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 Dieter's Tagebuch
Dieter Offline



Beiträge: 181

09.05.2009 21:56
27.Reisetag(9.5.2009):Von Adana nach Yakacik antworten

Andacht

Andacht ist,
wenn man der Wahrnehmung Zeit lässt,
den Seelengrund zu erreichen.

Dieter


Für die Statistik:117,24km,reine Fahrzeit 5h 44min,durchschnittliche Geschwindigkeit 20,44km/h,530 Höhenmeter

Heute den ganzen Tag prächtiges" Mittelmeerwetter".Einige,auch ich,kämpfen mit Verkühlungsproblemen.Da kommen diese klimatischen Bedingungen gerade recht,um
sich ordentlich auszukurieren.Vorbei an der prächtigen Moschee von Adana überqueren wir den Ceyhan Neb ,einen bedeutenden Strom,dem es offenbar im Lauf der Zeit
gelungen ist,dem Meer Land abzuringen.Auch heute gab es wieder einige "Patschen",die uns aber nicht nennenswert aufhielten.Die Truppe ist mittlerweile so gut trainiert,
dass wir kleinere Pannen locker wieder zeitlich ausgleichen.Allerdings war heute ein Tag der Stürze,aber gleich vorweg:es sind alle glimpflich verlaufen.Zunächst kam Walter beim Stehenbleiben nicht rechtzeitig aus den Klipps,Dann fuhren Hans A.,Gerhard und Elfriede zusammen.Letzlich erwischte es Leopold beim freihändig fotografierend fahren,als in ein Bub ins Lenkrad griff.Zwischen Adana und Ceyhan fielen riesige Getreidefelder(teilweise schon gelb),Gemüse(Gurken ,Tomaten,etc)anbau,etliche kleine Pferdegespanne mit ebenso klein gewachsenen Pferden und Wagen auf Gummirädern,die Erntegut oder auch Viehfutter transportierten und Landarbeiter ,die ihre Zelte bei sich hatten auf.Das Gelände selbst war eben und ist erst als wir über Nebenstrassen eine Abkürzung Richtung Iskenderun nahmen,hügelig
geworden.In einem kleinen Ort stießen wir auf den bisher schönsten Profanbau,eine Karawanserei.Mächtige Torbögen im Inneren ,ringsum Feuerstellen zum Braten ,
läßt einen erahnen,wie hier die Kaufleute mit Tieren mit bewaffneten Schutz ihre Nächte auf ihren Reisen verbracht haben.Zuvor haben wir eine mächtige Burg lange Zeit
bewundern können.Dass es sich dabei um einen strategisch wohl überlegten Platz gehandelt haben muss,erkannte man daran,dass wir die Festung lange Zeit nicht aus den Augen verloren.Weiter ging die Fahrt bis sich nach einem kurzem Anstieg,das hier türkisblau schimmernde Meer in seiner vollen,scheinbaren Unendlichkeit unseren Augen öffnete.Und treu blieb,treu bis zu unserem Etappenziel.Diesem standen noch einige ,im Radlerjargon "Schupfer" genannte Kurzanstiege entgegen.Eine weite Ebene,linker Hand durch Berge begrenzt mit einer unglaublich angenehmen Geruchströmung,die sich im nachhinein als vom Südwind herbeigezauberter Orangenblütenduft
herausstellte,führte in die psychologisch wesentliche "Endkurve" Richtung Jerusalem.Warme Duschen,ein gutes Abendessen,ein gutes Glas Rotwein in angenehmem
Hotelambiente mit meinen Radlerfreunden ,was will man mehr?Und doch der Gedanke an die Lieben zu Hause weist dorthin,dass man sie gerne teilhaben lassen möchte
an diesem Abenteuer.Meine Tochter Priska,der ich zwar telefonisch,aber noch nicht auf diesem Weg zum vorgestrigen Geburtstag gratuliert habe,fällt mir da gleich ein.
Mausele,ich freu mich schon sehr auf ein Wiedersehen.Überhaupt freue ich mich schon sehr auf Lignano,wenn ich wieder alle meine Lieben ein bißchen verwöhnen kann.
Aber ich bin nicht der Einzige,no na,der die Lieben daheim vermisst.Heinz Wolfram denkt heute ganz besonders an seine Frau Gisela.Sie hat heute Geburtstag.Innige
Geburtstagswünsche,liebe Gisela von deinem Heinz.Dem schließe ich mich selbstverständlich gerne an.Nach diesem ,so harmonisch verlaufenen Tag,lege ich mich zur Ruhe.Mir geht dabei das gestrige Wort Herders nicht aus dem Kopf.Das Wort Andacht klingt in unserer modernen Welt leider wie ein Anachronismus.Was ich für mich,und wie ich meine,viele von uns bisher auf dieser Reise gelernt haben,ist ANDACHT.Das Reisetempo mit dem Rad lässt es zu,die Begegnung mit der Natur,mit den Radfreunden und mit anderen Menschen auf die wir treffen in einer wesentlich intensiveren Weise zu erleben als es die Hektik unserer "Fortschrittswelt" zulässt.Das
hat mich veranlasst über Andacht ,den Kontrapunkt des modern way of live,intensiver nachzudenken.Ist es nicht der tietste Grund unserer Seele,der sich nach Andacht
sehnt,der einfach Zeit haben will,Wahrgenommenes anzunehmen?Ist das die Fülle des Lebens nach der wir uns alle sehnen? Alle ,die genug haben, von Zwängen des modernen Alltags,von Lärm und Hektik?Über diese Fragen nachdenkend,schlafe ich nun ein.



Dieter

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