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 Allgemein
Hans Gattringer Offline



Beiträge: 28

18.01.2009 22:08
Barenboim - Musik für den Frieden antworten
APA0352 5 AI 0447 KA/KI Sa, 17.Jän 2009

Österreich/Nahost/Israel/Palästina/Konflikte/Musik/Konzert

Nahost - Barenboim fordert Dialog ohne Vorbedingungen 1

Utl.: Emotionales Konzert des West Eastern Divan Orchesters in Wien =

Wien (APA) - Einen leidenschaftlichen Friedensappell hat der argentinisch-israelische Dirigent Daniel Barenboim an die Konfliktparteien im Gaza-Krieg gerichtet. "Warum stoppen wir nicht dieses irrationale Vorgehen und reden ohne Vorbedingungen miteinander?" fragte der Maestro nach einem ebenso emotionalen Konzert mit "seinem" West Eastern Divan Orchester, das am Samstagnachmittag im Wiener Musikverein mit Werken von Beethoven, Schönberg und Brahms begeisterte. Eine Lösung für den Nahost-Konflikt sei nur auf dem Weg des Dialogs zu finden, betonte Barenboim vor der Presse.

Ein Waffenstillstand unter ebenbürtigen Partnern und das "Zusammensetzen am Verhandlungstisch" ist in den Augen Barenboims der einzige Ausweg aus dem Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern. Er erinnerte an die Grundsätze der Französischen Revolution: Zuerst müsse es Freiheit geben, zweitens Gleichheit und "erst dann kann man von Brüderlichkeit sprechen".

Der durch seine Tätigkeit mit dem West Eastern Divan Orchester im Friedensprozess engagierte Dirigent verwies auf den Umstand, dass 55 Prozent der Bevölkerung im Gazastreifen jünger als 16 Jahre sind. Erziehung und Bildung seien für die Zukunft der jungen Menschen dort von eminenter Bedeutung. Barenboim rief dazu auf, das Zerstörte im Gazastreifen wieder aufzubauen und in dem palästinensischen Gebiet für bessere Lebensbedingungen zu sorgen.

Mariam Said von der Barenboim-Said-Stiftung fasste die Zusammenarbeit junger israelischer und palästinensischer Musiker in die Worte: "Das Wichtigste ist, die Barriere, die Mauer des Hasses zu durchbrechen." Barenboim meinte, viele der jungen Menschen seien "voll Zorn und Trauer", doch "sie kommen zusammen und spielen miteinander". Das West Eastern Divan Orchester "ist kein politisches, sondern ein humanes Projekt". Mariam Said, Witwe des palästinensischen Intellektuellen Edward Said, der zusammen mit Barenboim 1999 das Friedens-Orchester gegründet hatte, meinte, sie kenne nur einen einzigen Musiker, der wegen der militärischen Ereignisse im Gazastreifen die Jubiläumstournee nicht mitmache. "Das ist ein Erfolg."

Zum Auftakt des Konzerts im Großen Saal des Musikvereins - nach Berlin und Moskau ist Wien die dritte Station der Tournee anlässlich des zehnjährigen Bestehens des "Divan" - dirigierte Barenboim Beethovens Leonoren-Ouvertüre Nr. 3, die ebenso gefühl- wie kraftvoll erklang. Auch den Ausflug in die Moderne mit Schönberg-Variationen meisterten die jungen Musiker mit Bravour. Nach Brahms' Vierter Symphonie, durch die der Maestro beschwingt und kraftvoll, wie es den Sätzen des Werks gebührt, führte, war das Publikum nicht mehr zu halten. Es dankte mit stehenden Ovationen und Begeisterungsstürmen.

