubenden unvermeidliche
Frage aus:Wo mag Jesus am Ufer gestanden,ins Boot gestiegen,seine Jünger um sich geschart,die vollen Fischernetze vorhergesehen und übers Wasser gegangen sein?
Die Enttäuschung über die heute,unmittelbar nach unserer Ankunft noch ungelöste Quartierfrage löste leider ein paar unschöne Szenen unter ein paar Radfreunden aus.
Auch Friedensradler unter "Depressionsbedingungen" ,wie wir sie heute erlebt haben,sind "nur" Menschen.Schließlich fanden wir über Vermittlung von Heinz W.(unser wandelndes Konversationslexikon)`s Bekannte ein äußerst schön gelegenes Quartier.Ein sehr schmackhaftes Essen,mit Bier und Wein(Ernstls Geburtstag wurde gebührend gefeiert) in einem Chinarestaurant am See war ein versöhnlicher Abschluss.Im Bett denk ich noch ein wenig über die heutigen Begebenheiten,die so sehr zu
den heutigen Spuchtexten passen.Ein bißchen Hitze läßt uns zu "Hitzköpfen" werden,dabei wollen wir alle aus ehrlichen,ganzem Herzen der Friedensidee so gut es eben
möglich ist, dienen.Muss zuerst wirklich alles anders werden,damit alles anders wird?Werden wir jemals erwachsen im Sinne Doderers?


Dieter

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