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 Und nun auch noch der SPLÜGENPASS

Für die Statistik: rund 40km, ca. 2000 Hm

Es gibt Berge,
über die man
hinüber muss,
sonst geht der Weg
nicht weiter.

Ludwig Thoma

Ernst und ich verließen Turin am 9.9. gegen 10h mit den 13 Rädern der Turinradler, die sich zum Großteil schon am frühen Morgen mit dem Zug in Richtung Österreich in Bewegung gesetzt haben. Ein verzweifelter Anruf von Marianne, sie hätte den Schlüssel vom Turiner Domizil irrtümlich noch bei sich; ein letztes logistisches Problem, das wir mit Hilfe der noch
bis Dienstag in Turin verbliebenen Radler Gerhard, Josef und Fritz noch rechtzeitig lösen konnten.
Die schneebedeckten Berge im Norden, die das sonnige Morgenlicht herausfordernd bei unserer Fahrt Richtung Mailand ins Blickfeld rückt, lassen in mir den am Vorabend noch recht diffus dämmernden Entschluss endgültig reifen, den auf unserer Rückreise wie eine Barriere wartenden Splügenpass mit dem Rad in Angriff zu nehmen.
Am Comosee genießen Ernst und ich noch in einem direkt am Ufer gelegenen Restaurant ein hervorragendes Mittagessen. Mit einem etwas mulmigen Gefühl dann die letzten Kilometer
im Auto bis Chiavenna, in Anbetracht dessen was ich mir mit diesem Pass vorgenommen habe: Rund 30km von Chiavenna (333m) zur Passhöhe (2115m),dazwischen eine kurze Bergabfahrt, sodass zur rechnerischen Höhendifferenz nochmals geschätzte 200Hm dazukommen. Doch ich will das auf Grund meines fortgeschrittenen Alters nur noch zu einem winzigen Spalt geöffnete Zeitfenster nutzen – diese wohl letzte Chance- mit der, durch die rund 1200 km lange Friedensradfahrt, wieder etwas verbesserten Kondition, um diesen Berg
zu bezwingen. Immerhin sind es noch einmal um 600Hm mehr als auf den Glockner, der, als er und ich noch einige Jahre jünger waren, mein erfolgreiches Ziel war. Selbstredend will ich den „Splügen“ in einem Zug durchfahren. Ich beginne daher sehr vorsichtig und langsam. Erst allmählich gewinne ich mehr Zutrauen in meine Möglichkeiten und steigere das Tempo ein wenig.
Ein prachtvolles Tal mit einigen Dreitausendern zu beiden Seiten öffnet sich im langsamen
8-10kmh Tempo. In den Fels gesprengte Tunnel, atemberaubende Serpentinen, so eng, dass
manche Autos reversieren müssen, um durch zu kommen. Ein Postbus, der das mit Bravour schafft. Almboden, Kühe weiden bis zur Passhöhe. Wasserfälle donnern ins Tal. Kleine
Dörfer mit Stein- und Holzhäusern eng an die steilen Hänge geschmiegt. Nun stellt sich heraus, dass ich eine ideale Zeit und ideales Wetter erwischt habe. Bis hinauf habe ich immer wieder etwas nachmittägliche Sonnenwärme. Und dann als man glaubt schon oben zu sein, beim Lago Montesplugo, und erste Freudenströme durchs Innere ziehen, beginnt noch einmal eine allerletzte Bewährungsprobe, noch einmal Anstieg, diesmal noch dazu mit erheblichem Gegenwind. Geschafft, das Schweizer Fähnli signalisiert das Ende der Tortur. Mit einer warmen Goretexjacke gegen die aufkommende Abendkälte nunmehr geschützt, beginnt die große Belohnung, die genussvolle Abfahrt nach Splügen über eine nicht minder abenteuerliche Folge von Serpentinen, am Rande das Vieh mit Glockengeläut, so als ob es
Einem applaudieren wollte, wozu man sich im Stillen ohnehin schon selbst beglückwünscht hat – ein lohnendes Abenteuer so gut überstanden zu haben.

Dieter



p.s.: Ernstl hat ein paar Fotos davon gemacht, die ich hoffentlich bald nachreichen kann.



Dieter, 15.09.2013 17:13
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