Bereits bei seinem Wien-Aufenthalt zum Jahresende, als er das traditionelle Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker dirigierte, hatte Barenboim betont, dass der Nahost-Konflikt nicht militärisch zu lösen sei und zwei unabhängige Staaten die einzige Lösung für die Region wären. Israel müsse wissen, dass es unmöglich sei, die Hamas mit militärischen Operationen zu zerstören, so Barenboim.
(Forts.) hs/er

APA0358 5 AI 0460 KA/KI Siehe APA0352/17.01 Sa, 17.Jän 2009

Nahost/Israel/Palästina/Konflikte/Musik/Orchester/Hintergrund

West Eastern Divan Orchestra - Jubiläum im Schatten des Gaza-Kriegs

Utl.: "Wir streben nach völliger Freiheit und Gleichheit zwischen
Israelis und Palästinensern" =

Wien (APA) - Das West Eastern Divan Orchestra hatte sich seine Jubiläums-Tournee zweifellos anders vorgestellt. Das Schicksal wollte es, dass diese Tournee vor dem Hintergrund blutiger Auseinandersetzungen im Nahen Osten stattfindet, was eine große psychische Belastung für die jungen Musiker aus beiden Lagern darstellt. Der 10. Jahrestag des Orchesters steht im Schatten des Gaza-Kriegs.

Den Auftakt der Tournee bildeten zwei ausverkaufte Konzerte in der Berliner Staatsoper Unter den Linden am 12. Jänner, wo Barenboim seit 1992 Generalmusikdirektor ist. Dennoch war dies der erste Wermutstropfen, denn die Berlin-Termine ersetzten Konzerte, die eigentlich im arabischen Raum geplant waren: in Doha im Golf-Emirat Katar und in Ägyptens Hauptstadt Kairo. Aus Sicherheitsgründen mussten diese Auftritte kurzfristig verschoben werden; darum ersuchten die jeweiligen Regierungen, wie Barenboim betont.

Danach absolvierte das Orchester wie geplant Konzerte im Moskauer Tschaikowski-Konservatorium (15. Jänner) und nun im Wiener Musikverein. Nächste und vorläufig letzte Station der Jubiläumstournee wird die Mailänder Scala am 18. Jänner sein. Im Sommer 2007 hatte das Orchester bei den Salzburger Festspielen gastiert.

Bewegend ist der Aufruf zu einem friedlichen Zusammenleben im Nahen Osten, den das Orchester anlässlich des Wien-Konzerts an die Öffentlichkeit richtet. "Wir, die Mitglieder des West Eastern Divan Orchestra, sind überzeugt davon, dass es keine militärische Lösung für den israelisch-palästinensischen Konflikt gibt", heißt es in dem Appell, der im Programmheft abgedruckt ist. "Wir streben nach völliger Freiheit und Gleichheit zwischen Israelis und Palästinensern - das ist die Basis, auf der wir zum gemeinsamen Musizieren zusammenkommen." Die Musiker "fordern den sofortigen Verzicht auf jegliche Gewalt; dieser muss zu ehrlichen und gerechten Verhandlungen ausnahmslos zwischen allen betroffenen Parteien führen." Ein souveräner palästinensischer Staat könne nur mit Beendigung der israelischen Besetzung entstehen.

1999 gründeten der israelisch-argentinische Dirigent und Pianist Barenboim und der mittlerweile verstorbene palästinensische Intellektuelle Edward Said das West Eastern Divan Orchester, in dem junge Menschen aus Israel, Palästina und arabischen Nahost-Staaten sowie aus der Türkei und Spanien miteinander musizieren. Ziel ist es, durch gemeinsames Musizieren das gegenseitige Verständnis und die Reflexion zu fördern.

Seit 2002 sind der Workshop und das Orchester im andalusischen Sevilla in Spanien beheimatet. 2004 wurde die Fundación Barenboim-Said gegründet, die neben dem West Eastern Divan Orchestra zahlreiche Projekte zur musikalischen Bildung in Israel und Palästina sowie eine Orchesterakademie in Sevilla betreut.

