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 Dieter's Tagebuch
Dieter Offline



Beiträge: 181

30.04.2009 23:40
18.Reisetag(30.4.2009):von Istanbul nach Yenisehir antworten

Wenn alles still ist,
geschieht am meisten.

Sören Kierkegaard


Für die Statistik:92km,reine Fahrzeit 4h 55mim,Durchschnittsgeschwindigkeit 18,3km/h,1007 Höhenmeter


Wir verließen unser Hotel gegen 8h15 ohne Heinz Wolfram.Er mußte sich um einen Ersatzpass kümmern und blieb daher in Istanbul zurück,um uns für den Fall der positiven Erledigung nach Konya per Bahn nachzukommen.Im für Selbstmordabsichten durchaus geeigneten Frühverkehr fuhren wir zur Fähre.Martin hatte am Vortag schon alles für uns organisiert.Die Sonne begann gerade sich erstmals seit langem durchzusetzen,als wir an Board gingen.Die keine ganze Stunde dauernde Fahrt
nach Yalova verlief angenehm,alle Hektik der vergangenen Tage fiel von mir,aber sicher auch von einigen MitradlerInnen ab.Hatte ich bisher keine,oder eine verzerrte
Vorstellung von Anatolien,so war ich von der Landschaft,die sich uns nun auftat,angenehm überrascht ,,ja wuchs meine Begeisterung je tieter wir in das Land eindrangen.
Zunächst galt es einen kleinen Pass mit überaus sanften Anstieg ( Höhe 300 m)zu überqueren.Bei der Abfahrt konnte man zu beiden Seiten Berge verschiedenster
Höhenkategorien bewundern.Vor uns im Osten aber öffnete sich das Land und wir sahen auf den riesigen Izniksee hinab.Bald hatten wir ihn erreicht und fuhren an seinem Nordufer entlang nach Iznik,dem früheren Nicea,.der Stätte des ersten Konzils der jungen Kirche.Erstmals tauchten nun Olivenbäume auf.Mir fiel erst jetzt auf,dass wir auf unserer bisherigen immerhin schon rund 1700km langen Fahrt noch keine zu Gesicht bekommen haben.Dann viele Kirschbäume,Weingärten,jede Menge anderer
Obstkulturen,erstmals auch Zypressen ,der Boden der Olivenhaine wird auch als Acker für verschiedenste Gemüsesorten genutzt;dies alles verbunden durch ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem.Fürwahr ein sehr fruchtbares Land rund um den See.In Iznik hielten wir Mittagspause und einige von uns ließen es sich nicht
nehmen die Ruinen der einst so bedeutungsvollen Konzilsstätte aufzusuchen.Mittlerweile erreichte uns die Nachricht,dass Heinz Wolfram bei seiner Passaktion
erfolgreich war und in Konya wieder zu uns stoßen wird.Nun ging es über den zweiten Pass,der uns schließlich nach Yenisehir führen sollte.Eine wunderbare Bergstrasse
mit relativ wenig Verkehr und prächtigem Ausblick auf den See,die auf 600mHöhe hinaufführte,aber auch eine abwechslungsreiche Bergwelt ringsum erschloss,hatten wir zu bewältigen.Die Stille der Bergwelt wurde oft nur durch Vogelgesang unterbrochen.Welch wohltuender Gegensatz zu Istanbul. Die letzten Kilometer rollte das Rad von selbst zum Ziel.Unsere Quartiermeister fanden glücklicherweise ein geeignetes Hotel,was nicht zuletzt der uns nun schon seit Edirne zugute kommenden außerordentlichen Hilfsbereitschaft der türkischen Bevölkerung zu verdanken ist.Diese selbstlose Aufmerksamkeit Fremden gegenüber ist mir in dieser Intensität noch in keinem anderen Land begegnet.Auch die Sauberkeit in den Städten hält jeden Vergleich mit einer (mittel)europäischen Stadt stand.Beim Rückweg vom Adendessen begleiteten uns die Gesänge des Muezzins,wie wir sie schon seit Edirne immer wieder zu hören bekamen bis in unser Hotelzimmer.
Dieser Radtag wurde von uns allen als besonders schön empfunden,für nicht wenige war dieser Sonnentag der bisherige Höhepunkt.War es die Stille der Bergwelt,die uns im Sinne Kierkegaards so sehr bewegte?

.Dieter

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