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 Dieter's Tagebuch
Dieter Offline



Beiträge: 181

26.04.2009 18:33
14.Reisetag(26.4.2009): Von Zlatna Livada (Goldene Wiese) nach Svilengrad antworten


Es geht,wenn ich gehe

So wenig als möglich sitzen;
keinem Gedanken Glauben schenken,der
nicht im Freien geboren ist und bei
freier Bewegung-in dem nicht auch
die Muskeln ein Fest feiern.

Friedrich Nitzsche

Für die Statistik:110km,721 Höhenmeter,reine Fahrzeit 5h18min,durchschnittliche Geschwindigkeit 20,9km/h

Der Tag begann mit Regen und Kälte.Wir besorgten uns nach einem einfachen Frühstück von einem eigenen Brunnen im Klostergarten ein angeblich sehr heilsames
"Wunderwasser".Als wir das Kloster verließen,hatte der Regen fast aufgehört,es sollte aber ein kühler Tag bleiben.Wir durchfuhren hügeliges Gras- und Weideland.
Ab und zu Schafherden,Pferdewagenund immer häufiger Esel.Wie schon während unserer ganzen bisherigen Reise ,gab es vielerorts freundliche Zurufe und Grüße,winkende Menschen,Hupkonzerte von Autos,so als ob wir zu einer Hochzeit fahren würden,dröhnende LKWsignale.Sobald wir stehen blieben,gab es neugierige
Fragen,staunende Gesichter und mitunter Bewunderung.Nirgends stießen wir bisher auf Ablehnung;weder in Ungarn,noch in Kroatien,noch in Serbien und auch nicht
in Bulgarien.Soweit sprachliche Barrieren es zuließen,haben wir auch immer bereitwillig Auskünfte etwa ,wenn es um den richtigen Weg ging,wir ein Hotel oder ein Esslokal suchten ,erhalten.Wie auch schon bei der Einfahrt nach Plovdiv,war uns auch jetzt bei der Suche nach unserem Hotel in Svilengrad die Polizei behilflich.Die Beamten ließen es sich nicht nehmen,uns direkt bis zum Hotel zu geleiten.Zuvor hatten wir uns das karge Frühstück durch einen guten Kaffee nach etwa 30km Fahrt aufgebessert.Bald danach kamen wir nach Dimitrovgrad.Industriestadt,qualmende Fabrikschlote,riesiges,veraltetes,mitunter ruinenhaft wirkendes Industriegelände.
Umweltbedingungen,wie in Linz vor rd 50 Jahren.Eine große Ansammlung von Menschen und parkenden Autos auf einem ausgedehnten Gelände,die mir wie ein
überdimensionierter Flohmarkt vorkam.Wir waren froh ,diese Stadt bald hinter uns gelassen zu haben.Dann erreichten wir Hamanle,das wir für unsere Mittagsrast auserkoren haben.Diese Kleinstadt wurde mir auf Anhieb sympathisch,weil dort vor dem Amtsgebäude ausnahmsweise einmal kein Kriegerdenkmal,
sondern die Statue eines flötenspielenden Jünglings stand.Wir "eroberten" ein Lokal,das eher für Teens und Twens gedacht war und ließen uns dort in weiche
Ledergarnituren fallen.Dies schien mir in Anbetracht des ständig besessenen Fahrradsattels ein echter Luxus.Neben von uns mitgebrachten Proviant,gab es zum Bier
immerhin Pizza und guten Kaffee.Nach Hamanle wurde das Hügelland zusehends flacher,Acker-und Weinbau nahmen zu.Die letzten Kilometer rollten wir auf einer
noch nicht eröffneten Autobahn dahin,der Traum jedes Radfahrers.Die heiße Dusche im Hotel belebte die heute klimatisch bedingt etwas abgekühlten Lebensgeister.
Da unsere Muskeln nun schon seit Tagen noch dazu im Freien ein "Fest " feiern,dürfen wir im Sinne Nitzsches unseren Gedanken trauen.

Dieter

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