Auf der laufenden Tournee besteht das Orchester aus 34 Musikern aus arabischen Ländern, 32 Israelis und 19 Spaniern, wie von der Barenboim-Said-Foundation mitgeteilt wurde. Der 66-jährige Barenboim, der heuer am 1. Jänner beim weltweit aus dem Musikverein übertragenen Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker am Pult stand, lässt sich in seinem Engagement nicht beirren - wohl wissend, dass auch die Macht der Musik eine begrenzte ist.
(Schluss) hs/er

APA0358 2009-01-17/21:01


Österreich/Nahost/Israel/Palästina/Konflikte/Musik/Konzert

Nahost - Barenboim 2 - Musiker: Nicht-Wissen über die andere Seite

Utl.: "Man kann ein Volk töten, aber nicht brechen" Wien/APA =

Auch einige der jungen Musiker kamen zu Wort, und ihre Aussagen spiegelten das Dilemma wider, in dem sich die Menschen auf beiden Seiten finden. Niemand denke mehr darüber nach, dass "es auf der anderen Seite auch menschliche Wesen gibt", meinte Nabeel Abboud Ashkar, ein Palästinenser, der in Israel lebt. Ihn erschrecke der Gedanke, "dass ich ein Feind innerhalb eines Staates bin". Sein israelischer Orchester-Kollege Guy Eshed fragte sogleich: "Wirst du nicht auch von den Palästinensern als Verräter betrachtet?"

Nach den Worten Nabeels hat die palästinensische Minderheit in Israel den israelischen Staats akzeptiert - "wie die Juden in New York", die zu den Vereinigten Staaten gehörten, meinte er. Im gegenwärtigen Konflikt "ist es sehr schmerzlich zu sehen, dass unschuldige Kinder getötet werden". Die Israelis müssten wissen, "dass es nicht möglich ist, ein ganzes Volk zu brechen. Man kann sie töten, aber nicht brechen."

Guy hat auch Erfahrungen auf der anderen Seite gemacht, die er nicht missen möchte. Mit seinem zweiten, einem deutschen Reisepass war er vor zwei Jahren in Ramallah im Westjordanland. "Das wäre eine gute Erfahrung für jeden Israeli", ist der junge Musiker überzeugt. Ramallah liege doch so nahe bei Jerusalem. Über dieses Nicht-Wissen über die Menschen auf der anderen Seite wird in Wortmeldungen mehrfach geklagt.

Für Ramzi Aburedwan geht es in dem Konflikt vornehmlich um "Land, auf dem man leben kann". Er ist selbst in einem der vielen palästinensischen Flüchtlingslager aufgewachsen, die seit nunmehr rund 60 Jahren existieren. "Wir wissen nicht, wohin wir gehen sollen." Auch vor dem Gaza-Krieg sei es den Menschen dort schlecht gegangen, aber davon sei wenig wahrgenommen worden. "Das palästinensische Volk hat das Recht, sich zu verteidigen", meint Ramzi, der als Kind Steine auf israelische Soldaten warf, wie er sagte.

Und wie wirken sich die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Palästinensern auf das Zusammensein im Orchester aus? "Wir fühlen, dass wir etwas tun, was jenseits der Ereignisse liegt", meint die israelische Musikerin Meirav Kadichevski. Alle fühlten sie die herrschende "Ungerechtigkeit".

"Miteinander reden" lautet auch die Botschaft des Maestro. Nach Ansicht Barenboims geht es in dem Konflikt um zwei Parteien, die auf dem gleichen Gebiet leben wollen. Die eine Seite akzeptiere nicht, dass die andere die gleichen Rechte habe. Sorge bereite der Gedanke, dass eine neue, junge Generation heranwachsen könnte, die noch radikaler sein werde. Die Betroffenen am Verhandlungstisch zusammenzusetzen, sei die einzige Lösung. Auch die UN-Resolutionen "bringen uns nicht weiter", meinte der Dirigent. "Das ist wie eine unvollendete Symphonie."
(Schluss) hs/za

APA0372 2009-01-17/21:58

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