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 Dieter's Tagebuch
Dieter Offline



Beiträge: 181

19.04.2009 15:08
5.Tag(17.04.2009):Osijek-Novi Sad (Serbien) antworten
Für die Statistik:126Km;354 Höhenmeter;Reine Fahrzeit 6,28h,durchschnnittliche Geschwindigkeit19,4Km/h :

Ins Meer der Freiheit
Vater im Himmel,sei du das Heil,gib,dass wir unsere Armseligkeit hinter uns lassen
und, an dich gelehnt,uns hinauswagen,in die unbekannten Meere der Freiheit.

Teilhard de Chardin

Zum Frühstück wurde uns in der Kapuzinerpfarre eine deftige lokale Spezialität serviert.Am Hauptplatz holten wir eine kleine Kaffeepause nach.
Dann begann der Tag der Kalamitäten.Heinz vermisste sein Tascherl mit Pass und Geld.Nach einer erfolglosen Suchaktion fuhr er mit dem
Begleitfahrzeug zur Pfarre zurück,während wir anderen die Tagesetappe in Angriff nahmen.Letzlich fand er seine Habseligkeiten im Bus,weil er
immer für alle anderen das Einräumen der Gepäckstücke besorgte und dabei die Aufmerksamkeit auf seine eigenen Angelegenheiten vergaß.
Er kümmert sich immer um alle anderen,jedenfalls ein Hinweis, dass er auch auf sich mehr achten sollte.
In Vukovar an der Donau war ein schön gelegenes Kaffeebeisel Schuld daran ,dass wir uns im Fahrplan verspäteten.Daher war im Anschluß daran
Tempobolzerei angesagt.Heinz und ich starteten bei günstigen Westwind die kraftraubende Weiterfahrt Richtung serbische Grenze.Es gab
fast bei jedem Dorf,durch das wir fuhren Abfahrten mit nachfolgenden heftigen Anstiegen,zwischendurch ließ sich von Zeit zu Zeit die Donau
blicken.Wir passierten die Grenze nach Serbien über die Donaubrücke.Knapp über unseren Köpfen zog ein prachtvoller Storch auch seine Kreise.Zum Unterschied von uns menschlichen Zugvögeln hatte er schon sein vorläufiges Endziel in den Donauauen gefunden.Unser Ziel Jerusalem liegt hingegen noch in weiter Ferne.Kurz danach hielten wir in einem gutem Restaurant unsere Mittagsrast.(Rasnici,andere schwärmten vom guten Fisch)Für uns rund 20 hungrige und durstige Radler machte die Zeche
unwahrscheinliche ca.10.000 Dinar aus,d.s.rd € 100,00.Als wir auf die Straße traten,sahen wir ,dass es geregnet hatte und gratulierten uns zu dem Glück,dass wir den
ersten Regen auf unserer Radreise im gemütlichen Restaurant überdauert hatten.Doch unsere Freude war nur von kurzer Dauer.Denn nun setzte sehr bald ein immer
heftiger werdender Regen ein.Wir suchten unter dem Dach einer Scheune Unterschlupf.Dabei stellte sich heraus,dass einige Mitradler fehlten.Über Handy erhielten
wir die Information,dass Elfriede einen Reifenschaden hatte(ausgerechnet bei strömenden Regen)und Heinz(immer für alle da)den Schaden beheben wird.Dann sahen
wir unser Begleitfahrzeug und vermuteten darin Elfriede und Heinz.Zu unserer Überraschung hielt das Begleitfahrzeug nicht an.Einige von uns waren auf den Regen
nicht vorbereitet und hätten aus dem Auto einiges gebraucht.Enttäuscht warteten wir weiter bei unserem Unterstand die weitere Entwicklung des Wetters ab,zumal
wir auch noch andere Mitradler vermissten.Weitere Telefonate brachten leider auch keine Klärung der Situation.Da der Regen etwas nachließ und immerhin noch
