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 Dieter's Tagebuch
Dieter Offline



Beiträge: 181

03.05.2009 00:02
20.Reisetag(2.5.2009):Von Eskisehir(815m) nach Bolvadin(1080m) antworten

Geöffnete Türen

Wenn sich eine Tür schließt,
so öffnet sich eine andere.
Aber allzu oft,
blicken wir solange voller Bedauern
auf die verschlossene Tür,
das wir die,
die sich für uns geöffnet hat,
gar nicht erst bemerken.

Alexander Graham Bell


Für die Statistik:164km,reine Fahrzeit 8h26min,durchschnittliche Geschwindigkeit 19,5km/h,1079 Höhenmeter


Nach unserer kleinen Andacht(meist ein oder zwei Lieder, gemeinsames Gebet)kehrten wir der Sporthalle den Rücken und nahmen Zuflucht in einem Frühstücksrestaurant
gleich in der Nähe..Dann brachen wir bei leichtem Regen auf.Doch schon bald wurden wir unliebsam gestoppt.Nicht weniger als 3 Mitradler hatten Reifenschäden(Waltraud,Werner und Hans A.)Wie sich später herausstellte, dürften alle über die selben Glasscherben gefahren sein.Sie fuhren mit unserem Bus die Räder reparieren
um später(in Cifteler) auch mit Hilfe des Busses zu uns zu stoßen.Wir anderen nahmen nunmehr bei Regen die lange Etappe in Angriff.Bald hatten Joschi und ich(war
heute von den Absicherungsaufgaben als Letzter der Gruppe zu fahren,befreit)uns bei angenehmen Rückenwind abgesetzt.Es war nasskalt und so versuchten wir uns
warmzuradeln.Nach einem kleinen Kaffeestop bei einer Tankstelle bogen wir Richtund Konya von der Strasse nach Ankara ab.Wir kamen durch Ödland.Die Weite der
Hochebene wurde durch sanfte Hügel am Horizont begrenzt.In Cifteler hielten wir in einem Kebablokal Mittagsrast.Kurz nach unserem neuerlichen Start,hielt Ernstl
den Wagen an und rief:"Eine Katastrophe".Wir vermissten Heinz Wolframs Rad im Fahrzeug,das er nach gelungener Passerledigung in Konya wieder zur Verfügung
haben sollte.Wie sich herausstellte, hatte jemand beim Umräumen am Vortag das Rad aus dem Bus gestellt ein anderer dürfte es dann fürsorglich in die Sporthalle geführt haben,um einen vermeintlichen Mitradler zu unterstützen.Am heutigen Morgen fand sich aber kein Mitradler,der das Rad wieder aus der Sporthalle geführt hätte,denn der saß noch in Istanbul fest und hieß Heinz Wolfram.So blieb Ernstl nichts anderes übrig als 90 km zurückzufahren,um das glücklicherweise noch vorhandene
Rad heimzuholen.Nun begann sich die Ödland-Hochebene in äußerst wunderbarer Weise zu verändern.Allmählich rückten Berge heran.Im Hintergrund sogar ein schneebedeckter Gebirgszug Die Wiesen wurden saftig grün.Das ganze Hochland(rund 900m)schillerte in den verschiedensten Grünschattierungen.Die Sonne kam zum Vorschein und warf wechselnde Schattenfelder der Wolken auf die nun nicht allzu fernen buschpunktierten Grasberge.Ein fesselndes Naturschauspiel.Darüber wölbte
sich ein tiefblauer Himmel mit rasch ziehenden weissen und grauen Wolken.Das Licht gleissend-klar.Ein Grastümpel mit uralten,dickstämmigen Weiden darin.
Erstmals finde ich keine vergleichbare Landschaft.Das hier ist offensichtlich anatolisches Hochland pur.Der Wind ist hier auch von einer speziellen Art.Meist kommt
er in plötzlich-überraschenden Attacken daher.Einmal wäre es im fast gelungen,uns samt Rädern umzuschmeissen.Große Schaf-und Ziegenherden von löwenähnlichen
Hunden in Zaum gehalten nebst Eseln bilden den wesentlichen Tierbestand.Erst gegen Bolvadin tauchen auch Rinderherden auf.Die Häuser nieder mit Flachdach um gegen den allgegenwärtigen Wind gerüstet zu sein.In Emirdag ein eher misslungener Labungsstopp.Daher fahren Heinz und Ludwig weiter.Auch Hans A.,Elfriede und ich
entschließen uns noch vor der Gruppe aufzubrechen.Immerhin liegen noch 40km vor uns.Wir nehmen uns vor kräfteschonend aber konstant die restliche Strecke zu
bewältigen und ...... werden von einem sehr kräftigen Gegenwind überrascht.Zwischen 9km/h und 11km/h pendelte der Tacho.Im Stillen befürchtete ich schon eine
restliche Fahrzeit von mindestens 3 Stunden.Dazu kam ein entsetzlich grobkörniger Rüttelstrassenbelag.Selbst bergab kamen wir fast zum Stehen.Leichte Verzweiflung
machte sich breit.Dennoch vergaßen wir nicht,die berauschendschöne Landschaft zu bewundern,die sich uns nun zeigte.Kaum zu glauben.dass noch eine weitere
Steigerung möglich war,aber die nun immer näher rückenden Gras-buschpunktierten-berge bildeten ein traumhaftschönes Tal,das auf einen Pass zulief ,dessen Anhöhe wir nun zu bewältigen hatten.Manche dieser meist die Form eines halben Elipsoids(etwa so ,wenn ein Riese mit einem Riesenlöffel einen Haufen hingepatzt hätte)aufweisenden Berge haben eine Art Krone,gebildet vermutlich aus einem dunkelbraunen Kalkgestein.Endlich ließ der Wind ein wenig nach.Auch unser Begleitfahrzeug ließ sich wieder blicken und so konnte jeder in dem ihm genehmen Tempo die letzten Kilometer abspulen.In nunmehr rasanten Tempo schoss ich dem Ziel entgegen und erreichte gleichzeitig mit den einige Zeit vor mir gestarteten Heinz und Leopold Bolvadin.Zuvor fuhr ein türkischer Lastwagen neben mir her.Drei junge Männer zollten mir
Bewunderung und ich mußte ihnen unsere ganze Radfahrtgeschichte auf englisch erzählen.Auch den Namen eines Hotels (wir waren noch auf Quartiersuche) haben
sie mir empfohlen.Aufgewärmt und heißgeduscht ,zufrieden ein Hotel gefunden zu haben,das beides bieten kann,komme ich vor dem Einschlafen auf das Anfangszitat
zurück.Der heutige Gegenwind schien eine Tür zu verschließen,aber könnte es nicht auch eine offene Tür sein,im Sinne von fahrt langsam,genießt mit Muße diese
wunderschöne,unvergessliche Landschaft.

Dieter

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