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 Dieter's Tagebuch
Dieter Offline



Beiträge: 181

11.05.2009 19:43
29.Reisetag(11.5.2009):Ruhetag in Antakya(Hatay) antworten

Heimat

Heimat ist da ,
wo wir verstehen
und verstanden werden.

Karl Jaspers


Ein herrlicher Morgen,blauerHimmel,Sonnenschein,arabische Innenhofromantik,grün rankt´s sich an weissen Mauern,schmale Stiegen führen zu einem sehr guten
variantenreichen Frühstücksbuffet.Ein angenehm zarter Windhauch bei wärmenden Temperaturen begleitet uns den ganzen Tag.Er läßt den nach neuem Halt suchenden
wilden Wein leicht schwanken.Ein Blick über die Dächer zu den die Stadt umgebenden Bergen,Wolkengekräusl.Wir halten gemeinsam mit Barbara,unserer Gastgeberin,
Morgenandacht,singen einige Lieder.Dann erzählt sie uns aus ihrem Leben,was sie hieher verschlagen hat.Der Taizebewegung sehr zugetan,hat sie verschiedene caritative Aufgaben übernommen,auch in Österreich,in Jerusalem.Als für den Prozess um eine nicht mehr genutzte katholische Kirche,für die in Antakya die Kapuziner zuständig
sind,aus Personalmangel niemand mehr zur Verfügung stand,sprang Barbara als "Kapuzinerin" in die Bresche.Es gelang ihr auch mit deutscher Unterstützung und mit Hilfe der verständnisvollen Gemeinde von Antakya ein Ersatzgrundstück für die abbruchreife Kirche zu erhalten.Mittlerweile sind daraus mehrere Häuser in der Altstadt
geworden,die Pilgern,Reisenden gegen geringes Entgelt zur Verfügung gestellt werden.Eine katholische Kirche gibt es nun auch in der Nähe.Da die Altstadt durch ihre
engen,verschlungenen Gässchen kaum Autoverkehr zulässt,ist dieses Haus der Begegnung ein äußerst ruhiger und friedlicher Ort.Nur Vogelgezwitscher,tollkühne Schwalben,die in gewagten Manövern ihrem Futter nachjagen und hier ihre Nester bauen.Dann machten wir uns auf zu einem absoluten Pflichtbesuch.Etwa 20 Gehminuten
von unserer Unterkunft entfernt,in den die Stadt wunderbar wie eine Festung beschützenden Bergen befindet sich die wohl erste Kirche der Christenheit St.Peter,die
Felsenkirche.Hier sind Barnabas,Petrus und Paulus zusammengetroffen.Näheres kann man der Apostelgeschichte entnehmen.Hier wurden die Anhänger Jesu erstmals
Christen genannt.Nur knapp an die Felswand geschmiegt,daher gut gegen Feinde geschützt mit einem zweiten Fluchtweg versehen kann man die Gefahr in der sich die
ersten Christen ständig befanden gut nachvollziehen.Kaum zurück,hielten wir mit Barbara und einigen ihrer Mitarbeiterinnen in einem mit Rundbögen versehenen sehr
zum Verinnerlichen anregenden Andachtsraum ein gemeinsames Gebet für den Frieden der Welt ab.Dann wurde großartig aufgekocht.Der arabische Einfluss wurde deutlich spürbar.Eine fantastische Sesamcreme etwa und vieles mehr.Nach dem Essen begann der wohl spannenste Nachmittag unsere Reise.Ich,wir alle warteten
auf einen Anruf aus dem Außenministerium,ob wir Visa für Syrien bekämen.Dann der erste Anruf:Die letzte Bestätigung fehle zwar noch,aber wir dürften die Visa bekommen,allerdings nicht an der Grenze,sondern in Gazi Antep.Zweiter Anruf:Es ist unklar,ob wir alle oder einer ,der für uns alle Visa besorgt,nach Gazi Antep
fahren müssen.Ich bekam die Nummer des syrischen Konsulats.Anruf .Niemand da.Dritter Anruf:Die letzte Bestätigung ist da:die Visa sind sicher!!!Aber wir müssen
alle nach Gazi Antep,d.h.morgen um 6 Uhr Busfahrt Richtung Nordosten(ca 200km).Soll eine interessante Stadt sein.Jetzt aber schnell zum Mufti ,mit dem uns Barbara Kallasch einen Termin vermittelt hat.Es wurde dabei unser Logoleiberl überreicht.Lokale Zeitungen und TV war vertreten.Tee wurde gereicht,Fotos geschossen.Sehnsucht nach Frieden wurde auch hier spürbar.Bevor ich mich niederlege,denke ich,in diesem Haus der Begegnung sind wir verstanden worden,im Sinne Jaspers ein kleines Stück Heimat.


Dieter

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