rund 40 Km ,die wir nicht bei drohender Dämmerung zurücklegen wollten,vor uns lagen,entschloß ich mich zum Aufbruch,dem alle folgten,die mit mir bei der Scheune
waren.Gerhard und ich wechselten uns in der Führungsarbeit ab .So kamen wir bei günstigem Westwind auf der regennassen Straße rasch voran.Da plötzlich
ein Aufschrei,ein Krachen.Walter stürzte bei einer Regenrinne schwer.Er raffte sich jedoch rasch auf und wir fuhren weiter.Langsam ließ der Regen nach,doch Nässe
und Dreck hatte uns bereits voll erwischt.Endlich nach endlos scheinenden 11/2 Stunden erreichten wir noch lange vor Dämmerungseinbruch unser Ziel,das Franziskaner
kloster in Novi Sad.Im Speiseraum sammelten wir uns nach und nach alle.Es stellte sich nun heraus,dass nicht nur Heinz (um das Rad zu reparieren und Elfriede(wegen
des Raddefekts).sondern auch 2 weitere Mitradler,auf die wir bei der Scheune im strömenden Regen vergeblich gewartet hatten,mit dem Begleitbus nach Novi Sad
gefahren waren.Nun kamen verständlicherweise Emotionen hoch und auch Kritik über das Verhalten Einzelner und auch der Gruppe.Das lag wohl auch daran,dass wir
für ungewöhnliche Situationen keine klaren Regeln aufgestellt hatten.Diese Ereignisse führten aber sehr rasch dazu,dass auf den anfänglichen Missmut ,konstruktive
Vorschläge zum Individual-und Gruppenverhalten gemacht wurden.Das Grundproblem wird uns wohl noch eine Weile und immer wieder und wieder beschäftigen,wie man
größtmögliche persönliche Freiheit mit dem notwendigen Gruppenanpassungsverhalten optimieren kann.Ist dies doch ein veritables Grundproblem unserer heutigen wie
auch jeder künftigen Gesellschaft.
Nun stellte sich heraus,dass Walters Verletzung weit schlimmer ausgefallen war als ursprünglich angenommen.Seine Wunde musste im Spital genäht und versorgt werden.Für die nächste Etappe muss er das Begleitfahrzeug nutzen.Wir hoffen,dass er nach unserem Ruhetag in Belgrad wieder mitradeln kann.Nach dem Abendessen
-hervorragendes Backwerk sowohl salzige,saure als auch süße Varianten,köstliche Klosterschnäpse-die die teilweise aufgebrachten Gemüter rasch besänftigten-waren
2 Damen einer christlich-humanitären Organisation bei uns zu Gast.Wir erfuhren,dass die rund 2Mio Einwohner der Vojvodina,in der wir uns gerade befinden,27(!!!) verschiedenen Volksgruppen mit ähnlich vielen unterschiedlichen Religionsbekenntnissen angehören.Ihre Organisation setzt sich(die beiden gehören den Donauschwaben
an und sprechen dahere ausgezeichnet deutsch) besonders für die Verständigung dieser Gruppen ein.Und als ob dieser Tag nicht genug Kalamitäten mit sich gebracht
hätte.habe ich in Serbien keine "mobilen Partner" für A1 gefunden,um meine Beiträge ins Internet zu stellen.Mein guter Computergeist Martin hofft, wenigstens in Belg rad
über den Hotelcomputer eine Zwischenlösung für mich zu finden.In den auf Serbien folgenden Ländern soll es wieder A1-Partner geben.
Müde sinniere ich vor dem Einschlafen,wie doch ein paar unverhoffte Regentropfen eine Menschengruppe so stark irritieren können.Es zeigt eigentlich das ganze Mäß
unserer Armseligkeit auf.Lieber Teilhard de Chardin:Mit deinem Gebet auf den Lippen entschlummere ich ins Land der Träume.
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